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Ausflug in eine neue Welt

Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Foto: Susanne Göbel

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Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Foto: Susanne Göbel

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Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Foto: Susanne Göbel

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Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Foto: Susanne Göbel

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Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Foto: Susanne Göbel

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Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Foto: Susanne Göbel

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Treffen vom USA-Austausch im April 1998 in Portland, Oregon
Foto: Susanne Göbel

LEINEFELDE (KOBINET)

LEINEFELDE (KOBINET) Heute vor 20 Jahren machte sich eine Gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten mit ihren UnterstützerInnen auf den Weg in die USA, um dort die Selbstvertretungsbewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu erkunden. Diese knapp zweiwöchige Reise an die Westküste der USA nach Oregon hat nach Informationen des Geschäftsführers von Mensch zuerst, dem Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten, Stefan Göthling, die Entwicklung hierzulande entscheidend geprägt, wie er den kobinet-Nachrichten mitteilte.



„Heute vor 20 Jahren war für mich ein ganz besonderer Tag. Nicht nur, weil ich damals ziemlich aufgeregt war, weil ich als Teil einer Gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten über den großen Teich in die USA flog. Für mich war diese Reise aus heutiger Sicht ein ganz zentraler Schlüssel für mein Leben und für die Bewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Deutschland überhaupt. In den USA konnten wir viele Beispiele erleben, wie Menschen, die bei uns damals noch fast überall als ‚geistig behindert‘ bezeichnet wurden und in größeren Einrichtungen oder bei den Eltern leben mussten, selbstbestimmter in der Gemeinde leben konnten. Vor allem hat mich das Selbstbewusstsein und der Geist der Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten für mein weiteres Leben geprägt“, erklärte Stefan Göthling von Mensch zuerst.

Nachdem im Dezember 1997 ein vom Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Modellprojekt mit dem Titel „Wir vertreten uns selbst!“ gestartet wurde, durch das die Selbstbestimmung und Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten gefördert werden sollte, war eine der ersten Aktivitäten die USA-Reise. Susanne Göbel, die in dem Gemeinschaftsprojekt der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen und der Bundesvereinigung Lebenshilfe mitarbeitete, hatte die Reise organisiert und war der Gruppe schon vorausgeflogen. Uli Niehoff von der Lebenshilfe flog mit Stefan Göthling, Doris Haake und Michael Jung nach Portland in Oregon nach. Das war genau heute vor 20 Jahren, am 18. April 1998.

Auch für Doris Haake aus Hamburg war die USA-Reise ein ganz besonderes Erlebnis. Für sie hat die vom Bundesministerium für Gesundheit geforderte Erkundungsreise den Startschuss für viele weitere Aktivitäten in Deutschland gegeben. „Der Reise folgte eine große Tagung in Kassel zum Netzwerk Spinnen, Dann hatten wir eine sehr wichtige Tagung in Frankfurt im Jahr 2000 mit der damaligen Gesundheitsministerin Andrea Fischer durchgeführt, wo wir unser Netzwerk gegründet haben. Im Februar 2001 haben wir dann den Verein Mensch zuerst – Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten gegründet. Wir in Hamburg haben am 30.6.2000 unseren Verein Starke Engel gegründet und werden dieses Jahr 18 Jahre alt“, berichtet Doris Haake. Die USA-Reise war also eine Art Startschuss, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten ihre eigenen Organisationen gründeten und in verstärktem Maße begannen, sich selbst zu vertreten und sich in die Politik einzumischen.

„Leichte Sprache, das Leben mit Unterstützung in der eigenen Wohnung, Persönliche Zukunftsplanung, Auflösung der großen Einrichtungen, Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, Selbstvertretung, das waren Themen, über die wir vor 20 Jahren intensiv mit Aktiven aus den USA sprachen. Leider sind das immer noch die Themen, an denen wir heute arbeiten müssen, auch wenn sich zwischenzeitlich einiges getan hat. Doch das ist oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb ist die Selbstvertretung heute noch genau so wichtig, wie vor 20 Jahren“, so Stefan Göthling. Derzeit führt Mensch zuerst ein dreijähriges Projekt im Rahmen des Partizipationsfonds des Bundes durch, durch das die Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten gefördert wird.