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Ärztin der Armen

Dr. Jenny De La Torre Castro
Dr. Jenny De La Torre Castro
Foto: delatorre-Stiftung.de

BERLIN (KOBINET)

BERLIN (KOBINET) Jenny De La Torre, die Berliner Obdachlosenärztin, bekommt den Deutschen Stifterpreis. "Helfen, heilen und pflegen, jenen zur Seite stehen und ihre Schmerzen lindern, die es am nötigsten brauchen - das wollte Dr. Jenny De la Torre Castro, so lange sie denken kann. Als Kind schon wurde sie mit Armut und sozialer Ungleichheit konfrontiert. In ihrem Heimatort Puquio in Peru gab es zu wenig Ärzte, um all das Leid und die vielen Krankheiten zu lindern", ist auf der Webseite ihrer Stiftung zu lesen.



1994 begann die in Leipzig und Berlin ausgebildete Medizinerin auf dem Berliner Ostbahnhof, obdachlose Menschen zu behandeln. Sie untersucht täglich etwa 25 Patienten, versorgt mit einfachen Mitteln Wunden, Verletzungen und Geschwüre, lindert Schmerzen und verteilt notwendige Medikamente. Neben Hautkrankheiten, wie der sogenannten „Schleppe“, die fast jeder irgendwann bekommt, der auf der Straße lebt, sind es vor allem Parasiten, offene Beine und chronischer Alkoholismus, die Obdachlose quälen.

Der Einsatz verlangt von ihr starke Nerven und viel Fingerspitzengefühl. Vor allem der Umgang mit alkohol- und suchtkranken Menschen, der Dr. Jenny De la Torre Castro zunächst nicht leicht fiel. Aber schließlich sagte sie sich: Man muss die Menschen annehmen, wie sie sind. Sie haben sich dieses Leben schließlich nicht ausgesucht. Jedem Patienten, der in ihre Praxis kommt, hört sie geduldig zu, nimmt sich Zeit und schafft so Vertrauen. Das brauchen obdachlose Menschen ganz besonders, weiß die Ärztin aus Erfahrung, denn sie sind „sozial krank“.

Die Berliner Zeitung widmet der „Ärztin der Armen“ heute ihren Leitartikel. 2002 gründete De La Torre ihre eigene Stiftung. Das Geld stammte aus dem Preis für die „Goldene Henne“, den die Peruanerin für ihr Engagement bekam. 2006 konnte sie ihr eigenes Gesundheitszentrum in der Pflugstraße in Mitte eröffnen. Die 60-Jährige arbeitet mittlerweile mit anderen Ärzten und Helfern zusammen. Neun sind in ihrer Stiftung fest angestellt, 22 weitere arbeiten ehrenamtlich mit.