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Ihr Mann bezeichnet sie als Greenkeeperin

Portraitfoto Susanne Müller - aufgenommen im Auto
Porträtfoto Susanne Müller
Foto: Privat

Mainz (kobinet) Susanne Müller, 68 Jahre, Vorsitzende des Kuratoriums der Aktion Mensch

Sie versteht nicht, warum es in Deutschland so schwer ist, Barrierefreiheit zu schaffen.

Herkunft: Im Grunde ihres Herzens bezeichnet sich Susanne Müller als Schwäbin. Sie sagt: „Meine Muttersprache ist Schwäbisch.“ Ihre Eltern stammen von dort. Sie selbst ist geboren und aufgewachsen in Leverkusen. „Ich bin ein Bayerkind, meine Eltern waren beide Chemiker, und mein Vater hat bei Bayer gearbeitet“, erzählt Susanne Müller. Während ihrer Kindheit hat sie vier Jahre in Indien gelebt. 1970 machte sie auf einer Mädchenschule Abitur. Man riet allen 26 Abiturientinnen, Lehrerin zu werden. 20 schlugen diesen Weg ein, Susanne Müller nicht. Sie studierte Sozialwissenschaften in Konstanz und ging dann nach Marburg, um mit Politikwissenschaften weiterzumachen. Geendet hat die Studienlaufbahn in Berlin mit dem Magister in Publizistik.

Familie: „Ich bin ein absoluter Familienmensch, die Familie ist das Wichtigste überhaupt. Als wir in Indien lebten, hat meine Mutter mich und meine große Schwester unterrichtet. Zurück in Deutschland haben meine Mutter und ich über das Leben geratscht, wenn ich aus der Schule kam. Das macht mich aus“, erzählt Susanne Müller. Sie und ihre Schwester erbten das Ferienhaus im Schwarzwald - das ist bis heute der Familienmittelpunkt. „Wenn alle zusammenkommen, sind wir 20 Personen.“ Susanne Müller hat zwei Töchter, die ältere lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in München, die jüngere in Mainz. Auch heute noch fahren sie gerne gemeinsam in den Urlaub und haben ein enges Verhältnis zueinander. „Ich habe immer Vollzeit gearbeitet, doch wenn meine Töchter anriefen, mussten sie immer durchgestellt werden, egal in welcher Sitzung ich war. Damit sie nicht zu kurz kommen, bin ich oft sehr früh aufgestanden, um zu arbeiten. Und mein Mann hat mir mit den Kindern den Rücken freigehalten.

Wohnen: In Mainz-Drais wohnen sie und ihr Mann in einem Reiheneckhaus mit Garten. Nachträglich haben sie einen Wintergarten angebaut. Mittelpunkt hier ist der große Esstisch, an dem viele Gäste Platz finden. Toskanisch anmutende Fliesen und helle Weichholzmöbel sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Einzige Pflanze hier ist ein riesiger Elefantenfuß, der schon über 40 Jahre alt ist. Der Vorgarten erinnert an einen Bauerngarten, hier blühen Hortensien, Malven und andere Gewächse. „Gärtnern ist mein Hobby, mein Mann sagt, ich bin die Greenkeeperin bei uns“, schmunzelt Susanne Müller.

ZDF: Nach dem Studium wollte Susanne Müller gern zum Fernsehen. Das klappte erst mal nicht, zumal sie in Berlin bleiben wollte. Dann bewarb sie sich auf eine der 24 Volontariatsstellen beim ZDF. Mit ihr 1845 andere. „Wir wurden aufgefordert, einen Text einzureichen. Ich schrieb über die Gehälter von Fußballspielern. Hanns Joachim Friedrichs suchte damals eine Frau für die Sportredaktion. Außer mir hatte keine Frau über Sport geschrieben. So bekam ich das Volontariat dort“, berichtet Susanne Müller. Nach dem Sport ging es in die Kinderredaktion. „Ich war maßgeblich an der Entwicklung der Kindernachrichtensendung „Logo“ und des Kinderkanals beteiligt. Darauf bin ich stolz.“ Als die eigenen Kinder dem Kinderprogramm entwachsen waren, übernahm sie die Leitung der Hauptredaktion „Neue Medien“. Weitere Stationen: Leitung des New Yorker Büros und des Bereichs für Ko-Produktionen und Programmentwicklung bei ZDF Enterprises. Zum Abschluss ihrer Karriere wurde sie Leiterin der Hauptredaktion Spielfilm. Insgesamt war Susanne Müller 37 Jahre für das ZDF tätig.

Aktion Mensch: Seit 2018 ist Susanne Müller Vorsitzende des Kuratoriums der Aktion Mensch. Sie erzählt: „Bereits kurz vor meiner Pensionierung habe ich beschlossen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Ich wollte gute Werke tun. Der ZDF-Intendant Thomas Bellut hatte das Gefühl, mir diese Funktion anvertrauen zu können. Aufgrund meiner langjährigen Verbundenheit zum ZDF hat mir diese Möglichkeit gut gefallen.“ Ihr Mann arbeitete ebenfalls als Redakteur beim ZDF und hat schon als Student Beiträge für die Lotteriesendung der Aktion Mensch, damals noch Aktion Sorgenkind, gemacht. Die Aufgabe ermöglicht Susanne Müller neue Blickwinkel. „Ich möchte wissen, welche Themen für Menschen mit Behinderung wichtig sind. Wie können wir die Umsetzung der Inklusion in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Mobilität und Empowerment stärken. Ich verstehe nicht, warum uns die Erreichung der Barrierefreiheit so große Probleme macht. Andere Länder sind uns da weit voraus. Ich hoffe, dass die neue Aktion-Mensch-Förderaktion #1BarriereWeniger zu mehr Sensibilisierung beiträgt.“

Inklusion heißt für mich: „Dass alle Menschen gut miteinander in dieser Gesellschaft leben können. Teilhabe soll für jeden überall möglich sein und niemand soll ausgeschlossen werden.“

Reisen: Susanne Müller reist gern, am liebsten mit Familie oder Freunden. Südtirol und Amrum sind jedes Jahr fest eingeplant. Reisen ist für sie Erholung, auch für die Augen. „Ich verbinde Reisen mit Bewegung, Wandern und Inspiration. Man lernt neue Länder, Menschen und Kulturen kennen. Auch kulinarisch lasse ich mich auf Reisen gerne verwöhnen.“ Susanne Müller würde gern noch einmal nach Indien reisen, an die Zeit dort hat sie wunderbare Erinnerungen. Eine Schiffsreise von Kiel nach Sankt Petersburg steht auch auf der Wunschliste. Sie sagt: „Ich möchte sehr gerne die Kurische Nehrung betrachten. Es gibt allerdings auch viele Orte, die ich dienstlich kennenlernen durfte, schön finde und noch mal erleben möchte.“

Essen: Spontan sagt Susanne Müller: „Ich esse und koche gern. Mein Soulfood sind Linsen mit Spätzle und Saitenwürstchen.“ Eine tolle Belohnung nach mehrstündigem Kochen sind für sie glückliche Gesichter, weil es den Gästen gut schmeckt. Sie erzählt: „Ich habe einen Schrank voller Kochbücher. Auch zahlreiche Gewürze in der Schublade und viele Kräuter im Garten.“ Für sie ist das gemeinsame Essen eine gute Grundlage für intensive Gespräche und Austausch miteinander.

Wünsche: Sie wünscht sich, noch viele Jahre mit ihrem Mann verbringen zu können. Menschen, die sie lange nicht getroffen hat, beispielsweise ihre Abiturklasse, möchte sie noch einmal wiedersehen. Ihr Hobby Gärtnern will sie ausweiten. Abschließend sagt sie: „Ich muss mein Leben aufräumen. Wir haben unendlich viele Fotos in Kartons im Keller. Daraus will ich Fotobücher für die Kinder und Enkelkinder anlegen. Mal sehen, wann ich dazu komme!“

Mainz (kobinet) Kategorien Interview

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sacdmnu