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Jede Stimme zählt

Porträt von Ottmar Miles-Paul
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KASSEL (KOBINET)

KASSEL (KOBINET) "Jede Stimme zählt". Wer kennt diesen schon fast floskelhaften und während Wahlkämpfen gebetsmühlenartig wiederholten Spruch nicht. Damit sollen vor allem diejenigen motiviert werden, die überlegen nicht zur Wahl zu gehen oder dies für sich längst entschieden haben. Die neueste Umfrage zur Hessenwahl, die wie die Bundestagswahl auch am 22. September stattfindet, zeigt deutlich, dass wirklich jede Stimme zählt.



Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

Viele erinnern sich vielleicht noch an die Landtagswahl Anfang diesen Jahres in Niedersachsen. Während sich die einen schon feierten, mussten sie kurz darauf feststellen, dass sie die Wahl verloren haben. Ein Tatort oder Fußballspiel war an diesem Abend an Spannung weit überboten. Oder die Wahl des ehemaligen US-Präsidenten Bush, wo wochenlang in Florida die Stimmen nachgezählt werden mussten und es in einem riesigen Land wie den USA auf ganz wenige Stimmen für die Präsidentenwahl ankam. Hier hat sich eindrucksvoll bewiesen, dass es bei Wahlen zuweilen wirklich auf jede Stimme ankommt. Auf eine Stimme kam es schließlich bei der Wahl in Kärnten in Österreich an. Wegen einer einzigen Wählerstimme kam es zu einer Verschiebung der Mandate.

Die neuesten Umfragen für die Landtagswahl in Hessen lassen einen ähnlich spannenden Wahlabend erwarten. Lagen vor kurzem die Lager von schwarz-gelb und rot-grün noch gleichauf zeigt die heute veröffentlichte Umfrage des Hessischen Rundfunks einen knappen Vorsprung für rot-grün. Demnach käme die CDU auf 39 Prozent und die FDP auf fünf Prozent der Stimmen. Demgegenüber stehen die SPD mit 31 Prozent und die Grünen mit 14 Prozent der Wählerstimmen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre. Die Linke würde mit vier Prozent nicht in den Landtag kommen, genau so wie die Piraten. Wer in Hessen erlebt hat, welch geringen Stellenwert die Behindertenpolitik in den letzten Jahren unter einer schwarz-gelben Regierung gehabt hat und welch geringe Rolle behinderte Menschen selbst dabei gespielt haben, müsste nun alles in Bewegung setzen, um viele Menschen zu überzeugen zur Wahl zu gehen. Am Ende könnten es nämlich wirklich wenige Stimmen sein, die über die Zukunft der Landespolitik entscheiden. Ob man nun voll mit einer Partei übereinstimmt ist die eine Sache, doch wo im Leben findet ein anderer Mensch bzw. das was jemand tut, eine 100%ige Zustimmung. Das findet man meist nicht einmal beim liebsten Partner oder bei der liebsten Partnerin. Wer jedoch nicht wählt, vergibt die Chance, für die Bewegungen in vielen Ländern noch hart kämpfen, die Richtung der zukünftigen Politik durch seine Stimme mitzubestimmen.

Auch bei der Landtagswahl in Bayern und bei der Bundestagswahl, die zur Zeit wesentlich langweiliger vom Wahlausgang den Umfragen zufolge aussehen, ist der Kuchen noch längst nicht gegessen. Gerade auf Bundesebene dürfte es ebenfalls auf jede Stimme ankommen, ob die derzeit regierende Koalition aus CDU/CSU und FDP so weiter machen kann oder ob eine Veränderung in der Konstellation der Regierungsparteien eintritt.

Es sind noch 32 Tage bis zur Bundestagswahl und gerade behinderte Menschen und ihre Angehörigen und Freunde haben allen Grund, sich in die Politik und den Wahlkampf einzumischen. Eine UN-Behindertenrechtskonvention im Rücken zu haben ist die eine Sache, Politikerinnen und Politiker im Parlament zu haben, die diese umsetzen eine andere. Das kommt nicht von allein, deshalb sind wir selbst wieder einmal gefordert.