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Brief an die Deutsche Bahn

Hublift der Deutschen Bahn
Hublift der Deutschen Bahn
Foto: ISL

HAMBURG (KOBINET) Einen Offenen Brief zur neuen Situation bei der Anmeldung mobilitätseingeschränkter Personen am konkreten Beispiel einer Reiseanmeldung von Hamburg nach Dortmund am 09.02.2019 erhielt kobinet heute und veröffenlicht das Schreiben von David Lebuser aus Hamburg.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Ihnen folgenden Vorfall zur Kenntnis bringen, passiert während der Anmeldung meiner Reise nach Dortmund.

Als Rollstuhlfahrer möchte die Deutsche Bahn, dass ich meine Reisen bei der Mobilitätsservicezentrale (MSZ) anmelde. Allein dieser Fakt macht das Reisen als Mensch mit Behinderung oft schon lästig, kompliziert und langwierig. Das Verfahren sollte vereinfacht werden, doch stattdessen wird es von ein auf den anderen Tag noch komplizierter, aufwendiger und barrierereicher.

Seit dem 1. Februar kann die MSZ keine Teilstücke anmelden, die mit der DB Konkurrenz erfolgen. In meinem Fall war dies ein Teilstück von Münster nach Dortmund, sowie von Dortmund nach Münster. Somit wurde meine Fahrt nur von Hamburg nach Münster angemeldet mit dem Hinweis, ich solle mich bei der Eurobahn melden. Dies habe ich auch getan, habe aber postwendend den Hinweis von der Eurobahn bekommen, dass ich mich bei der DB melden solle.

Kurze Hintergrundinformation: Ich kenne die Strecke Hamburg - Dortmund sehr gut, fahre regelmäßig mit verschiedenen Zügen. Ich kenne den Bahnhof in Münster und den in Dortmund. Ich kenne auch die Eurobahn, daher wusste ich, dass für mich das Ein- und Aussteigen bei der Eurobahn kein Problem darstellt und auch der Umstieg in Münster problemlos für mich ist. Nur der Hauptbahnhof in Dortmund hat keine barrierefreie Möglichkeit den Bahnsteig als Rollstuhlfahrer selbstständig zu erreichen oder zu verlassen. Also wollte ich lediglich die Zusage, dass mich das Servicepersonal am Dortmunder Hbf vom Gleis und zum Gleis begleitet bis ich wieder selbstständig und barrierefrei meiner Wege rollen kann.

Das gegenseitige Hin- und Herschicken der Kunden mit Behinderungen kann nicht Sinn einer Neuregelung sein. Es scheint so, als ob hier keine vorbereitenden Maßnahmen getroffen wurden und dies nun auf den Rücken der Kunden mit Behinderungen ausgetragen wird. Ein diskriminierender Zustand, der die ohnehin schon unzufriedene Situation weiter verschlechtert.

Heutzutage sollte es möglich sein, dieses Verfahren grundlegend zu vereinfachen. Das Onlineformular hat viele Felder, die manuell mit Informationen ausgefüllt werden müssen, die die Bahn selbst haben müsste, wenn man dies z.B. in den Buchungsprozess einbindet oder eben nur durch Eingabe der Zugnummer und der Ein-, Aus- und Umstiege. Das zusätzlich zu diesem Formular nun noch weitere teilweise kostenpflichtige Hotlines angerufen werden sollen, ist beschämend in einer Welt die zunehmend diverser wird. In anderen Ländern habe ich auf meinen Reisen viele einfachere Reisemöglichkeiten entdecken können, Voranmeldung wird vielerorts gar nicht benötigt, maximal zur Platzreservierung. Spontanes Reisen wird so auch für Menschen mit Behinderungen ermöglicht und nicht, wie hierzulande zusätzlich erschwert bis nahezu unmöglich gemacht.

Die Situation für viele Menschen mit Behinderungen ist in hohem Maße unbefriedigend, ich bitte Sie um Prüfung welche Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen, auf eine Diskriminierungsfreie, gleichgestellte und selbstbestimmte Beförderung durch die Deutsche Bahn und anderen Co-Gesellschaften hinzuwirken.

Ein Abdruck dieses Schreibens erhalten die Deutsche Bahn, der Bundesbehindertenbeauftragte, die behindertenpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Bundestagsfraktionen und Vertreter der Presse.

Mit freundlichen Grüßen

David Lebuser