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Wie kann ich mich sicher fühlen?

Plakat des Netzwerkbüro NRW" Wie soll ich mich sicher fühlen (anlässlich der Ereignisse im Wittekindshof)
Plakat des Netzwerkbüro NRW" Wie soll ich mich sicher fühlen (anlässlich der Ereignisse im Wittekindshof)
Foto: Netzwerkbüro NRW

Münster (kobinet) Anlässlich der Berichterstattung über die Vorgänge in der ostwestfälischen Einrichtung Wittekindshof weist das Netzwerk Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung Nordrhein-Westfalen auf die andauernde Präsenz von struktureller und persönlicher Gewalt im Leben vieler Frauen (und Männer) mit Beeinträchtigung hin. "Die Berichte erinnern mich an meine eigenen Erfahrungen struktureller Gewalt und an die vielen Beispiele von anderen Frauen und Männern mit Behinderung, die ich kenne: in Einrichtungen, in Krankenhäusern, in der Familie oder Schule,“ so Netzwerk-Sprecherin Claudia Seipelt-Holtmann.

Claudia Seipelt-Holtmann erklärte fragt sich: "Obwohl sich in NRW schon so viel getan hat in Bezug auf Gewaltprävention, bleibt die Frage: Wie können wir uns je sicher fühlen, wenn sich, wie in der Abteilung 4 vom Wittekindshof über einen langen Zeitraum anscheinend eine große Zahl von ‚Professionellen‘ regelmäßig gewalttätig verhalten kann, wenn Günter Wallraff noch immer Übergriffe entdecken kann und wenn noch immer mit trauriger Regelmäßigkeit auf Gewalt in Einrichtungen hingewiesen werden muss?" Das Netzwerk NRW und das unterstützende NetzwerkBüro seien regelmäßig eingeladen zur Mitarbeit in Gremien, Arbeitsgruppen oder bei Tagungen – und anerkennen die Bemühungen vieler Verantwortlicher in Einrichtungen der Behindertenhilfe, ihre Einrichtung als gewaltfreie Orte zu gestalten.

"Trotz allem hören wir immer wieder von Gewalt, von individuellen Übergriffen bis zur Vergewaltigung, bis hin zu struktureller Gewalt, wie sie jetzt im Wittekindshof zutage getreten ist,“ erklärt Netzwerk-Sprecherin Gertrud Servos. "Wir fordern deshalb, die Selbstbestimmung der Menschen, die in Einrichtungen leben und arbeiten, weiter zu stärken,

- u.a. durch eine intensivere Unterstützung der WfbM-Frauenbeauftragten, samt guter, auch digitaler, Ausstattung und intensiver Einbindung innerhalb der Werkstatt.

- durch das Etablieren von Frauenbeauftragten in Wohneinrichtungen, da Frauenbeauftragte u.a. für das Engagement gegen jegliche Gewalt innerhalb der Einrichtungen stehen,

- durch eine stärkere qualitative Prüfung vorhandener Gewaltschutz-Konzepte durch die Wohn- und Teilhabe-Aufsicht."

Das Netzwerk Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung NRW arbeitet seit seiner Gründung 1995 auch im Bereich Gewaltprävention und Opferschutz für Frauen mit Behinderung, ist in Beratungsprozesse auf Landesebene eingebunden und berät Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie des Gewaltschutzsystems. Einen aktuellen Schwerpunt der Arbeit bildet die Unterstützung der gewählten Frauenbeauftragten in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Das Netzwerk NRW ist Mitautorin einer im Dezember 2020 veröffentlichten Situationsbeschreibung der WfbM-Frauenbeauftragten während der Corona-Pandemie. Die Frauenbeauftragten sind neben den Werkstatträten Teil der gewählten Interessensvertretung in Werkstätten und stehen unter anderem im Gewaltfall als Ansprechpartnerin auf Peer-Ebene zur Verfügung. Die Situationsbeschreibung mit dem Titel „Das Alleinsein – ich schaff das so nicht mehr! Frauenbeauftragte und Corona: Zwischen Stärke und Aufgeben“ samt Forderungskatalog steht, auch in einer vereinfachten Version, auf der Website des Netzwerks unter www.netzwerk-nrw.de zum Download bereit.

Münster (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sgmnwy5