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Robinson in Tokio

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KöLN (KOBINET) Für die in dieser Woche vorausgesagte Hitze bieten es sich an, sich etwas Ruhe zu gönnen und wieder einmal ein Buch zu lesen. Anke Glasmacher bietet mit ihrer Rezension des Buches "Arndt Kremer, Robinson in Tokio" einen entsprechenden Lesetipp.

Rezension Von Anke Glasmacher

Von einem, der auszog, die Geschichte neu zu erzählen

Der Kölner Lyriker Arndt Kremer ist ein Handlungsreisender. Vom Bergischen Land zog er für viele Jahre hinaus in die weite Welt, wanderte durchs Heilige Land, zog auf eine Insel und angelte fortan nach Worten. „Weißt Du: Ich / immer endlos / auf dem Hinweg heim // das Herz im Beutel / als Wegzehrung / oder als Pfand“.

Seine Gedichten sind wie kleine Erzählungen. Mal voller Hoffnung, von einem lyrischen, gleichsam unfassbaren Du begleitet: „Es ist mir mit dir wie mit einem Teich / von Seerosen bedeckt, in dem einer / nur zaghaft schwimmt, weil er / den Grund nicht sehen kann // Und plötzlich taucht, ganz unerwartet / Geheimnisvolles auf und Zauberhaftes: Libellen, Nymphen, Feen, ein Kolibri / gefolgt von einem Huhn, das glaubt / ein Fisch zu sein // Dann blicke ich dich an / offenen Munds / aus dem nichts / andres / fällt // als Staunen“ (Mund voll Staunen). Mal seziert er präzise die eigene Machtlosigkeit: „Klar ist: / Nichts ändert sich / wenn ich schreibe: // (…) Nichts ändert sich. Die Kriege werden / mit gleicher Berechnung geführt, mit gleicher / Leidenschaft brechen sich Liebende das Herz / mit gleicher Müdigkeit verlasse ich / diesen Satz“ (Klar ist).

Und doch: Arndt Kremer erzählt uns seine Geschichten in einer ungewöhnlich sanften Tonalität, fast als wolle er uns vor ihrem Inhalt beschützen, einen poetischen Arm um uns legen, wie ein großer Bruder. Seine Texte sind voller Anspielungen, Zitate, voller Referenzen an die großen LyrikerInnen unserer Zeit. Aber er ist viel zu ehrlich, um sich hinter der schönen Sprache zu verstecken. Es platzt an jeder nur erdenklichen Stelle aus ihm heraus – stilvoll, höflich, formvollendet und mit der gesamten Wucht, die der lyrischen Sprache eigen ist: „An euren Stränden / lag ich, gezeichnet / von Hoffnung / von Glauben // Auf euren Steinen / saß ich zerbrechlich / mit beredtem Schweigen / die Wunden zu zeigen // an denen ihr mich / erkennen könnt: ein Mensch / dessen Blut so rot ist / wie das eure“ (Farben der Ferne).

Arndt Kremer zeigt seine, unsere Wunden der Neuzeit. Er lässt uns teilhaben an der Trauer über den Zustand nicht der Welt, sondern der Menschen. Doch er wird nicht zynisch, nicht verbittert, in seinen Gedichten ist auch nichts von einem wütenden Aufschrei zu spüren. Seine Texte bleiben getragen von einer ursprünglichen Liebe zu den Menschen, auch und gerade zu denen, die seine Worte nicht hören können. Arndt Kremer gibt nicht auf. Er gibt uns nicht auf. „Das Leben aufdrehen / abdrehen, Stille sein // Wohin mit dem Wort? / Weiter. Und. Fort“ (Ariel, verbrannt).

Am Ende bleibt neben dem Staub eine Zeitung, bleibt vielleicht das Wort: „Dann aber neu entdeckt / im stillgelegten Mietshaus / Eine Ahnung Mensch im Bett / die sieben Jahre alte Zeitung / noch auf dem Tisch: Freitag.“ (Robinson in Tokio)

„Robinson in Tokio“, gerade in der 2. Auflage erschienen und wundervoll editiert im elifverlag, ist eines dieser Bücher, das man unbedingt mitnehmen würde auf eine einsame Insel, ein Buch, das einen an die Hand nimmt und die Geschichten von den Wölfen mit einer so warmen Stimme erzählt, das wir nie wieder glauben wollen, alleine zu sein mit unserem Schmerz.

Zum Buch:

Arndt Kremer: „Robinson in Tokio“

Lyrik

elifverlag, Nettetal 2013

60 Seiten, 11,95 €

ISBN 978-3-9816147