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Barrierefreies Budo

Bundeslehrgang Barrierefreies Budo
Bundeslehrgang Barrierefreies Budo
Foto: Nina Waskowski

POTSDAM (KOBINET) Der 10. Bundeslehrgang "Barrierefreies Budo" war ein voller Erfolg. Das berichtet heute die Potsdamer Kampfsportlerin Nina Waskowski für kobinet in Wort und Bild. Die verschiedenen Kampfsport- und Kampfkunstgruppen, die sich einmal im Jahr zusammenfinden, trainieren inklusiv. Schnell lernt man im Training, Vorurteile abzubauen und einen Rollstuhlfahrer als Gegner ernst zu nehmen.

Bericht von Nina Waskowski  

Mit einem dreifachen „Banzai“ begrüßte die Karateschule Agathenburg - Stade ihre Gäste zum 10. Bundeslehrgang „Barrierefreies Budo“. Rund 40 Teilnehmer mit und ohne Behinderung aus ganz Deutschland trafen sich zum diesjährigen Bundeslehrgang am Pfingstwochenende in dem liebevoll und stilecht eingerichteten Dojo (Übungsraum, in welchem japanische Kampfkünste gelehrt werden).

Zwei Tage Kampf standen bevor: nicht nur um die erste Bratwurst oder das erste Stück selbstgebackenen Kuchen, sondern vor allem ein Kampf in den Workshops Qigong, Judo, Ninjutsu, Kalarippayat und Kyusho - immer für- und miteinander statt gegeneinander. Manch einer kämpfte dabei auch erfolgreich mit seinem größten Feind – dem inneren Schweinehund, der im Alltag erfahrungsgemäß die meisten Schlachten für sich entscheidet.

Bereits über 10 Jahre trainieren die verschiedenen Kampfsport- und Kampfkunstgruppen, die sich einmal im Jahr zusammenfinden, inklusiv.

Schnell lernt man im inklusiven Training, Vorurteile abzubauen und einen Rollstuhlfahrer als Gegner ernst zu nehmen. Diesen Lernerfolg konnten auch in diesem Jahr wieder die noch unerfahrenen Teilnehmer ohne Behinderung für sich verbuchen. Wie ratlos man plötzlich dastehen kann, zeigte sich beispielsweise, wenn die Spastik des Gegenübers jede der jahrelang trainierten Hebeltechniken völlig wirkungslos werden lässt. Diese und viele andere Situation sorgten wieder für Augenblicke des Erstaunens und völlig neue Erkenntnisse. Sie regten zum allgemeinen Umdenken und zum Überdenken der eigenen Techniken an.

Einer der ganz besonderen Momente des diesjährigen Bundeslehrgangs war, als ein seit Kindheit an rollstuhlfahrender Spastiker eine gesamte Runde im Dojo zu Fuß zurücklegte. Nach den vielen Stunden intensiven Trainings und einer Kurzbehandlung durch einen ausgebildeten Heilpraktiker war ihm dieser Erfolg möglich. Er vertraute dabei den beiden Kampfsportfreunden, die ihn links und rechts die nötige Sicherheit gaben, vor allem aber sich selbst und seinen eigenen Fähigkeiten. Diese hatte er im täglichen Berufsalltag bereits für verloren geglaubt, da ihm dort die Zeit für ein solch intensives Training wie an diesem Wochenende leider fehlt. Das war Anreiz zum Weitermachen und Zeichen, dass das bundesweite Netzwerk „Barrierfreies Budo“ mit seiner ehrenamtlichen und konsequenten Arbeit den Teilnehmern nicht nur Spaß und Freude, sondern auch persönliche Erfolge verschafft.

In diesem Sinne: Ein dreifaches „Banzai“ bis zum nächsten Jahr irgendwo irgendwann in einem der barrierefreien Budo-Dojos Deutschlands und in hoffentlich noch größerer Runde!