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Noch 81 Tage bis zur Bundestagswahl

Nina Waskowski
Nina Waskowski
Foto: sch

POTSDAM-BABELSBERG (KOBINET) Nina Waskowski wählt natürlich, wenn in 81 Tagen über den neuen Bundestag abgestimmt wird. Sie hat derzeit Urlaub und dennoch Zeit gefunden, die Fragen im kobinet-Interview heute mit ihrem Smartphone zu beantworten. Die multiaktive Frau aus Potsdam-Babelsberg äußerte sich auch über die Pride Parade in Berlin, die sie prinzipiell gut, aber konzeptionell etwas unklar findet.

kobinet: Gehst du am 22. September wählen?

Nina Waskowski: Was für eine Frage am frühen Morgen! Ja – natürlich wähle ich. Schon immer. Du weißt ja: Wer nicht sagt, was er will, muss nehmen, was er kriegt. Und davor habe ich richtig Angst – große Angst. Also wählen!

kobinet: Fester Standpunkt …

Nina Waskowski: … muss aber zugeben, dass ich vor 15-20 Jahren noch eher nach dem Ausschlussverfahren wählte, da ich in diesem Alter nicht so recht wusste, was ich will. Ich wusste nur, was ich ganz sicher nicht will. Manchmal dachte ich in dem Alter auch, dass man vielleicht besser alle 4 Jahre ein neues Auto wählen und stattdessen die Politiker zum TÜV schicken sollte.

kobinet: Wie war das mit Briefwahl oder Wahllokal, Besuch von Wahlveranstaltungen?

Nina Waskowski: Da ging der Hickhack los, auf den du sicher gerade anspielst. Gebäude finden oder Freunde nerven, überall gegenrennen und einen Megastau verursachen, derweil man sich in der Wahlkabine mit der elektronischen Lupe einen abquält. Man ist zwar eitel und daher dankbar, bei diesen Aktionen in der Wahlkabine von niemandem gesehen worden zu sein, aber der Stau verriet mich heftigst – ganz davon abgesehen, dass die anschließenden Kopfschmerzen sicher nicht von den mir vorgeschlagenen Wahlmöglichkeiten, sondern von der Schwerstarbeit beim Lesen kamen. Nein nein, mein Lieber – diese Zeiten sind lang schon vorbei. Derweil sitze ich entspannt beim Kaffee und ohne anschließendes Kopfweh auf dem Balkon und lasse meinen Assistenten oder jemand anderen lesen, was mir an Wahlmöglichkeiten geboten wird. Das kann ich auch getrost machen, da ich in meiner politischen Grundeinstellung derweil gut gefestigt und dementsprechend relativ beratungsresistent bin. Sollte sich dann tatsächlich mal kein Vorleser finden und selbst mein Assistent nicht greifbar sein, hab ich immer noch ein Lesegerät inklusive Monitor in Leinwandformat im heimischen Büro. Meinem Rehatechniker sei Dank – eigentlich ist kaum mehr etwas unmöglich.

kobinet: Am 13. Juli findet die Pride Parade in Berlin statt. Schon was davon gehört?

Nina Waskowski: Ja, auch gelesen. Ich finde die Pride Parade prinzipiell gut. Jede Aktion ist wichtig. Nichts ist schlimmer als nichts tun. Du kennst mich und weißt, dass ich eine große Freundin des sinnvollen Unfugs bin. Ein gepflegtes Tänzchen auf der Straße zu guter und notfalls auch schlechter Musik darf dabei nicht fehlen.

kobinet: Aber?

Nina Waskowski: Dennoch bin ich zwiegespalten. Was steht im Vordergrund? Das Tanzen, der Spaß, die Freude oder Barrieren und Behinderung? Im Falle letzteres ist das eher nicht mein Ding, denn ich lasse mich nur ungern von Behinderung und Barrieren bestimmen – gerade weil man schon mehr damit zu tun hat, als einem lieb ist. Beim Kampfsport mit Menschen mit und ohne Behinderung geht es um den Kampf, beim Rolli-Rennen mit Menschen mit und ohne Behinderung geht es um das Rennen, beim Quotenkutter mit Menschen mit und ohne Behinderung geht es ums Paddeln und beim Stammtisch für Menschen mit und ohne Behinderung geht es um den Austausch und natürlich auch um Speis & Trank. Das ist es, was die Menschen zusammenbringt und den nachhaltigen – weil beiläufigen – Effekt hat, dass gerade die Menschen ohne Behinderung merken, dass ihre Kämpfer, Rennfahrerkollegen, Paddler und Stammtischler mit Behinderung einige Hürden mehr zu nehmen haben. Sie lernen schnell, ihnen zu helfen nicht des Helfens wegen, sondern weil sie gemeinsame Sache machen wollen, was ohne Hilfe bei den noch immer bestehenden Barrieren leider oft nicht funktionieren würde.

kobinet: Wie ist also deine Meinung?

Nina Waskowski: Prinzipiell gute Aktion mit sicher großem Spaßfaktor, was gerade mich natürlich anspricht, aber konzeptionell etwas unklar. Frage doch bitte mal einen völlig außenstehenden Bauarbeiter, Maurer oder Bäcker, ob er Lust hätte, dort hinzukommen. Ich mache das immer und wenn die sagen, dass es cool klingt, dann wird es meist auch cool. Am CSD (Christopher Street Day) erfreuen sich ja derweil auch zahlreiche Heteros, weil sie einfach ihren Spaß dran haben. So soll es sein!

kobinet: Dank dir für die Zeit, die du für die kobinet-Fragen gefunden hast. Viel Spaß noch im Urlaub, vielleicht auch auf dem Tandem! (Das Gespräch führte Franz Schmahl)