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Wenn die Koffer gepackt werden

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Logo des Internetportals "Barrierefreier Tourismus Info"
Foto: Seh Netz / BTI

KARLSRUHE (KOBINET) Schon im Herbst und während der Weihnachtstage wurden bei vielen die ersten Reisepläne für den Urlaub 2019 geschmiedet und nun werden bald die Koffer für die nächste Reise gepackt. Kobinet hat in diesem Zusammenhang mit Hartmut Smikac gesprochen, der als Redakteur bei uns schreibt und zudem seit fast zwölf Jahren ehrenamtlich als Projektleiter des Portals "Barrierefreier Tourismus Info" tätig ist sowie derzeit mehrere Artikel für "kobinet" zu ausgewählten Reisezielen vorbereitet.

kobinet: Die neue Reisesaison beginnt. Was wären aus der Sicht Deiner Arbeit beim Portal "Barrierefreier Tourismus Info" Vorschläge für eine gelungene Reisevorbereitung?

H. Smikac: Wir erhalten immer wieder Anfragen mit sehr verschwommenen Reisevorstellungen und es ist schwierig, dann konkret zu helfen. Wir meinen: Wer eine Reise planen möchte, sollte sich vor allem überlegen, was ihn oder sie interessiert, was man erleben möchte und wohin man so in etwa reisen würde. Inzwischen hat sich in Deutschland aber auch in anderen vielen Ländern im Bezug auf die Barrierefreiheit viel getan, sodass man eigentlich fast überall ein passendes Reiseziel finden können sollte.

kobinet: Ist es dennoch nicht schwierig und sehr aufwändig, bei entsprechenden Anforderung an Mobilität und Barrierefreiheit, eine Reise vorzubereiten und dann auch ohne Barrieren zu erleben.

H. Smikac: Das stimmt. Weiterhin ist es häufig kompliziert und nur auf manchmal verschlungenen Wegen möglich, alle notwendigen Informationen zu beschaffen, die für ein unbeschwertes Reiseerlebnis erforderlich sind. Dieses Hindernis wäre in gewissen Umfang zu umgehen, wenn man sich einem spezialisiertem Reisebüro anvertraut. Die bekanntesten davon dürften "Accamino", "BSK Reisen", "GRABO Tours" oder auch "runa reisen" und "Weitsprungreisen" sein. Aber es gibt noch viele weitere dieser Reiseanbieter, die man auch auf unserem Portal nachlesen kann. Diese Möglichkeit gibt es übrigens auch im Ausland. Dort gibt es, und das nicht nur in Ecuador, Indonesien, Schottland und Südafrika, Reiseanbieter, bei denen auch Deutsch gesprochen wird.   

kobinet: ...und wenn ich meine Reise aber selbst vorbereiten und individuell buchen möchte ?

H. Smikac: Auch da gibt es mehrere Möglichkeiten. Beginnen wir im Bezug auf Deutschland mit den Internetseiten der Landesmarketingorganisationen oder des Projektes "Reisen für Alle".  Hier stehen umfangreiche Informationen zur Verfügung. Bei dem Wunsch in das Ausland zu reisen wird es unterschiedlicher und eventuell etwas komplizierter. Obwohl es in verschiedenen Ländern auch Internetseiten zu barrierefreien Angeboten in deutscher Sprache gibt, trifft das keineswegs auf alle Länder zu. Grundkenntnisse in Fremdsprachen, vor allem Englisch, sind dann also hierbei ganz gewiss hilfreich. Zugleich sollte man aber auch an eine weitere Informationsmöglichkeit denken - ich meine damit die individuellen Reiseblogs, die es zum barrierefreien Reisen inzwischen gibt. Autoren, die selbst, wie man so sagt, "behindert" sind, berichten hier von ihren Reisen. Sie haben also das mögliche Wunschreiseziele bereits besucht und können Informationen sowie viele persönliche Ratschläge weitergeben.

kobinet: Wird Reisen auch für "Menschen mit Behinderungen" also immer einfacher werden ?

H. Smikac: Aus unserer Sicht wächst die Breite und Vielfalt der Reiseangebote weiter. Ebenso werden in wachsendem Umfang die dazu zur Verfügung stehenden Informationen vielfältiger werden. Zugleich ist natürlich auch der Tourismus im ständigen Wandel begriffen. Wir haben kürzlich erlebt, dass man dabei, zum Beispiel im Bezug auf die Mobilitätszentrale der Bahn, nicht immer gleich Lösungen findet, die individuellen Ansprüchen auch gerecht werden. Ähnlich scheint es im Bezug auf die Digitalisierung zu werden. Während sich dabei, einerseits, die Möglichkeiten für sehbehinderte und blinde Reisende unter der Voraussetzung, dass die Entwicklung barrierefreier Software Schritt hält und überall ein Internetzugang mit ausreichender Leistungsfähigkeit zur Verfügung steht, spürbar verbessern können, gibt es, andererseits, für jene, die individuell detaillierte Auskünfte benötigen, noch nicht immer zufriedenstellende Lösungen. Wenn sich, zum Beispiel, immer mehr Hotels über Buchungssysteme vermarkten, dann besteht dort kaum die Möglichkeit, nachzufragen und auch verlässliche Auskunft zu erhalten. 

kobinet: Wer reisen möchte, kann dies also auch als "Mensch mit Behinderung" dennoch tun ?

H. Smikac: Wer reisen möchte, sich für ein individuell interessierendes Reiseziel entscheidet und die Schwierigkeiten des Beschaffens von notwendigen Informationen überwindet, kann das im Grunde genommen auch tun -  insofern das dafür erforderliche Geld zur Verfügung steht. Aber auch da gibt es bisher in Deutschland einige geförderte Möglichkeiten. Der Spielraum dafür wäre vermutlich größer, wenn das Calypso Projekt der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2013 ein breiteres Echo gefunden hätte. Aber das ist Spekulation.

kobinet: Viel Dank für das Gespräch sowie viel Erfolg mit dem Portal "Barrierefreier Tourismus Info" sowie ihren Partnern und bei uns bei kobinet.