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Aktion Mensch Bilanz zum Protesttag

Christina Marx
Christina Marx
Foto: Aktion Mensch

BONN (KOBINET) Vom 27. April bis 12. Mai fanden über 700 Veranstaltungen im Rahmen des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung behinderter Menschen in Deutschland statt. Die Aktion Mensch hat auch dieses Jahr den Protesttag wieder koordiniert und finanziell unterstützt. Welche Highlights es beim Protesttag gab und welche Pläne die Aktion Mensch zukünftig hat, darüber sprach kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit der Leiterin des Bereichs Aufklärung der Aktion Mensch, Christina Marx, die in dem Interview eine erste Bilanz des Protesttages zog.

kobinet-nachrichten: Die Aktion Mensch hat auch dieses Jahr wieder Aktionen zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen koordiniert und finanziell gefördert. Wie ist Ihre Bilanz?

Christina Marx: Insgesamt haben unter dem Motto #Mission Inklusion bundesweit über 700 Aktionen stattgefunden. Das sind mehr als im vergangenen Jahr und ist damit ein toller Erfolg. Der Protesttag hat auch in den Medien wieder ein großes Echo gefunden. Ich denke, es ist rund um den 5. Mai gelungen, auf die Belange von Menschen mit Behinderung aufmerksam zu machen, aber auch mit vielen Menschen vor Ort und auf der Straße ins Gespräch zu kommen. Denn darum geht es am 5. Mai ja auch. Allen Engagierten, die die zahlreichen Veranstaltungen organisiert haben, gilt daher ein großer Dank!

kobinet-nachrichten: Über einige Aktionen haben die kobinet-nachrichten ja berichtet, was waren für Sie beim diesjährigen Protesttag Highlights?

Christina Marx: Neben der zentralen Protestaktion und Kundgebung in Berlin war das sicher das Jugendaktionscamp, das dieses Jahr zum ersten Mal bei der Aktion Mensch in Bonn stattgefunden hat. 100 Jugendliche mit und ohne Behinderung haben ein Wochenende lang in Workshops zusammengearbeitet und sich mit Themen wie das Recht auf Teilhabe und individuelle Förderung, Hasskommentare und Mobbing im Netz oder auch Chancen und Risiken von Digitalisierung auseinandergesetzt. Und ganz im Sinne des 5. Mai haben die jungen Menschen nach einem Protestmarsch ein Papier mit Forderungen an den stellvertretenden Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen übergeben. Das war sehr beeindruckend. Aber der Spaß kam natürlich auch nicht zu kurz: Es wurde zusammen Musik gemacht, Rollstuhlbasketball gespielt und es gab einen inklusiven Escape-Room. Das Camp ist für mich ein gelungenes Beispiel von gelebter Partizipation und Teilhabe.

kobinet-nachrichten: Vom dem Jugendaktionscamp vom 3. – 5. Mai in den Räumlichkeiten der Aktion Mensch konnte ich mir ja selbst ein Bild machen. Wird es zukünftig dort öfter so von jungen Aktivist*innen wuseln?

Christina Marx: Bei uns "wuseln" immer wieder junge Aktivisten rum, wenn auch nicht in so großer Anzahl. Es gibt eine Gruppe von etwa 30 Jugendlichen, das sogenannte "Junge Team Aktion Mensch", die uns bei der Erstellung von Aktionen speziell für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche berät und auch selber in sogenannten "Peer-Workshops" junge Leute für Inklusion sensibilisiert. Diese Aufklärung auf Augenhöhe funktioniert sehr gut.
Auch beim Jugendcamp sind zahlreiche Projektideen entstanden und wir werden die Teilnehmer jetzt bei der Umsetzung begleiten und unterstützen. Es geht also weiter.

kobinet-nachrichten: Hat die Aktion Mensch schon Pläne, wie es mit der Aufklärung zur Inklusion und zur UN-Behindertenrechtskonvention weiter gehen kann?

Christina Marx: Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist ein Thema in der Aufklärung und natürlich auch in der Förderung. Wir werden weiterhin einen Schwerpunkt auf Bildung und Persönlichkeitsentwicklung speziell bei jungen Menschen legen. Für uns ist klar: in der Kindheit wird der Grundstein für Inklusion gelegt. Und in einer Studie, die wir anlässlich des 10-Jährigen Inkrafttretens der UN-BRK mit der Wochenzeitung die ZEIT durchgeführt haben, wurde deutlich, dass die Mehrheit der Bevölkerung Inklusion wünscht, aber nach wie vor große Bedenken bei der inklusiven Bildung hat, weil die Rahmenbedingungen in der Schule einfach nicht stimmen. In punkto Barrierefreiheit liegt unser Fokus auf der Digitalen Teilhabe und den Chancen, die sich aus Digitalisierung und Technik ergeben. Hier haben wir gemeinsam mit Microsoft sogenannte "Hackathons" durchgeführt, bei denen Programmierer und Menschen mit Behinderung gemeinsam an konkreten Alltagshilfen arbeiten. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt "Code your Life", das Kindern hilft, erste Programmiererfahrungen zu sammeln. Durch Förderung der Aktion Mensch wird das Projekt inklusiv, so dass wirklich alle Kinder – egal ob sehbehindert, motorisch eingeschränkt oder mit einer sogenannten Lern- oder geistigen Behinderung – gemeinsam programmieren lernen können. Das werden wir fortsetzen. Aber natürlich stehen auch Fragen von Wohnen und Arbeit weiterhin im Zentrum unserer Arbeit.

kobinet-nachrichten: Die Aktion Mensch wird dieses Jahr 55 Jahre alt. Ein stolzes Alter mit so manchen Höhen und Tiefen. Welche Wünsche haben Sie vom Bereich Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit für die nächsten fünf Jahre?

Christina Marx: Ganz einfach: Dass es uns als Gesellschaft gelingt, immer weniger über das "Ob" und "Wie" zu diskutieren. Ein Schüler einer inklusiven Klasse hat das auf die Frage, wie das denn so ist mit den behinderten Mitschülern, auf den Punkt gebracht: "Bei uns in der Klasse gibt es nur Kinder".

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Links zu den genannten Aktionen und Angeboten:
• Europäischer Protesttag 5. Mai: https://www.aktion-mensch.de/aktionstag-5-mai/aktionstag-2019/
• Jugendaktionscamp: https://www.aktion-mensch.de/aktionstag-5-mai/aktionstag-2019/jugendaktionscamp.html
• Studie zu schulischer Inklusion https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/hintergrund/zahlen-daten-und-fakten/studie-inklusion-schule.html
• Fachportal Inklusion: https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung.html