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Mangel verwalten oder Beziehung gestalten? Psychiatrische Versorgung unter Druck

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Foto: Susanne Göbel

Mainz (kobinet)

Was passiert mit Menschen, die psychiatrische Unterstützung brauchen, wenn gleichzeitig in der Versorgung gespart wird und über Sicherheit, sogenannte Gefährder und die Erfassung psychisch auffälliger Menschen diskutiert wird? Depression, ADHS, Schizophrenie oder eine psychische Krise können jeden Menschen treffen. Der Unterstützungsbedarf ist gestiegen. Gleichzeitig erleben Betroffene, dass Hilfen schwerer zugänglich werden, Angebote unter Druck geraten und psychische Erkrankungen zunehmend auch unter dem Gesichtspunkt von Sicherheit und Gefahrenabwehr diskutiert werden. Mit diesen Fragen beschäftigt sich die bundesweite Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) vom 5. bis 7. November 2026 im Kurfürstlichen Schloss in Mainz. Unter dem Titel "Mangel verwalten? Beziehung gestalten. Haltung entfalten" werden rund 300 Fachleute, Engagierte und Psychiatrie-Erfahrene erwartet.

Betroffenenperspektive auf die aktuelle Debatte

Im Workshop "Zugänge gestalten statt Daten verschalten!" soll eine Resolution zur aktuellen Gefährderdebatte und zur zunehmenden Erfassung psychisch auffälliger Menschen erarbeitet werden. Aus Sicht der Betroffenenbewegung geht es dabei um eine grundlegende Frage: Werden Menschen in psychischen Krisen als hilfebedürftige Menschen gesehen oder zunehmend als potenzielles Sicherheitsrisiko? Wer psychiatrische Unterstützung benötigt, darf nicht auf seine Diagnose oder ein Gefährdungspotenzial reduziert werden. Unterstützung, Teilhabe und Menschenrechte müssen im Mittelpunkt bleiben, heißt es in der Ankündigung der Tagung.

Betroffenenstimme aus Rheinland-Pfalz

Wie sich der zunehmende Druck auf die Sozialpsychiatrie aus Sicht der Betroffenen auswirkt, thematisiert Robert Jacobs, Psychiatrie-Erfahrener, EX-IN-Genesungsbegleiter und Vorsitzender des Landesnetzwerks Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener Rheinland-Pfalz, in seinem Beitrag "Unter Druck. Sozialpsychiatrie aus Betroffenensicht". Damit bringt er eine Perspektive in die Tagung ein, die in der Diskussion über Strukturen, Finanzierung und Versorgung nicht fehlen darf. Eine aktuelle Stellungnahme des Landesnetzwerks zum Sparzwang im SGB IX gibt's unter folgendem Link: https://shpe-rlp.de/sparzwang-im-sgb-ix.html

Die Erfahrungen von Psychiatrie-Erfahrenen zeigen, wo Unterstützung aus Sicht der Betroffenen gebraucht wird und wo das Hilfesystem an Grenzen stößt. Dazu gehört auch die Frage, wie Hilfe gestaltet werden kann, ohne Menschen auf ihre Erkrankung, eine Diagnose oder ein vermeintliches Gefährdungspotenzial zu reduzieren.

Gleichzeitig erleben Betroffene, dass psychiatrische und psychosoziale Angebote durch Kostendruck und Sparmaßnahmen immer mehr unter Druck geraten. Das bedeutet für sie nicht nur schlechtere Versorgungszahlen, sondern konkret längere Wartezeiten, fehlende Angebote und weniger Möglichkeiten, Unterstützung rechtzeitig zu erhalten.

Es braucht jetzt eine klare Entscheidung für Unterstützung statt Kontrolle. Psychiatrische Versorgung darf nicht kaputtgespart und Menschen in Krisen dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Politik, Kostenträger und Fachwelt sind gefordert, die Perspektive der Betroffenen ernst zu nehmen, bestehende Hilfen zu sichern und die Menschenrechte zum Maßstab ihres Handelns zu machen, heißt es weiter in der Tagungsankündigung. Robert Jacobs sagt: "Wer über die Zukunft der Psychiatrie entscheidet, muss den Menschen zuhören, die diese Psychiatrie selbst erlebt haben."

Link zum Programm der Tagung und zu weiteren Informationen: https://www.dgsp-ev.de/images/allgemein%20Website/JT-2026_Programmheft_web.pdf

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