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Testkapazitäten im Gesundheitswesen erhöhen

Diana Hömmen
Diana Hömmen
Foto: privat

Löhningen (kobinet) Die Inklusionsbotschafterin Diana Hömmen findet, dass man aus Fehlern lernen soll, besonders bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Die im Landkreis Cloppenburg tätige Krankenschwester stehen immer wieder die Haare zu Berge, wenn es um fehlende Corona-Tests geht, so dass sie den kobinet-nachrichten folgenden Bericht geschickt hat.



Beitrag von Diana Hömmen

Die aktuelle Pandemie zeigt auf, dass wir trotz eines hoch entwickelten Gesundheitssystems in Deutschland nicht ausreichend auf solch ein pandemisches Geschehen vorbereitet sind. Dies betrifft in besonderem Maße auch die pflegerische Versorgung. Schon lange fordern der Pflegerat, Bundespflegekammer, DBfK und die niedersächsische Pflegekammer mehr Testungen im Pflegebereich. Auf einer Anfrage vom 11.8.2020 hat das niedersächsische Sozialministerium konsequent Testungen im Pflegebereich abgelehnt. Die Antwort war: zu teuer und nicht nötig. Das war ein großer Fehler, dieser Fehler rächt sich jetzt. Eine Studie der Universität Bremen hat gezeigt, dass Pflegebedürftige am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen sind. 60 Prozent der Verstorbenen sind Menschen, die in Pflegeheimen oder von Pflegediensten betreut werden. In ambulanten Pflegediensten sei der Anteil an infizierten Mitarbeitenden laut Studie doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung, in stationären Einrichtungen sogar sechsmal so hoch.

Grundsätzlich können Beschäftigte in Pflegeheimen und Pflegediensten getestet werden, auch wenn sie keine Symptome aufweisen. Den Weg dafür hat die Ende Mai von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgestellte Testverordnung freigemacht. Natürlich böte ein Test keine hundertprozentige Sicherheit. Auch das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass sich mit Reihentests Infektionsketten schnell erkennen und frühzeitig unterbrechen lassen. Die niedersächsische Pflegekammer hat schon vor Monaten gefordert, dass Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen regelmäßig auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet werden sollen. Deutschland hat das drittteuerste Gesundheitswesen der Welt, Tests für die das System am Laufen halten sind nicht drin.

Die Coronarkrise zeigt allerdings auch, dass das deutsche, auf Effizienz getrimmte Gesundheitswesen in vielen Bereichen nicht gut genug auf Epidemien und Katastrophen vorbereitet ist. Was Pflegende wirklich entmutige, sei die Tatsache, dass sie nach wie vor nicht gehört würden. Das reicht von der zu geringen Ausstattung mit Pflegepersonal über die Gestaltung der Versorgungsketten, sektorübergreifende Zusammenarbeit, mangelnde Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bis hin zu der Frage, warum die Kompetenz der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen – Pflege – in den Expertenrunden für den Krisenfall kaum eingebunden ist.

Nun hat das Bundesgesundheitsministerium ein Einlenken gezeigt, seit dem 15. Oktober werden in Alten- und Pflegeheimen flächendeckend Corona-Tests durchgeführt, um Bewohner, Personal und Besucher besser vor dem Virus zu schützen. Der Referenten-Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums sieht ähnliche Regelungen für Krankenhäuser, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Arzt- und Zahnarztpraxen, Dialyseeinrichtungen, Praxen humanmedizinische Heilberufe sowie ambulante Pflegedienste vor. Bezahlt werden sollen die Schnelltests demnach über den Gesundheitsfonds, aus dem gesetzliche Krankenkassen ihre Mittel erhalten. Wir sollten im Pflegebereich gespannt sein, ob dieser Entwurf sich durchsetzt oder nicht. Die ambulante Pflege wurde in der Coronarkrise von der Landes– und Bundespolitik komplett vergessen.

Wer nicht testet hat schon in der Pandemie verloren.