Foto: Claudia van Dühren, Hänsch Warnsysteme GmbH
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GANDERKESEE (KOBINET)
GANDERKESEE (KOBINET) Gleich an vier niedersächsischen Schulen konnten in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler "von Behindertensportlern lernen". Eine spannende Mischung aus Podiumsdiskussion und Rollstuhlbasketball-Workshop versprachen die Projekttage an Schulen, durch die Lernen einmal anders erlebt wurde.
„Menschen ohne und mit Behinderung zusammenbringen, Vorurteile durchbrechen und Inklusion fördern, das sind wichtige Zielstellung dieser Projekttage“, erklärte der Präsident des Behinderten Sportverbandes Niedersachsen (BSN) Karl Finke in Ganderkesee und machte deutlich, dass diese Ziele durch das Projekt in beeindruckender Weise erreicht werden.
Die Auftaktveranstaltung in Ganderkesee war nach Angaben des Verbandes gleich ein voller Erfolg. Die 160 Schülerinnen und Schüler nahmen das Angebot von Josef Giesen – mehrfacher Paralympicsteilnehmer im Biathlon und Behindertensportler des Jahres 2003 – an, Fragen zu stellen, egal welche. Giesens Antworten zu seinen sportlichen Erlebnissen und Erfolgen beeindruckten die Schülerinnen und Schüler bei der Podiumsdiskussion immer wieder. Tauchen mit Flasche? Brustschwimmen? „Alles, was Spaß macht“ war der Tenor von Josef Giesen und: „Ich sage niemals, dass ich etwas nicht kann, ich probiere es immer aus. Stelle ich dann fest, dass ich irgendetwas wirklich nicht kann, weiß ich wo meine Grenze ist.“
Andreas Kuhnt, Moderator bei NDR 1 Niedersachsen, und Josef Giesen waren bei den Podiumsdiskussionen ein eingespieltes Team. Sie stellten eine so lockere Atmosphäre her, dass sogar die Frage: „Können Sie sich eigentlich ihren Po abwischen?“ ebenso unkompliziert wie detailliert beantwortet wurde.
Auch am Hermann-Billung-Gymnasium in Celle und dem Georg-Büchner-Gymnasium in Seelze/Letter stand der Wissensdurst den ca. 300 Jugendlichen ins Gesicht geschrieben. Die Stimmung war auch bei diesen Podiumsdiskussionen geprägt von der Neugier, mehr von diesem fröhlichen contergangeschädigten Mann zu erfahren. Erschien er doch so „normal“, dass man vergessen konnte, dass etwas an ihm „anders“ ist, heißt es in einer Presseinformation des BSN. Als Josef Giesen nach der Veranstaltung am Georg-Büchner-Gymnasium auf dem Weg zum Auto war, wünschten ihm viele Jugendliche im Vorbeigehen einen schönen Tag, eine gute Heimreise oder sagten einfach nur „tschüß“. Auf dem Parkplatz kamen vier Mädchen zu ihm und fragten, ob sie sich mal das Auto von innen anschauen dürfen. Alles schien nach diesen zwei Schulstunden so vertraut. Im Schulzentrum Hasetal in Herzlake hatte Giesen ein wohnungsnahes Heimspiel und beeindruckte auch mit seinen Spezialanfertigungen, einem Gartenschuh sowie einem Boßelschuh, mit dem er beim emsländischen Volkssport aktiv mitwirken kann.
Auch der Part des Workshops war nach Informationen des BSN ganz nach dem Geschmack der Jugendlichen. Zwar kamen die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen des Hermann-Billung-Gymnasiums in Celle erst etwas schüchtern in die Sporthalle, stellten aber alsbald fest, dass der eine oder die andere selbst schon einmal krankheitsbedingt im Rollstuhl gesessen hatte. Aller Anfang erschien schwer. Sich in einem Rollstuhl fortzubewegen, war anfänglich nicht für alle Schülerinnen und Schüler leicht. Aber dank der lockeren und guten Anleitung des Workshops durch Rollstuhlbasketball-Bundesligaspieler Eike Gößling konnte man sehen, wie der Umgang immer leichter fiel. „Die kleinen Rollen hinten und vorn am Rollstuhl dienen der Stabilität, wenn das Spiel etwas schneller wird“, so Eike Gößling. Doch gleich beim ersten Spiel rammte eine Schülerin einen Gegner und fiel unsanft aus dem Rollstuhl, rappelte sich wieder auf und … weiter ging es. „Das macht Spaß, können wir keine Rollstuhlbasketball-AG an unserer Schule einrichten oder wenigstens eine Projektwoche?“ war die einhellige Meinung der Jugendlichen. Der Funke war definitiv übergesprungen. Dass ein Rollstuhlbasketballer gar nicht behindert sein muss, beeindruckte aber besonders. Auch an den anderen Projektschulen, waren die Workshops ein Selbstläufer. Fröhliche Jugendliche, die ausnahmslos Positives rückmeldeten, waren die Konsequenz von einem jugendgerechten neuen Angebot, heißt es vonseiten des BSN.




