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Diskriminierung, aber mit Smiley

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Foto: ht

BERLIN (KOBINET) Die Antidiskriminierungsverbände Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung und Netzwerk Artikel 3 kritisieren die Twitter-Aktion des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zum diesjährigen World Emoji Day als diskriminierend. Dieser hatte am 17. Juli anlässlich des inoffiziellen Feiertages Emojis für verschiedene Gesundheitszustände vergeben. Parkinson wurde zur winkenden Hand, die einseitige Lähmung zum schmunzelnden Smiley, Impotenz zu einem nach unten zeigenden Daumen und Adipositas zu einem Schweinchen. Betroffene und Antidiskriminierungsorganisationen kritisieren die Aktion als unsensibel und stigmatisierend.

Im Zentrum der Kritik steht dabei, dass durch die Aktion Krankheitsbilder ins Lächerliche gezogen und einseitige Stereotype wiederholt werden: So kann eine Leberzirrhose auf ganz unterschiedlichen Ursachen beruhen, unter anderem einer chronischen Virushepatitis. Die Repräsentation der Erkrankung durch alkoholische Getränke – wie in der GKV-Aktion geschehen – verstärken jedoch das in der Bevölkerung ohnehin schon vorherrschende stigmatisierende Bild, dass die Betroffenen doch eigentlich selbst schuld an ihrer Erkrankung seien. Die Wahl eines Schweins zur Darstellung von Adipositas verdeutlicht, in wie hohem Maße der "Witz" dabei auf Kosten der Betroffenen ging. "Dass dicke Menschen sich ausgerechnet vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen als fette Sau bezeichnen lassen müssen, ist erschreckend. Wir wehren uns gegen diese Form von Entmenschlichung," so Natalie Rosenke, Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung. Bei der Darstellung dicker Menschen als Schwein schwinge auch das Vorurteil mit, dicke Menschen seien maßlos, verfressen und impulsiv.

Der Dritte Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt: Diese Sicht auf dicke Menschen ist nicht ungewöhnlich im Gesundheitswesen. Das Risiko, im Bereich Gesundheitswesen anhand des Gewichts diskriminiert zu werden, ist ausgesprochen hoch. Menschen mit einer Behinderung oder psychischen Erkrankung erfahren hier ebenfalls auffallend häufig Diskriminierungen. Sie werden vielfach nicht ernst genommen, und ihre individuellen Bedürfnisse bleiben allzu oft unberücksichtigt.

Der GKV-Spitzenverband hat sich inzwischen für den Tweet entschuldigt, doch Fragen bleiben: Wie kann es sein, dass ausgerechnet die Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland einen Beitrag dazu leistet, die Diskriminierung dicker Menschen weiter zu verschärfen? Natalie Rosenke stellt klar: "Von einem Spitzenverband wie dem der gesetzlichen Krankenversicherungen, die für die Gesundheitsversorgung der Mehrzahl der deutschen Bevölkerung zuständig sind, erwarten wir als Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung, dass er es als seine Aufgabe begreift, diskriminierende Stereotype abzubauen statt sie noch zu befördern".

Link zur Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung