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Mein Wunschzettel

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Foto: ht

Kassel (kobinet) Andreas Reigbert hat die kobinet-nachrichten auf einen Wunschzettel aus dem Blog der an MS erkrankten und vor kurzem verstorbenen Petra Orben hingewiesen. "Sie war nicht behindert, sie WURDE - wie die meisten von uns - von Ämtern und Behörden und vielen anderen Institutionen ständig behindert. Drei Tage nach Aktualisierung ihres Wunschzettels hat sie den Freitod in der Schweiz gewählt", schreibt Andreas Reigbert.

Weiter berichtet er: "Ich kannte Petra Orben durch ihre zahlreichen Artikel in der Zeitschrift 'Blickpunkt' der MSK e.V. und durfte sie vor einigen Jahren während eines Urlaubs auf Teneriffa auch persönlich kennen lernen. Ihr Tod macht mich sehr traurig und fassungslos zugleich. Ihr Wunschzettel spricht mir aus dem Herzen."

Im folgenden veröffentlichen wir den Wunschzettel von Petra Orben:

Mein Wunschzettel

Wenn ich einen Wunschzettel schreiben und ihn an der richtigen Stelle abgeben könnte, dann stünde darauf:

Ich wünsche mir, dass man mit kranken Menschen in diesem Land selbstverständlicher und respektvoller umgeht, dass man für sie und mit ihnen ein Umfeld schafft, in dem unbürokratisch Hilfe geleistet wird und verlässliche Lösungen erarbeitet werden, die akute oder chronische Einschränkungen wirklich überbrücken helfen.

Ich wünsche mir, ein Umfeld, in dem man sich nicht ständig wehren oder Anspruchsleistungen einklagen muss, sondern in dem man sich gegenseitig bereichert, auch in der Pflege oder in der Assistenz. Kurz, ich möchte Vertrauen in unser Gesundheitssystem und in all die politischen Zusagen haben können.

Ich wünsche mir, dass man sich nicht schämen muss, um Hilfe zu bitten und dass man als wertvoller Mensch wahrgenommen wird, nicht als Ding, als Krankheit oder als Bürde, die man am liebsten wegschieben möchte.

Ich wünsche mir, dass man Menschen wie mich in ihrem selbst gewählten Lebensmodell unterstützt und ihnen dies zu jedem Zeitpunkt ermöglicht. Und dass man sie nicht nur, weil es praktischer ist, in ein Pflegeheim abschiebt.

Ich wünsche mir deutlich mehr Verbindlichkeit von gesellschaftspolitischer Seite. Wie schon mal erwähnt, wird „Ambulant vor Stationär“ immer wieder so hochtrabend beworben. Unsere lieben Gesetzesmacher sollten erst nachdenken, bevor sie etwas leichthin verkünden! Man muss bereit sein auch die Möglichkeiten dafür zu schaffen, sonst bleiben es nur leere Worte!

Ich wünsche mir die Gewissheit zu haben, dass das Ziel der Unterstützung in jeder Situation und zu jeder Zeit darin liegt, eine Erleichterung, eine echte Linderung für den betroffenen Menschen zu erreichen.

Ich wünsche mir, trotz Krankheit ein selbstbestimmter Mensch bleiben zu können, der so leben darf, wie er es braucht und auch wirklich dies aus vollstem Herzen tun kann! Ohne die Millionen Steine, die einem immer in den Weg gelegt werden.

Ich wünsche mir, dass Menschen, die an MS erkrankt sind, eine Lobby in unserer Gesellschaft haben! Dass ihnen immer eine perfekt angepasste Rollstuhlversorgung zugutekommt und dass sie nicht nur in „irgendwelche“ Rollstühle verfrachtet werden. Nur, weil der mit den Krankenkassen ausgehandelte Pauschalpreis für einen „normalen“ Rollstuhl, keine individuelle Anpassung beinhaltet.

Ich wünsche mir, dass kranke Menschen selbstbestimmt sterben dürfen und dass man sie nicht noch etliche Jahre in irgendwelchen Heimen künstlich dahinvegetieren lässt.

Link zum Wunschzettel und dem Blog von Petra Orben

Kassel (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/spqwz18

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