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UNBEKANNT (KOBINET)
UNBEKANNT (KOBINET) Ein mögliches Reiseziel für Reisende mit Rollstuhl ist die estnische Stadt Haapsalu. Die Kurstadt liegt im Westen Estlands an der gleichnamigen Bucht auf einer langen verzweigten Landzunge und ist so ein ideales Reiseziel für alle, die das Meer lieben und sich gern an der See erholen möchten, so kobinet-Korrespondent Hartmut Smikac heute in seinem letzten Bericht von einer Pressereise durch die baltische Republik.
Haapsalu (kobinet) Ein mögliches Reiseziel für Reisende mit Rollstuhl ist die estnische Stadt Haapsalu. Die Kurstadt liegt im Westen Estlands an der gleichnamigen Bucht auf einer langen verzweigten Landzunge und ist so ein ideales Reiseziel für alle, die das Meer lieben und sich gern an der See erholen möchten.
Bereits im Jahr 1279 hatte Haapsalu das Stadtrecht erhalten. Neben Deutschbalten hat später vor allem schwedischer und russischer Adel viele Spuren in der Geschichte der Stadt hinterlassen. Für ihre Entwicklung war dann vor allem das Jahr 1825 von Bedeutung – der Deutschbalte Carl Abraham Hunnius, der in Tartu Medizin studiert hatte, entdeckte die therapeutische Wirkung des Schlamms aus der Ostsee bei Haapsalu. Das war der Beginn der Geschichte der Stadt als Kurstadt und Grundlage wichtiger Entwicklungsimpulse, denn im 19. Jahrhundert kamen dann alle russischen Zaren von Alexander I. bis Nikolaus II., wie auch andere Prominente, jedes Jahr zur Kur nach Haapsalu.
Neben einer großen Neurologischen Rehabilitationsklinik gibt es in Haapsalu eine weitere Kurklinik sowie mehrere Erholungs- und Sportangebote. Die Stadt ist also auf Gesundwerden und Gesundbleiben eingestellt. Dementsprechend wird von der Stadt und ihren Partnern viel unternommen, um die Stadt insgesamt ohne Barrieren zugänglich zu machen. „Was bei uns neu gemacht oder modernisiert wird, muss auch den europäischen Kriterien für Barrierefreiheit entsprechen,“ erklärt dazu der Vizebürgermeister der Kurstadt Haapsalu, Peeter Vikmann.
Das bestätigt sich beim Spaziergang durch die Stadt. Sicherlich gibt es auch hier noch diese oder jene „Problemstelle“ für Rollstuhlnutzer, insgesamt sind jedoch die Bordsteine an den Übergangsstellen abgeschrägt. Die neuen Supermärkte sind alle ebenerdig zugänglich, aber auch kleinere Geschäfte sowie eine relativ große Zahl von Gaststätten bieten entsprechende Zugänge. Und wer sich in der Rehabilitationsklinik behandeln lässt, tut das in einem Haus, dass in hohem Maße barrierefrei ist.
Nördlich des Stadtzentrums lädt entlang der Küste eine Promenade zum Spaziergang ein, die vom Baltic Hotel bis zum Kinderspielplatz gut mit dem Rollstuhl zu befahren ist sowie herrliche Ausblicke auf das Meer bereithält. Etwa auf der Hälfte des Weges steht das Kurhaus, ein Restaurant mit Bühnen, auf welchen Konzerte stattfinden. Das historische Kurhaus ist mittels Schräge ebenerdig zugänglich und im Haus gibt es auch für Gäste mit Rollstuhl eine entsprechende Toilette.
Von mehreren Standort aus in der Stadt ist die imposante Kulisse der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Bischofsburg zu sehen. Diese Burg besteht aus der sogenannten „kleinen Burg“, welche eigentlich nur das Konventshaus und die Domkirche umfasst, sowie der „großen Burg“, zu der dann noch die 800 Meter lange Ringmauer mit den Kanonentürmen gehören. In den Vollmondnächten im August soll an den Fenstern der Taufkapelle die „weiße Dame“ erscheinen, der Geist einer jungen Frau, die einst Geliebte des Domherren war und sich in der Verkleidung eines Chorknaben in der Burg aufhielt, jedoch entdeckt wurde. Zur Strafe hatte man sie lebendig eingemauert und so ist ihr Geist noch heute zu sehen – manchmal sogar tatsächlich, was aber durch die Form der Fenster der Taufkapelle und entsprechende Lichtverhältnisse zu erklären ist. Eine Attraktion ist sie dennoch in jedem Fall und so wird ihre Geschichte immer im August auf einer Bühne im Burginnenhof nachgespielt. Dieser Innenhof ist für Besucher mit Rollstuhl problemlos zugänglich. In der „kleinen Burg“ befindet sich ein Museum, das dank einer außen angebrachten Schräge ebenerdig zugänglich ist. Nach dem weiteren Umbau der Burg sollen dann auch die Räume der oberen Geschosse ebenerdig zugänglich werden.
Wohl jeder hat in seiner Kindheit Bücher von Astrid Lindgren gelesen und sich über die vielen bunten Bilder darin gefreut. Wenn man jedoch nun einen Spaziergang durch die Straßen der Altstadt von Haapsalu mit ihren kleinen Häusern macht, dann könnte man bei diesem oder jenem Haus meinen, es schon einmal gesehen zu haben. Und das ist durchaus möglich, denn viele Bücher von Astrid Lindgren wurden von Ilon Wikland illustriert. Sie wurde in Tartu geboren, verbrachte ihre Kindheit aber in Haapsalu und nutzte später ihre Kindheitserinnerungen häufig, um den Geschichten von Astrid Lindgren ein Gesicht zu geben. Heute erinnert Ilons Wunderland, ein kleines Museum, in dem Besucher viel Malen und sich mit Bastelarbeiten betätigen können, an Ilon Wikland. Auf drei Etagen kann man in diesem Wunderland viel über die berühmte Illustratorin erfahren, die von ihr illustrierten Bücher lesen sowie die Geschichten dazu hören, beziehungsweise selbst nachspielen. Das Gebäude des Wunderlandes ist über eine Schräge auf der Hofseite und mittels des eingebauten Lifts in allen drei Etagen auch für Besucher mit Rollstuhl zugänglich.
Aus jenen Jahren, da sich der russische Zar mit seinem Gefolge zur Pflege der Gesundheit nach Haapsalu kam, stammt der mit kunstvollen Schnitzarbeiten versehene hölzerne Bahnhof. Heute ist hier das Estnische Eisenbahnmuseum untergebracht. Einige der dort abgestellten Lokomotiven wurden bereits renoviert und sind nicht nur für Eisenbahnliebhaber sehenswert. Der Bahnhof selbst ist über eine Schräge ebenerdig zugänglich. Auf dem Gelände des Museums gibt es einen gut mit Rollstuhl zu befahrenden Weg von dem aus man alle Exponate in Ruhe betrachten kann.
Die Umgebung dieses Bahnhofs ist für ausgedehnte Spaziergänge ideal, denn die Schienenstränge des Umfeldes wurden weggeräumt und durch betonierte Radwege ersetzt. So kann man hier in mehrere Richtungen auch mit Rollstuhl an der Küste entlang bummeln, beziehungsweise durch den Wald bis zu einem Bootshafen wandern oder eben ein Thalasso-Bad besuchen, das ein ebenerdig zugängliches Restaurant mit schöner Terrasse und Blick zum Meer bietet.




