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Behindertenpolitik muss als Seismograph gelten

Symbolische Wahlurne der LIGA Selbstvertretung und ISL am Brandenburger Tor
Symbolische Wahlurne der LIGA Selbstvertretung und der ISL
Foto: Franziska Vu ISL

Berlin (kobinet) "Eine Politik, die die Rechte behinderter Menschen ernst nimmt und durch Maßnahmen und Gesetze praktisch umsetzt, ist für alle eine menschenfreundliche und bürgernahe Politik. Jeder Mensch, der am 26.09. wählen geht, sollte also genau schauen, welche Partei sich in ihrem Wahlprogramm ambitioniert und mit guten Maßnahmen für die gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen einsetzt. Behindertenpolitik muss als Seismograph gelten, woran alle Menschen messen können, wie gut es sich in einer Gesellschaft leben kann.“ Dies betonte die Sprecherin der LIGA Selbstvertretung und Sprecherin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) für Gender & Diversity, Dr. Sigrid Arnade, im Nachgang zu einer Wahlaktion, die die beiden Verbände am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor durchgeführt haben.

Mit einer symbolischen Wahlaktion hatte die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) gemeinsam mit der LIGA Selbstvertretung am 15. September auf provokante und unterhaltsame Weise aufgezeigt, wie behindertenpolitisches Handeln auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gestaltet sein muss, damit behinderte Menschen endlich umfassend in die Gesellschaft inkludiert und als gleichberechtigte und selbstbestimmte Bürger*innen geachtet und behandelt werden.

Die am Brandenburger Tor stattfindende Wahlaktion, an der eine Vielzahl behinderter und nichtbehinderter Menschenrechtsaktivist*innen sowie neugierige Passant*innen - angelockt durch provokante Plakate - teilnahmen, ermunterte die Teilnehmer*innen, ihre Stimme für oder gegen eine menschenrechtliche Behindertenpolitik abzugeben. Auf Stimmzetteln fasste die ISL ihre Forderungen an die Politik zusammen und verdeutlichte, dass politisches Handeln sich endlich nicht mehr an Wirtschaftsinteressen orientieren sollte und Barrierefreiheit etwas kosten darf. Slogans wie "Für behinderte Menschen in Medien, Wirtschaft, Politik und Führungspositionen“, motivierten zum Mitwählen und der Auseinandersetzung mit der Lebensrealität behinderter Menschen, wie es in einer Presseinformation der ISL im Nachgang zur Wahlaktion heißt.

In zahlreichen Redebeiträgen betonten behinderte Aktivist*innen, dass die Politik Menschen mit Behinderungen endlich nicht mehr als kleine Randgruppe wahrnehmen darf und aufgefordert ist, Jahrzehnte währende Missstände endlich abzubauen. "Es kann nicht sein, dass behinderte Menschen, immer noch nicht spontan mit den Zügen der Deutschen Bahn reisen können,“ ärgert sich Alexander Ahrens, Pressesprecher der ISL. Keinem nicht behinderten Geschäftsreisenden würde es zugemutet werden, erst nach 06:30 Uhr mit dem Zug fahren zu dürfen, weil erst dann Personal am Bahnhof verfügbar ist. Hinzu komme, dass die Anmeldung von Assistenz sehr bürokratisch und so detailliert ist, dass behinderte Menschen das Gefühl haben, Daten über Gewicht, Körpergröße usw. preisgeben zu müssen, die niemanden etwas angehen. "Kein nichtbehinderter Mensch, würde sich so etwas gefallen lassen müssen,“ empört sich Alexander Ahrens.

"Mit dieser Aktion wurden behinderte Menschen und ihre Forderungen sichtbar und hörbar gemacht, denn bisher spielt die menschenrechtliche Perspektive behinderter Menschen im Wahlkampf bei Politik und Medien überhaupt keine Rolle. Die Aktion zeigt ausdrücklich, dass sich das dringend ändern muss", so das Resümee der Veranstalter über die Aktion.

Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sqt2457