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Gelobt sei Gott (Grâce à Dieu)

Bild von der Berlinale
Bild von der Berlinale
Foto: Anke Glasmacher

BERLIN (KOBINET) Auch dieses Jahr hat es die kobinet-Korrespondentin Anke Glasmacher wieder geschafft, aus ihrer rheinischen Heimal nach Berlin zu reisen, um für die kobinet-nachrichten von der Berlinale zu berichten. In ihrem ersten Bericht geht es um den französischen Beitrag "Gelobt sei Gott".

Bericht von kobinet-Korrespondentin Anke Glasmacher

Im Wettbewerb läuft der französische Beitrag "Gelobt sei Gott" von Regisseur François Ozon. Der Film berichtet über den Fall von Pater Preynat, der angeklagt ist, zahlreiche Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Ins Rollen gebracht haben den Prozess die heute erwachsenen Männer. Und sie machen klar: Missbrauch ist kein Einzelfall. Mitverantwortlich ist die Kirche.

Alexandre (Melvil Poupaud) lebt mit seiner Frau und ihren fünf Kindern ein bürgerlich-erfolgreiches Leben als Banker in Lyon (Frankreich). Das Engagement seiner Söhne bei den Pfadfindern wirbelt bei Alexandre lange vergessene Erinnerungen an seine eigene Zeit als Pfadfinder auf. Er wurde dort von Pater Bernard Preynat missbraucht. Alexandre hat sich nicht von der Kirche abgewendet. Doch als er bei seinen Recherchen herausfindet, dass Pater Preynat noch lebt und zu seinem Entsetzen auch immer noch mit Kindern arbeitet, beschließt er, die Kirche zur Rede zu stellen.

Die Kirche bekundet ihren Willen zur Aufklärung, äußert ihr Bedauern. Auf Vermittlung der kirchlichen Missbrauchsbeauftragten findet ein Treffen Alexandres mit Pater Preynat statt. Der Pater gesteht die Übergriffe sofort. Er sei „krank", beteuert er. Das sei auch medizinisch festgestellt worden. Mehrfach sei er deswegen in Behandlung gewesen, und die Kirche habe das gewusst, habe gewusst, dass er „Probleme mit Kindern habe". Doch die Kirche habe ihm immer weiter Kinder anvertraut. Aber ein Wort des Bedauerns über seine Taten findet er nicht. Alexandre ist fassungslos, nicht nur über die Erklärungen des Paters, sondern auch darüber, dass die Kirche offenbar die ganze Zeit von dem Missbrauch wusste und nichts dagegen unternommen hat.

Alexandre beschließt, sich zu wehren. Er schreibt dem zuständigen Kardinal Philippe Barbarin und sucht parallel weitere Betroffene. Der Kardinal bittet um Zeit für die Aufklärung. Doch nichts geschieht. Schließlich geht Alexandre zur Polizei und zeigt Pater Preynat an. Die Polizei macht immer mehr Betroffene ausfindig. Jeder von ihnen kämpft heute noch mit den Folgen der Missbrauchstaten. Und nicht jeder ist überzeugt davon, die Erinnerungen durchstehen zu können.

Regisseur François Ozon hat mit „Gelobt sei Gott" einen sehr aktuellen Film vorgestellt. Der Fall ist real. Pater Preynat wurde 2016 angezeigt und für 70 Missbrauchstaten angeklagt. Angezeigt wurde inzwischen auch Kardinal Barbarin, weil er zu den Missbrauchsvorwürfen jahrelang geschwiegen hat. Seit Januar 2019 muss er sich in Frankreich vor Gericht verantworten.

Ozons Film ist kein Dokumentarfilm. Und bleibt als Spielfilm doch berührend nah an einer Dokumentation. Vor allem deswegen, weil er auf dramaturgische Überzeichnungen verzichtet. Die Geschichte rollt sich auf wie ein Schneeball – stellvertretend erzählt aus der Perspektive von drei der betroffenen Männer, die sehr unterschiedliche Erwartungen daran haben, was ein Prozess bringen soll. Klar wird: Das systematische Verschweigen der Institution Kirche geht zu Ende. Und so ist Ozon auch ein optimistischer Film gelungen. Dank der Betroffenen, die die Taten öffentlich machen und das einfordern, was Papst Franziskus seit Jahren verspricht: Sexuellen Missbrauch konsequent juristisch zu verfolgen und die Täter aus der Kirche zu entfernen.

„Gelobt sei Gott" läuft im Wettbewerb.