Werbung:
Banner Fotos für die Pressefreiheit 2020
Banner mit Inklusion Jetzt und der Schrift Dabei am 5. Mai - Live-Blog zum Protesttag
Cartoon Phil Hubbe Ausschnitt Rolli liest kobinet
Springe zum Inhalt

Helfen Schlichtungen bei Diskriminierung?

Titelblatt der BIZEPS-Broschüre zur Schlichtung
Titelblatt der Broschüre zur Schlichtung
Foto: BIZEPS

Wien (kobinet) In einer neuen Broschüre mit dem Titel "Helfen Schlichtungen bei Diskriminierung?" vom Wiener Zentrum für Selbstbestimmtes Leben BIZEPS wird aufgezeigt, wie es zu der nun geltenden gesetzlichen Regelung in Österreich kam und was Schlichtungen dort bringen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Martin Ladstätter von BIZEPS, der diese Broschüre erarbeitet hat, was Schlichtungen in Österreich bringen und wie es zu dieser Broschüre kam.

kobinet-nachrichten: Sie vom Wiener Zentrum für Selbstbestimmtes Leben sind nicht nur der Frage nachgegangen, ob Schlichtungen ein erfolgreiches Instrument zur Durchsetzung von Anliegen bei Behindertendiskriminierung sind, sondern haben dazu nun eine BIZEPS-Broschüre herausgebracht. Wie kam es dazu?

Martin Ladstätter: Seit dem Jahr 2006 gibt es in Österreich die Möglichkeit von Schlichtungsverfahren nach dem Behindertengleichstellungsgesetz. Für diese Arbeit habe ich mir die exakten Daten von rund 2.500 Schlichtungen genau angesehen und analysiert, ob Schlichtungen bei der Durchsetzung von Anliegen erfolgreich sind.

kobinet-nachrichten: In Österreich haben Sie eine ganz andere Tradition mit Schlichtungen bei Diskriminierungen als wir in Deutschland. Welche Unterschiede sehen Sie dabei?

Martin Ladstätter: In Österreich sind seit dem Jahr 2006 auch Unternehmen verpflichtet, Barrierefreiheit zu schaffen. Passiert dies nicht, kann geschlichtet werden. Es zeigt sich sehr häufig, dass gerade bei diesen Schlichtungen schnell Verbesserungen erreicht werden können. Da eine staatliche Behörde zur Schlichtung einlädt, kommen sehr viele Unternehmen dieser "Einladung“ nach.

kobinet-nachrichten: Sie haben sich also eine Reihe von Schlichtungsprozessen genauer angeschaut, was sind dabei Ihrer Ansicht nach entscheidende Gelingensbedingungen, um die Diskriminierung behinderter Menschen abzubauen?

Martin Ladstätter: Wichtig ist die Vorbereitung und die Unterstützung. Gerade Schlichtungen, bei denen behinderte Menschen Vertrauenspersonen mitnehmen, haben eine deutlich höhere Einigungsquote wie Schlichtungen ohne Vertrauenspersonen. Es gibt aber auch regionale Unterschiede. Sowohl in der Nutzung des Instruments der Schlichtung, wie auch in der Bereitschaft, sich zu einigen. Auffällig auch, welche behinderte Menschen keine Schlichtungen einleiten. Dies hängt sehr stark von der Art der Behinderung ab.

kobinet-nachrichten: Welche Empfehlungen ergeben sich aus Ihrer Untersuchung?

Martin Ladstätter: Die BIZEPS-Broschüre enthält eine Vielzahl von Statistiken und Erklärungen, wie Schlichtungen in Österreich funktionieren sollen und wie sie in der Praxis funktionieren. Darüber hinaus enthält sie auch konkrete Empfehlungen, wie das Instrument Schlichtung weiterentwickelt werden könnte. Zwei Beispiele wären: Unterstützungsstrukturen finanzieren, damit behinderte Menschen Vertrauenspersonen erhalten. Aber auch das verpflichtende Beratungsangebot der Behörde, welche Fördermöglichkeiten es zur Beseitigung von Barrieren gibt.

kobinet-nachrichten: Wie bewerten Sie das Instrument der Schlichtungen als Ganzes. Helfen Sie wirklich Diskriminierungen entgegenzuwirken oder wären eindeutige gesetzliche Regelungen nicht besser?

Martin Ladstätter: Diese Frage ist aus meiner Einschätzung falsch gestellt. Die Schlichtung ist ein Teil der Umsetzung der Behindertengleichstellungsgesetze. Es ist daher notwendig, die Nutzung möglichst niederschwellig und einfach zu gestalten und so die Einigungsquote zu erhöhen. Je schneller behinderte Menschen so zu ihrem Recht kommen, umso besser. In der Regel sollten – laut Gesetz – in drei Monaten Klarheit über eine Einigung bestehen.

Wenn keine Einigung möglich ist, dann muss man den langwierigen Weg einer Klage beschreiten. Dafür braucht man eindeutige und scharfe gesetzliche Regelung.

Fazit: Es braucht beides: gute Gesetze und behinderte Menschen, die ihre Rechte auch nutzen.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Bestellen kann man die Broschüre im (online) Buchhandel mit der ISBN-Nummer 978-3-7519-4859-3

Aber natürlich auch bei Amazon:

https://www.amazon.de/Schlichtungen-erfolgreiches-Instrument-Durchsetzung-Behindertendiskriminierung/dp/3751948597/

Es gibt sie auch als E-Book:

https://www.amazon.de/Schlichtungen-erfolgreiches-Instrument-Durchsetzung-Behindertendiskriminierung-ebook/dp/B08DG413C2/

Link zu weiteren Infos über die Broschüre auf BIZEPS

Wien (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/shsu136

Click to access the login or register cheese