Werbung:
Banner Fotos für die Pressefreiheit 2020
Banner kobinet unterstützen
Cartoon Phil Hubbe Ausschnitt Rolli liest kobinet
Springe zum Inhalt

Wo bleibt die barrierefreie gynäkologische Versorgung?

Symbol Fragezeichen
Symbol Fragezeichen
Foto: ht

Kassel (kobinet) Wo bleibt die barrierefreie gynäkologische Versorgung? Das fragt sich die Politische Interessenvertretung behinderter Frauen im Weibernetz und fordert im Vorfeld des Internationalen Frauentags bundesweit für alle Städte und Landkreise entsprechende Angebote.

De facto gäbe es in Deutschland nach wie vor nur vier gynäkologische Spezialambulanzen bzw. –praxen, die für Rollstuhlnutzerinnen umfassend barrierefrei sind. Das habe zuletzt eine wissenschaftliche Studie der Universität Bielefeld im Auftrag des Gesundheitsministeriums von 2019 belegt. Es gäbe weitere gynäkologische Praxen, die teilweise für Frauen mit Beeinträchtigungen geeignet sind. Sie seien jedoch schwer zu finden, weil die Selbstauskunft von Ärzt*innen unzureichend ist, berichtet das Weibernetz.

"Das führt in der Praxis zu einer Unterversorgung von Frauen mit Beeinträchtigungen“ empört sich Brigitte Faber, Projektleiterin beim Weibernetz. "Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass wir im 21. Jahrhundert zwar auf den Mars fliegen können, aber Frauen mit Beeinträchtigungen trotz gesetzlicher Festschreibungen keine ausreichende gynäkologische Versorgung erhalten. Das ist eine Menschenrechtsverletzung!“

In den gynäkologischen Praxen fehlt es aus Sicht der Netzwerke behinderter Frauen, die seit den 1990er Jahren an dem Thema arbeiten, an allem: An räumlicher und kommunikativer Zugänglichkeit, an zugänglichen Strukturen, die bereits bei der Anmeldung anfangen, an Fach-Kenntnissen, barrierefreien Informationen. Zudem fehle es häufig an einer menschenrechtsorientierten Einstellung des medizinischen Personals, die z.B. häufig dazu führe, dass Frauen in Einrichtungen immer noch die 3-Monats-Spritze verordnet wird, unabhängig davon, ob sie überhaupt sexuellen Kontakt haben und ungesehen der möglichen medizinischen Nebenwirkungen.

"Was für alle Frauen normal ist, nämlich an der üblichen gynäkologischen Vorsorge teilnehmen können, sich Verhütungsmittel verschreiben zu lassen, Geburtsvorbereitungskurse zu besuchen etc. muss auch für Frauen egal mit welcher Beeinträchtigung zur Normalität werden!“ fordert Brigitte Faber.

Hintergrund:

Die gesetzliche Krankenversicherung im SGB V schreibt im § 2a vor, dass alle Gesundheitsleistungen die Versorgung von chronisch kranken und behinderten Menschen sicherstellen müssen. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention sieht in Artikel 25 eine barrierefreie Gesundheitsversorgung vor.

Die bundesweite Politische Interessenvertretung behinderter Frauen im Weibernetz e.V. streitet für die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigung. Sie setzt sich gezielt für die Stärkung der Gleichstellung, der Gleichberechtigung und des Gewaltschutzes durch Partizipation und Vernetzung ein. Gefördert wird die Interessenvertretung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kassel (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/scfn670