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Noch 80 Tage bis zur Bundestagswahl

Martin Zierold
Martin Zierold
Foto: Martin Zierold

BERLIN (KOBINET) Martin Zierold hat sich nicht nur vor kurzem für die große Demonstration für die Gebärdensprache in Berlin engagiert, seit Oktober 2011 ist der von Geburt an Ertaubte Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung in Berlin Mitte selbst in einem Parlament für die Grünen aktiv. Wenn in 80 Tagen der Deutsche Bundestag gewählt wird, erwartet Martin Zierold vor allem, dass der Inklusionsanspruch ernst genommen wird.

kobinet-nachrichten: Welche Erfahrungen haben Sie als gehörloser Mensch bisher mit der Barrierefreiheit von Wahllokalen gemacht? Wählen Sie am 22. September im Wahllokal oder nutzen Sie die Briefwahl?

Martin Zierold: In Bezug auf Taubheit habe ich festgestellt, dass es hauptsächlich an DGS-kompetenten Betreuenden der Wahl fehlt. Angenommen ich habe eine Frage oder mir wird etwas erklärt, dann haben wir ein Kommunikationsproblem. Es sollte immer eine Person pro Wahllokal geben, die gebärdensprachkompetent ist, damit es reibungslos laufen kann.

kobinet-nachrichten: Wählen Sie am 22. September im Wahllokal oder nutzen Sie die Briefwahl?

Martin Zierold: Wenn ich die Zeit habe, gehe ich zum Wahllokal.

kobinet-nachrichten: Was ist für Sie bei der anstehenden Bundestagswahl besonders wichtig und was wollen Sie mit der Abgabe Ihrer Stimme erreichen?

Martin Zierold: Für mich ist der Inklusionsanspruch zentrales Ziel bei der Wahl. Ich bin selbst bei den Grünen und werde deshalb auch grün wählen. Ich weiß, dass in meiner Partei der Anspruch ernst genommen wird, sich für wahre Inklusion einzusetzen und Gebärdensprache und deren barrierefreie Nutzung umzusetzen. Das kann ich ja auch direkt beeinflussen.

kobinet-nachrichten: Gibt es Initiativen, dass gerade gehörlose Menschen dazu motiviert werden, sich an der Bundestagswahl, aber auch bereits im Wahlkampf zu beteiligen?

Martin Zierold: Nicht das ich wüsste. Von tauben Menschen selbst gibt es glaube ich keine Initiative. Aber von politischer Seite tut sich da ein wenig was. Es ist leichter taube Menschen zu motivieren, wenn ihnen Gebärdensprachvideos zur Verfügung gestellt werden. Zum Beispiel Wahlprogramme usw. ins Netz zu stellen in Deutscher Gebärdensprache (DGS). Da diese Videos besser verstanden werden als Texte motivieren sie auch mehr zur Teilnahme an der Wahl. Mittlerweile gibt es mehr und mehr dieser aufbereiteten Inhalte im Netz.

kobinet-nachrichten: Herzlichen Dank für das Interview.

BERLIN (KOBINET) Kategorien Nachrichten

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