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Wie links soll kobinet sein?

Verein kobinet
Verein kobinet
Foto: kobinet e.V.

BERLIN (KOBINET) An einem neuen Redaktionssystem für kobinet arbeiten die Techniker. Über das Profil dieses Nachrichtendienstes wurde beim jüngsten Treffen in Berlin wenig diskutiert. Immerhin wurde der Anspruch protokolliert, mit tagesaktuellen Nachrichten das politische Geschehen zu verfolgen. Diese Arbeit soll ehrenamtlich bleiben und weiterhin Spaß machen. "Aber wo steht ihr in den Auseinandersetzungen dieser Zeit?", wurde der Berliner kobinet-Korrespondent kürzlich gefragt, nachdem eine Talk-Runde bei Alex-TV aufgezeichnet worden war.

Vor mehr als 20 Jahren ist dieser Nachrichtendienst aus der Kooperation Behinderter im Internet entstanden. In der Tradition der linken Bewegung nach dem Krüppeltribunal 1981 in Dortmund wollte diese Initiative aus Frankfurt am Main, Kassel. Marburg, Wien und Berlin die neuen Möglichkeiten im weltweiten Netz nutzen. Als die emanzipierte Behindertenbewegung für ein modernes Teilhaberecht "weg von der Fürsorge, hin zur Selbstbestimmung" in Deutschland auf die Straße ging, war kobinet als eingetragener gemeinnütziger Verein mit seinem Dienst rund um die Uhr dabei.

Behinderte Menschen konnten sich hier wie die Abgeordneten im Bundestag in Wort und Bild (wenig später auch in großen Medien) informieren. Warum haben sich Betroffene in der Nähe vom Reichstag angekettet? Weshalb ließen sich Aktivisten in einen Käfig vor dem Berliner Hauptbahnhof sperren? Sprangen Blinde und Sehbehinderte in die kalte und schmutzige Spree, weil ein gutes Teilhabegesetz fast schon baden gegangen war?

Eine mit Fug und Recht radikale Bewegung fand damals Verbündete allein bei den Grünen und in der Linkspartei. Mögliche (und wortreich agitierende) Sympathisanten bei Christ- und Sozialdemokraten im Bundestag hielten sich vornehm zurück oder zeigten offen ihren Unmut gegenüber den Aufmüpfigen. Trotz einiger Verbesserungen müssen die Behinderten mit einem Bundesteilhabegesetz leben, das sie so nicht gewollt haben. Frust über den Etikettenschwindel bei Inklusion und Selbstbestimmung ist jetzt allenthalben zu spüren.

Eine rot-rot-grüne Alternative auf Bundesebene ist heute nicht in Sicht. Ein Blick auf die gegenwärtige Parteienlandschaft sieht die Grünen im Aufwind ebenso wie die Konservativen in der christlichen Union. Wie entwickeln sich die politischen Strömungen unabhängig von den Parteien, wenn in der Bevölkerung immer mehr Menschen meinen, so geht's nicht weiter? Massenbewegungen, ob gegen rechte Hetze, Diskriminierung, Mietwucher oder für einen wirksamen Klimaschutz, hat kobinet weiter aufmerksam zu verfolgen. Den Kampf um die Vorherrschaft in der Gesellschaft könnten die Rechten gewinnen, haben sie aber noch nicht gewonnen.

Wenn es ein Herz bei kobinet gibt, dann schlägt es links.