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WIEN (KOBINET)
WIEN (KOBINET) Behindertenaktivist Raul Krauthausen hat hunderte von E-Mails nach seinem #Heimexperiment und dem Bericht auf stern TV bekommen. "Davon waren weniger als 10 negativ. Ich glaube, dass wir ganz gut klargemacht, haben, dass es nicht um die Kritik an einem speziellen Heim oder an bestimmten Mitarbeitern geht, sondern um die Strukturen, die wir grundsätzlich kritisieren", so Krauthausen heute im BIZEPS-Interview. Auslöser für die Aktion war das geplante Bundesteilhabegesetz, mit dem es für behinderte Menschen schwieriger werden, selbst frei zu entscheiden, wie und wo sie leben wollen. Betroffene befürchten, dass Ämter versuchen werden, Menschen in Heimen unterzubringen, die heute selbstbestimmt in eigenen Wohnformen leben.
„Der Diskurs ist komplex, (Noch)-nicht-Betroffene haben manchmal auch Angst, sich diesem Thema zu stellen. Viele sehen vordergründig nur die Kosten und nicht die menschenrechtliche Dimension“, erklärte Krauthausen. „Oft wissen die Bewohner aber eben auch nicht, was mit Assistenz alles möglich wäre. Auch wenn ich kein Fachmann bin, würde ich soweit gehen, zu schätzen, dass 70 % der Bewohner, die ich dort traf, auch allein mit Assistenz leben könnten.“ Auch für die übrigen Bewohner gäbe es geeignetere Wohnformen inmitten der Gesellschaft, die wesentlich mehr Individualität und Selbstbestimmung ermöglichen würden als ein Heim – zum Beispiel das Leben in einer kleinen Wohngruppe.
Krauthausen findet es wichtig, das Thema zurückzuerobern: Weg von der permanenten Deutungshoheit der Entscheider und Betreiber dieser Einrichtungen. „Wir wollen auch nicht, dass Heime besser werden, sondern wir stellen deren Existenz grundsätzlich in Frage“, betonte der Berliner vom bundesdeutschen Netzwerk AbilityWatch.




