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Was hat ein Känguru mit Lernen zu tun?

Auf dem Foto sind 7 Personen zu sehen.
Auf dem Foto sind 7 Personen zu sehen, via Videokonferenz
Foto: Gracia Schade

Nieder-Olm (kobinet) Im Projekt Kommune Inklusiv der Verbandsgemeinde Nieder-Olm wurde im Sommer 2018 ein Bildungstreff für Menschen mit Lernschwierigkeiten gegründet. Ziel davon ist, Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen und Englisch zu üben. kobinet-Korrespondentin Gracia Schade sprach mit den Teilnehmer*innen und der Übungsleiterin über das Känguru.

Die Gruppe entschied sich für einen eigenen Namen und nennt sich seit 2019 „Känguru“. Ein Känguru macht Sprünge.Das heißt: Das Känguru kommt weiter. Es ist neugierig. Und es hat Spaß am Leben. Manchmal macht es auch Unsinn. Lernen soll Spaß machen und nicht an Schule erinnern. Inzwischen nehmen 5 Menschen mit Lernschwierigkeiten regelmäßig teil. Durch Corona findet das Angebot derzeit ausschließlich per Videokonferenz statt.

Seit Mitte April 2020 leitet Laura ehrenamtlich das Känguru. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen gestaltet sie die virtuellen Treffen und bindet die Teilnehmer*innen aktiv in die Umsetzung ein. Von Museumsbesuch über Kochen bis hin zu Englisch-Übungen.

Mit Cathrin, Tamara, Tanja, Silke, Paul und Laura sprechen wir über das Känguru.

kobinet-nachrichten:Warum macht ihr beim Känguru mit?

Tamara: Ich finde es toll, mit verschiedenen Menschen was zu machen. Man lernt was und hat Spaß dabei.

Paul: Weil es Spaß macht. Und ich arbeite auch gern virtuell.

Alle: Es ist schön, dass man sich trotz Corona so treffen kann. Das ist eine gute Lösung. Sonst hätten wir die sozialen Kontakte verloren.

kobinet-nachrichten: Was gefällt Euch im Känguru?

Tamara: Mir gefällt die Abwechslung. Früher haben wir oft nur gelesen. Humor ist wichtig,und wir lachen viel.

Tanja: Mir gefällt eigentlich alles. Ich finde es gut, dass wir nicht nur lernen, sondern auch mal Gesellschaftsspiele machen.

Cathrin: Mir gefällt auch fast alles, nur Englisch ist zu schwer.

Laura: Dann machen wir zukünftig einfachere Englisch-Übungen.

Laura: Am besten gefällt mir, dass uns alle Möglichkeiten offenstehen und wir in den digitalen Zeiten so kreativ sind. Wir gestalten eine Stunde Freizeit in der Woche zusammen. Wir besprechen alle Themen, worauf wir Lust haben. Ich lerne neue Leute kennen, die anders unterwegs sind als ich. Wir unterscheiden uns in Alter, Wohnort und Beruf.

kobinet-nachrichten: Wie soll das Känguru weiter gehen?

Alle: Ein fester Tag in der Woche wäre besser. Das nervt manchmal, bis wir uns auf einen neuen Termin geeinigt haben. Das wir uns jede Woche treffen, ist gut.

Tanja: Ich würde einen Wechsel zwischen virtuellen und richtigen Treffen gut finden. Kochen und Basteln geht besser, wenn man sich persönlich trifft.

kobinet-nachrichten: Wir setzen uns für Inklusion ein. Was muss noch gemacht werden?

Tanja: Das ist ein wichtiges Wort. Das muss mehr in die Öffentlichkeit. Damit jeder merkt, dass es gar nicht so schwer ist, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen. Jeder soll die Möglichkeit haben,an allem teilzunehmen.

Paul und Tamara: Die Barrierefreiheit soll besser werden. Inklusion muss völlig normal sein.

Silke: Wir sollten öfter mal einen Inklusionstag machen oder einen Umzug wie auf dem CSD (Christopher Street Day).

Cathrin: Wir können Flyer verteilen, dort wo viele Menschen hinkommen. In der Schule, in Vereinen und Einrichtungen. Wir müssen mehr Werbung machen.

Laura: Wir könnten ja auch die Tanzschule oder andere Vereine besuchen. Dann lernen wir uns gegenseitig kennen. Vielleicht kann man ja auch mal eine Stunde mit dem Känguru auf dem Nieder-Olmer Wochenmarkt machen.

kobinet-nachrichten: Ist Leichte Sprache wichtig? Welche Texte interessieren Euch?

Alle: Ja,auf jeden Fall.

Silke: Meldungen zu Politik und zur Wahl. Alles über Corona. Nachrichten im Allgemeinen. Das ist auch gut für Menschen, die keine Lernschwierigkeiten haben.

Tamara: Arztberichte, Beipackzettel und Texte zur Gesundheitsvorsorge.

Cathrin: Texte zum Thema Pflichten bei der Arbeit. Eine Kollegin von mir spricht nicht gut Deutsch. Sie versteht vieles nicht und weiß dann manchmal nicht,was sie machen muss.

kobinet-nachrichten: Klickt ihr auf Internetseiten das Symbol für Leichte Sprache an?

Cathrin: Ja. Sonst suche ich nicht nach Informationen in Leichter Sprache.

Laura: Cool wäre doch, wenn bei Suchmaschinen es einen neuen Reiter „Leichte Sprache“ gäbe, wie beispielsweise den Reiter „Bilder“.

Zum Abschluss zwei Fragen an Laura:

kobinet-nachrichten: Hattest du vor den ersten Terminen Angst oder Sorge,was da auf dich zukommt?

Laura: Nein. Ich wurde eingeladen, eine virtuelle Museumsführung zu machen. Ich war freudig aufgeregt. Ich fand die Idee gut, zu zeigen, wie cool Kunst sein kann. Manchmal rede ich sehr schnell oder nutze schwere Worte. Dann sagen die Teilnehmer*innen mir, dass sie mich nicht verstehen. Das ist für mich bereichernd. Die Arbeit im Känguru macht mir viel Spaß.

kobinet-nachrichten: Warum ist dir Inklusion wichtig?

Laura: Für mich ist wichtig, dass ich allen Menschen mit dem gleichen Respekt begegne. Ich mache keinen Unterschied zwischen den Menschen. Ich finde es gut, dass wir verschieden sind. Es gibt immer Dinge, die man voneinander lernen kann. Inklusion ist ein Austausch. Ich glaube, es gibt immer noch genug Leute, die das nicht so sehen. Die haben oft auch wenig Kontakt zu Menschen mit Behinderung.

Nieder-Olm (kobinet) Kategorien Interview

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sfgim90