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Kritik an umstrittenen Studien und Therapien zu Autist*innen

Birger Höhn
Birger Höhn
Foto: privat

Dresden (kobinet) Der Inklusionsbotschafter Birger Höhn aus Dresden setzt sich u.a. für die Menschenrechte von Menschen mit Autismus ein. In einem Kommentar für die kobinet-nachrichten kritisiert er aus seiner Sicht äusserst umstrittene Forschungs- und Therapieverfahren zum Thema Autismus, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden.

Kommentar von Birger Höhn

Der Bund, genauer gesagt das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Studien der Philipps Universität Marburg. Diese erforscht die finanziellen Kosten der Lebenszeit von autistischen Menschen. Darüber hinaus ist in betroffenen Insiderkreisen bekannt, dass gerade die Universität Marburg – herausragend ist hier leider Frau Prof. Inge Kamp-Becker zu nennen, unter dem Deckmantel vom ASD-Net (ASD steht für Autismus Spektrum Disorder) massiv ABA (Applied Behaviour Analysts) verstärkt und unterstützt. Besonders gute Verbindungen hat die Philipps Universität nach Berlin, Mannheim und nach Dresden zum Uniklinikum bzw. zur Autismusambulanz Dresden.

Hier der Link zu dieser fürchterlichen Studie:

https://www.uni-marburg.de/de/fb20/bereiche/zpg/asd-net/gesundheitsoekonomie/versorgung-und-kosten-der-asd?fbclid=IwAR03scDcHQ1LsQKXCL5IUnZ9mo3SDEsC5k5a9A4qSVmdmSXH-5q_PRzQNiw

Es ist ein riesengroßer Skandal, dass der Bund – das Bundesministerium für Bildung und Forschung – solche Studien und damit menschenrechtlich höchst umstrittene Studien und Therapien wie ABA fördert. ABA – das steht für Applied Behaviour Analysts – angewandte Verhaltenstherapie. Das ist aus unserer Sicht von autistischen Selbstvertretern eine katastrophale Methode, da hier unter extremer Anwendung von Konditionierung und militärisch anmutendem Drill autistischen Menschen ihr autistisch sein aberzogen werden soll. Es soll das Ziel erreicht werden: Autistische Menschen dürfen ihr autistisch sein in der Gesellschaft nicht zeigen und auf menschenunwürdige Weise sollen AutistInnen zwanghaft in die Gesellschaft integriert werden. Das ist das krasse Gegenteil von Inklusion. Das schlimme an ABA ist, dass die Methoden so subtil eingesetzt werden, dass es für Betroffene und Angehörige oftmals schwer ist, dies als ABA einzustufen.

Mit der aktuellen Studie überspannt die Uni Marburg den Bogen eindeutig. Denn das, was hiermit betrieben wird, ist für mich, gerade weil ich am Peer Projekt der "Euthanasie" Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein teilnehme, und außerdem das sehr, sehr gute Buch "Aspergers Kinder – die Geburt des Autismus im dritten Reich" der US-amerikanischen Historikerin und selber Mutter eines autistischen Jungen, Ellen Sheffer, gelesen habe, der Vorhof zur geistigen "Euthanasie" und somit auf das schärfste zu verurteilen.

Ich werde dies auf allen mir möglichen Ebenen thematisieren. Als Inklusionsbotschafter, als Mitglied bei DIE LINKE usw. Die Gesellschaft muss davon erfahren und es muss mindestens eine breite gesellschaftliche Debatte darüber geführt werden, dass so etwas in unserem Land möglich ist und wie es verhindert werden kann. Denn: Heute sind es autistische Menschen, morgen anders behinderte bzw. neurodiverse Menschen, Homosexuelle, Lesben, Transgender, Flüchtlinge, Migranten usw.

Dresden (kobinet) Kategorien Meinung

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sempr49