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Gesundheitliche Versorgung auch für Menschen mit Behinderungen sicherstellen

Der Bundesbeauftragte Jürgen Dusel
Jürgen Dusel
Foto: Irina Tischer

NEUSS / BERLIN (kobinet) Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Jürgen Dusel fordert, die medizinische Versorgung auch für erwachsene Menschen mit Behinderungen bundesweit flächendeckend sicherzustellen. Seit 2015 gibt es zwar Medizinische Behandlungszentren für erwachsene Menschen mit Behinderungen (MZEB), jedoch nicht bundesweit flächendeckend. Jürgen Dusel wird am 18. Januar bei einer Fachtagung der St. Augustinus Gruppe in Neuss zu diesem Thema sprechen.

„Eine gute medizinische Versorgung ist für die meisten von uns selbstverständlich. Für viele Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen gilt dies jedoch nicht. Das hat zur Folge, dass selbst kleinere medizinische Probleme bei fehlender Behandlung zu einer Gefahr werden können,“ so der Beauftragte.

„Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention," so Jürgen Dusel weiter, "hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, eine ortsnahe gesundheitliche Versorgung in derselben Bandbreite und derselben Qualität zu garantieren wie für Menschen ohne Behinderungen. Das betrifft alle staatlichen Ebenen und Akteure. Dem nicht nachzukommen, ist gesundheitsgefährdende Diskriminierung. Die Bedingungen für den Auf- und Ausbau von MZEB müssen deutlich verbessert werden.“

Bereits im Dezember 2019 hatte der Beauftragte Teilhabe-Empfehlungen veröffentlicht. Darin fordert er zum Thema gesundheitliche Versorgung unter anderem:

  • einen zügigen und flächendeckenden Auf- und Ausbau von MZEB, als notwendige Ergänzung der medizinischen Regelversorgung
  • Die Korrektur von Fehlentwicklungen: So muss zum Beispiel klargestellt werden, dass MZEB einen gesetzlichen Behandlungsauftrag haben und nicht auf reine Lotsenfunktion reduziert werden dürfen.
NEUSS / BERLIN (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sehu150

4 Lesermeinungen
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Michael Günter
17.01.2020 21:24

Hmm,
ich bin jetzt nicht unbedingt schwerstmehrfachbehindert oder sonst wie Wortungetüm, aber warum brauchen wir denn nun ein exklusives System an Facharztpraxen, die den Facharzt gar nicht bieten? Wer ist denn Facharzt für schwerstmehrfach Behinderte?

Herr Dusel fabuliert von einer Kompetenz, die sich aufgrund sozialen Auschlusses ergibt - einfach weil die Ärzte für die "Normalen" keine Zeit mehr für die "Behinderten" haben - und auf die Sonderschule folgt nun der Sonderarzt, der ggf. irgendwann als Aussonderungsarzt reüssiert - hatten wir ja schonmal!
Übertreibe ich? Nein, denn wenn man die 2 Forderungen am Ende des Beitrags liest, steht da doch eindeutig: Lieber aussondern, statt - als quasi Lotse - an die Ärzte überweisen, die ggf. ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl haben und zudem auf auf einen Teil ihrer Vergütung verzichten, weil ein Fall über der Pauschale liegt!
Das Problem liegt einfach "nur" daran, dass es feste Vergütungspauschalen gibt und dass die Ärzte aufgrund dessen, viele Klienten aus dem genannten Bereich aussondern (dies unterstelle ich mal kackfrech, sonst müsste ich schreiben, dass locker 80% der Ärzte einfach nur dumme, rassistische A..... sind - und daran glaube ich nicht!).

20.01.2020 19:34

Als Mutter einer schwerstbehinderten Tochter bin ich sehr froh über den Auf- und Ausbau der MZEB.

Unser Hausarzt ist der beste, den ich mir denken und wünschen kann. Er ist die Anlaufstelle für alle Erkrankungen, die nicht unmittelbar mit der Behinderung zusammenhängen. Die Behinderung unserer Tochter gehört jedoch zu den seltenen Erkrankungen, die Informationen fließen spärlich und sind nicht für jeden leicht zugänglich. Aus diesem Grund kann ich von meinem Hausarzt nicht erwarten, dass er sich mit den behinderungsspezifischen Eigenheiten unserer Tochter so gut auskennt wie etliche Fachärzte und Therapeuten im MZEB.

Deshalb ist das MZEB derzeit eine gute Anlaufstelle für uns. Ansonsten hätte ich noch eine sehr große Baustelle mehr.

Michael Günter
Antwort auf  Inge Rosenberger
20.01.2020 20:07

Hallo Frau Rosenberger,
ich will ihnen wirklich nicht zu nahe treten, aber eine Behinderung ist keine Erkrankung.

Ein Hausarzt ersetzt auch keinen Facharzt, auch wenn er dem Titel nach Facharzt für Allgemeinmedizin ist - denn dies umfasst und grenzt durch Allgemein gewisses Wissen ein.
Wie sie es beschreiben, dass das Fachwissen zur Behandlung der Erkrankung ihrer Tochter doch im System "Gesundheitsversorgung" - wozu braucht es also diese MZEBs?

Antwort auf  Michael Günter
22.01.2020 13:43

Eine Behinderung ist keine Krankheit - nichtsdestotrotz gehört das Rett-Syndrom zu den seltenen Erkrankungen. Siehe: https://www.seltenekrankheiten.de/krankheitsbilder/rett-syndrom
Das MZEB hat für uns den Vorteil, dass ich dort Neurologen, Internisten, Psychiater, Augenarzt, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten etc. an einer barrierefreien Stelle habe. Die Ärzte und Therapeuten haben viel Erfahrung im Umgang mit behinderten Menschen und nehmen auch Rücksicht auf deren Reaktionen und Verhaltensweisen.

Die Termine werden gut koordiniert, sodass ich an einem Tag mehrere Fachärzte konsultieren kann. Zudem werden Atteste und Verordnungen von dieser Stelle bei den Krankenkasse weniger in Frage gestellt als die von Allgemeinärzten.

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