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Nachdenken zum Welttag der Menschen mit Behinderungen

Ilja Seifert
Ilja Seifert
Foto: Rolf Barthel

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Foto: Rolf Barthel

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Ilja Seifert
Foto: Rolf Barthel

BERLIN (KOBINET)

BERLIN (KOBINET) Anlässlich des Welttages der Menschen mit Behinderungen regt das Ehrenmitglied des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland "Für Selbstbestimmung und in Würde", Dr. Ilja Seifert, dazu an, eine konstruktive Lebenswert-Debatte zu führen. "Ich erachte es für erforderlich", schreibt er, "auf eine sehr gefährliche Entwicklung aufmerksam machen: Wir müssen offensiv und selbstbewusst eine Lebenswert-Debatte führen".



Das birgt durchaus hohe Gefahren. Aber ich befürchte, so Seifert, weiteres Schweigen wäre noch fataler. Unüberhörbar werden – in unterschiedlichen Kontexten – inzwischen wieder deutlich stigmatisierende Haltungen ungeniert ausgesprochen. Das beginnt bei abwertenden Witzchen, geht über dumme Schimpfwörter („Spasti“ oder ähnliche) und endet bei „reiner Kostenfaktor“ noch lange nicht.

Für Ilja Seifert gilt:“Wer die Menschenwürde für unantastbar erklärt – also die oberste Aussage des Grundgesetzes und der UN-Menschenrechtskonvention anerkennt -, die / der muss jeden Menschen für gleich wertvoll erachten. Unabhängig von individuellen Eigenschaften. So stehen wir in der aufgeklärten Tradition Immanuel Kants. Wer jedoch die kleinste (Wert)Abstufung vornimmt, oder zulässt, wer also sich persönlich, eine bestimmte Gruppe oder irgendjemanden für „wertvoller“ hält als alle Anderen oder irgendjemanden sonst, ist bereits auf der schiefen Bahn ! „

Ein Leben mit (schwersten) Beeinträchtigungen ist nicht erstrebenswert, erklärt Seifert. „Aber es ist lebenswert“, betont Ilja Seifert, um dann weiter zu erklären: „und es kann jede / jeden Noch-Nichtbehinderte /Noch-Nichtbehinderten jederzeit selbst betreffen. Und trotzdem genießen wir es, unser Leben. Mit Glücksmomenten und Trauer. Mit Freude, Lust und Sex. Mit Ärger und Rückschlägen. Mit Hoffnungen, Träumen und Visionen. Mit Erfolgserlebnissen und Rückschlägen“.

Sein Resümee lautet dann: „Also: Wie alle. Nicht besser, nicht schlechter. Manche Menschen benötigen nur – um ihre Persönlichkeit, zum B. durch selbstbestimmte Teilhabe, frei entfalten zu können – den Ausgleich individuell nicht beeinflussbarer Nachteile. Das ist – spätestens seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention – eine (Bringe)Pflichtaufgabe der gesamten Gesellschaft, insbesondere des Staates. Kein barmherziges Almosen, dass uns mehr oder weniger gnädig „gewährt“ würde. Also: Das Leben ist schön! Lasst uns dafür sorgen, dass es Jede / Jeder so empfinden kann !“