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Was Österreich kann, ist hier nicht geplant

UN-Behindertenrechtskonvention
UN-Behindertenrechtskonvention
Foto: UNO

WIEN (KOBINET) Schon vor dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland wurde über die deutsche Übersetzung des Textes der UN-Behindertenrechtskonvention anhand einiger verwendeter Begriffe wie Integration statt Inklusion gestritten. Zehn Jahre nach Inkrafttreten der Konvention am 26. März 2009 in Deutschland gilt diese Übersetzung hierzulande immer noch - aber nicht in Österreich. Denn dort hat man zwischenzeitlich unter Beteiligung der Betroffenen die Übersetzung des Konventionstextes überarbeitet und vor kurzem auch die Version in Leichter Sprache veröffentlicht. Hierzulande ist die Anpassung der Übersetzung wohl nach wie vor nicht vorgesehen, wie aus gut informierten Kreisen verlautete.

Viele erinnern sich vielleicht daran, dass in Deutschland von Anfang an nicht nur über die Umsetzung, sondern auch über den Begriff der Inklusion heftig gestritten wurde. Während international von inclusion gesprochen wird, konnte sich vor allem die deutsche Bundesregierung nicht auf den Begriff der weitergehenden Inklusion einlassen, sondern setzte den althergebrachten Begriff der Integration in der Übersetzung durch. In der österreichischen Übersetzung ist der Begriff Inklusion mittlerweile entsprechend verankert, auch wird dort vom selbstbestimmten Leben statt wie bei uns vom unabhängigen Leben gesprochen. Hierzulande kann man sich bisher lediglich auf die mittlerweile dritte Auflage der Schattenübersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention des NETZWERK ARTIKEL 3 beziehen. Diese ist jedoch nicht offiziell bindend und muss daher noch ein Schattendasein führen, obwohl sie bei wissenschaftlichen Ausarbeitungen immer wieder zu Rate gezogen wird und sich der Sprachgebrauch mittlerweile eindeutig zum Begriff der Inklusion entwickelt hat.

Kenner*innen der Szene in Deutschland und Österreich befürchten, dass es Deutschland so schnell nicht schaffen wird, über seinen Schatten zu springen und die längst überfällige Übersetzungsanpassung vorzunehmen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Deutschland in Sachen Behindertenpolitik anscheinend schwer tut, sich von anderen Ländern etwas sagen zu lassen, wie sich an der schleppenden Umsetzung zehn Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention in Deutschland und dem derzeitigen Gezerre des Bundestages zum Wahlrecht trotz Verfassungsgerichtsbeschluss zeige.

Link zur österreichischen Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Link zur österreichischen Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Leichte Sprache

Link zur 3. Auflage der Schattenübersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention des NETZWERK ARTIKEL 3 mit einem dazu gehörigen Interview