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Behinderte in Heime gezwungen

Constantin Grosch
Constantin Grosch
Foto: bartjez portrait photography

HAMELN (KOBINET) Befürchtungen werden wahr: Behinderte in Heime gezwungen! Das schrieb jetzt Constantin Grosch. Seine Petition für ein gutes Teilhabe-Gesetz hatten 339 933 Menschen unterzeichnet. "Mit eurer Unterstützung haben wir es damals geschafft, zumindest viele Verschlechterung abzuwenden und sogar einige Verbesserungen durchzusetzen", so Grosch. "Eines unserer wichtigsten Anliegen jedoch haben wir damals nicht durchsetzen können. Der Gesetzgeber hatte sich geweigert, klar und deutlich in das Gesetz zu schreiben, dass jeder Mensch in der Wohnform leben darf, in der er leben möchte und nicht ins Heim gezwungen werden darf. Die hierfür notwendige Assistenz ist ihn nach der UN-Behindertenrechtskonvention zu gewährleisten."

Schon damals sei davor gewarnt worden, "dass diese Unklarheit im Gesetz von Behörden zulasten behinderter Menschen ausgenutzt werden würde. Aktuell gibt es nun mehrere Fälle, in denen Menschen die notwendige Assistenz für ein eigenständiges Leben verwehrt wird, weshalb Ihnen der zwangsweise Gang ins Heim mitsamt der Zerstörung ihrer gesamten Existenz droht."

Markus Igel ist 31 Jahre alt und lebt seit sechs Jahren eigenständig mit Assistenz außerhalb einer Behinderteneinrichtung, in der er die ersten 25 Jahre seines Lebens verbringen musste. Das Amt dreht regelmäßig den Geldhahn für seine notwendige Unterstützung zu und zwingt ihn auf den Rechtsweg. Regelmäßig gewinnt er dort, sogar vom Bundesverfassungsgericht. Doch während der Rechtsstreit läuft, bekommt Markus kein Geld, um seine Assistenten zu bezahlen (kobinet 17.12.2018).

Aktuell ist es soweit, dass Markus hierfür keinerlei Mittel mehr hat, während der Rechtsstreit noch andauert. Das bedeutet, dass er gegebenenfalls ab Januar gezwungen ist, in ein Heim zu ziehen, seine Wohnung aufzugeben, seinen Assistenten zu kündigen und sein eigenständiges Leben zu verlieren.

Deshalb hat AbilityWatch e.V. eine Spendenseite eingerichtet, um die Finanzierung der Assistenz sicherzustellen, bis das Gericht entschieden hat. "Wir möchten Markus dieses Geld darlehensweise zur Verfügung stellen. Sollte Markus dann obsiegen, wird er uns das Geld zurückzahlen, so dass wir es als Nothilfe für ähnlich gelagerte Fälle aufbewahren können", informiert Grosch. "Auch wenn ihr nur eine kleine Summe spenden könnt, helft ihr uns wirklich weiter. Jeder Euro zählt." Zugleich wurde eine Petition ins Leben gerufen, um Markus zu helfen, aber auch die Bundesregierung anzuhalten, endlich für die volle Umsetzung von Artikel 19 UN-Behindertenrechtskonvention Sorge zu tragen, welcher behinderten Menschen ein gleichberechtigtes Leben in der Mitte der Gesellschaft garantiert und Behördenwillkür wie im Fall von Markus vermeiden soll.