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BERLIN (KOBINET)
BERLIN (KOBINET) Uschi Lehmann aus Berlin musste draußen bleiben, als die Bundestagsfraktion der Grünen am 17. Oktober eine Veranstaltung unter dem Motto "Im Dschungel der Gesundheits-Apps" durchführte. Nicht nur das, die Rollstuhlnutzerin ist auch empört darüber, wie die Grünen mit dieser Diskriminierung umgehen. Daher hat sie sich an den Fraktionsvorsitzenden Dr. Anton Hofreiter mit einem Beschwerdebrief gewandt.
„Ich hatte mich für diese Veranstaltung angemeldet und eine Bestätigung bekommen. Als ich aber im Rainmaking-Loft-Foyer unterhalb einiger Stufen stand, war ich immer noch in dem Glauben, dass man mir noch rechtzeitig einen barrierefreien Hintereingang zuweist. Oberhalb der Stufen thronten 2 Personen, die die fußgehenden Teilnehmer registrierten. Lapidar wurde ich von den Veranstaltern mit der Vokabel „Entschuldigung“ wahrgenommen. Am 25.10. erhielt ich die zynische Rückmeldung: „danke für Ihre Teilnahme“, so beschreibt Uschi Lehmann ihre Erlebnisse mit der Veranstaltung, die sie aufgrund von Barrieren nicht besuchen konnte.
„Bis dato war ich tatsächlich immer in dem Glauben, dass die GRÜNEN-Fraktion der Behindertensituation große Bedeutung beimisst. Zwangsweise musste ich aber am 17.10. die Kröte schlucken, dass Chancengleichheit, Antidiskriminierung, Abbau von Benachteiligungen u.v.m. im Zusammenhang mit mobilitätsbehinderten Menschen bei Ihren Parteimitgliedern gar nicht im Gehirn angekommen ist. Mit der erlebten Realität haben Sie uns mit Ihrem Slogan gemeinsam für eine bessere Welt betrogen. Bitte machen Sie mir plausibel, wie das gemeint ist und was danach kommt“, schreibt Uschi Lehmann an Anton Hofreiter. „Ich erwarte die Rückerstattung der entstandenen Beförderungskosten für den Sonderfahrdienst laut beigefügter Kopie. Um Wiederholungen zu vermeiden, bitte ich Sie, alle meine Kontaktdaten aus Ihren print- und elektronischen Verzeichnissen zu löschen. Respekt und Wertschätzung – das steht uns allen zu – auch mir!“
Anmerkung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN vom 6.12.2016
Liebe Frau Lehmann,
Sie haben natürlich absolut Recht und es tut uns aufrichtig leid, dass Sie nicht an unserer Veranstaltung zu den Gesundheits-Apps teilnehmen konnten. Dies war nicht unsere Absicht. Bei der Organisation der Veranstaltung, insbesondere bei der Anmeldung ist uns ein Fehler unterlaufen. Wir hätten deutlich darauf hinweisen müssen, dass dieser Raum, den wir einmalig und ausnahmsweise gebucht haben, um auch räumlich an die Start-Up-Szene anzuschließen, nicht vollständig barrierefrei ist. Aber: Ein rollstuhl-gerechter Zugang wäre über die Büros im hinteren Bereich des Gebäudes, mittels Rampe, möglich gewesen. Unsere gängige Abfrage bei der Anmeldung, ob unser Gast mit einem Rollstuhl kommt oder sonstige Unterstützung benötigt, hat in diesem Fall nicht ausgereicht. Dafür entschuldigen wir uns ausdrücklich bei Ihnen und wir werden alles versuchen, dies in Zukunft noch besser zu machen.
Wir möchten Ihnen versichern, dass wir den Einsatz für selbstbestimmte Teilhabe behinderter Menschen ernst meinen und auch in unserer alltäglichen Praxis einlösen wollen. Diesen Anspruch haben wir bei der Organisation dieser Veranstaltung leider nicht eingelöst. Das bedauern wird. Wir möchten uns bei Ihnen für die Unannehmlichkeiten ausdrücklich entschuldigen und Ihnen versichern, dass wir es sehr bedauern, Sie unbeabsichtigt von dieser Veranstaltung ausgeschlossen zu haben.
Herzliche Grüße
Ihre Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen




