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Gehörlose von Wahlauftritt enttäuscht

Wahlauftritt der Bundeskanzlerin
Wahlauftritt der Bundeskanzlerin
Foto: ZSL e.V. Erlangen

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Wahlauftritt der Bundeskanzlerin
Foto: ZSL e.V. Erlangen

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Foto: ZSL e.V. Erlangen

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Foto: ZSL e.V. Erlangen

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Wahlauftritt der Bundeskanzlerin
Foto: ZSL e.V. Erlangen

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Foto: ZSL e.V. Erlangen

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Wahlauftritt der Bundeskanzlerin
Foto: ZSL e.V. Erlangen

ERLANGEN (KOBINET)

ERLANGEN (KOBINET) Wie barrierefrei ist der Bundestagswahlkampf 2017 in Zeiten des Bundesteilhabegesetzes  und der Behindertenrechtskonvention? Nachdem Mitglieder des Gehörlosenvereins Erlangen und des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben Behinderter am Mittwoch Abend unter Beteiligung von Gebärdendolmetscherinnen lange über mehr Partizipation in der von Aktion Mensch nominierten Modellkommune diskutiert hatten, wollten sie es wissen und besuchten gemeinsam eine Wahlkampfveranstaltung auf welcher auch die Bundeskanzlerin sprach.



Gemeinsam machte sich eine Gruppe zum Erlanger Marktplatz auf, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, Bundestagsabgeordneten Stefan Müller und der Erlanger CSU um Stimmen warb. Das freundliche Sicherheitspersonal ermöglichte der Gruppe zwar nach gutem Zureden den Zugang zu dem Bereich nahe der Bühne, aber dort war  der Auftritt für die Gehörlosen enttäuschend. An gehörlose Wähler und Wählerinnen hatte man beim diesjährigen Wahlkampf nicht gedacht. Die Wahlkampfveranstaltung fand ohne Gebärdendolmetscher statt.

Während die Bundeskanzlerin den lauten Protest der Gegner außerhalb der Absperrung kritisierte, gab es in ihrer unmittelbaren Nähe einen stillen Protest der Gehörlosen für mehr Barrierefreiheit. Da vorbereitete Plakate nicht mitgenommen werden durften, nahm die Gruppe spontan einen Video Clip auf. Die gehörlose Vanessa Fingerhut und die Gebärdendolmetscherin Marion Rexin zeigen darin,  wie deprimierend die Situation für Gehörlose ist. Inklusion und politische Teilhabe wünschen sie sich anders.

In Gebärden erklärt Vanessa Fingerhut: „ Hallo, hier sind wir beim Rathaus in Erlangen. Kanzlerin Merkel hält eine Rede. Leider haben sie sich nicht um einen Dolmetscher gekümmert. Wir hatten großes Glück, dass eine Dolmetscherin ein großes Herz hatte und bereit ist, auf eigene Kosten zu übersetzen. Sonst wären wir wieder auf eine Barriere gestoßen. Wir müssen weiterkämpfen für ein barrierefreies Leben.“

Auf Nachrichtenbeiträgen anderer Länder sieht man oft Gebärdendolmetscher – selbstverständlich in erster Reihe – Reden und Debatten übersetzen. So können Gehörlose gleichberechtigt am politischen und öffentlichen Leben teilhaben. Die kleine Aktion am Rande des Wahlkampfauftritts der Bundeskanzlerin soll mehr Bewusstsein für die berechtigten Interessen der Gehörlosen schaffen und deshalb in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Dabei geht es nicht um die Kritik an nur einer Partei, sondern um einen Appell an alle Volksvertreterinnen und Volksvertreter, die Teilhabe der Gehörlosen am politischen und öffentlichen Leben durch Gebärdendolmetscher zu ermöglichen. Der Auftritt der Kanzlerin in der sehr um Inklusion bemühten Modellkommune der Aktion Mensch war daher ein guter Anlass, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.