Menu Close

Bundestag stimmte über NIPT-Monitoring ab – Diakonie fordert ethische Debatte

Logo Diakonie Deutschland - Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
Logo Diakonie Deutschland - Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
Foto: Diakonie Deutschland - Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.

BERLIN (kobinet)

Der Bundestag stimmte am 8. Oktober 2026 über einen fraktionsübergreifenden Antrag ab, der die Einrichtung eines umfassenden Monitorings des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) vorsieht. Die Bundesregierung soll die Ergebnisse bis spätestens Ende Juni 2027 vorlegen. Zudem soll ein interdisziplinäres Expertengremium aus Medizin, Ethik und Recht die Grundlagen der Kassenzulassung prüfen und Empfehlungen für eine rechtssichere und ethisch verantwortliche Weiterentwicklung erarbeiten.

Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, betont: "Wir brauchen dringend eine ernsthafte gesellschaftliche Debatte darüber, was es bedeutet, wenn ein Pränataltest faktisch zu einem Screeningtest für alle Schwangeren wird. Der Antrag liefert dafür die notwendige Grundlage. Doch es geht hier nicht nur um Daten. Der Beschluss schafft Raum für eine ethische Debatte. Und es ist entscheidend, was wir daraus machen. Aus der Evaluation müssen Handlungsempfehlungen folgen. Dabei kommt es auf zwei Punkte an: die Wahlfreiheit werdender Eltern schützen und die gesellschaftliche Anerkennung von Menschen mit Behinderungen. Deshalb muss es zugleich darum gehen, Familien mit Kindern mit Behinderungen konkret zu unterstützen und ihre Lebensbedingungen spürbar zu verbessern."

Die Diakonie Deutschland begleitet werdende Eltern in über 300 Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, darunter auch zur Beratung zu vorgeburtlichen Untersuchungen, auffälligen Befunden und medizinisch begründeten Spätabbrüchen.

Der NIPT ist ein Suchverfahren, das mittels einer Blutprobe der Schwangeren das Risiko für Trisomie 13, 18 und 21 früh in der Schwangerschaft bestimmen kann. Seit Juli 2022 ist der Test unter bestimmten Voraussetzungen eine Kassenleistung. Laut Daten der BARMER nahm 2024 durchschnittlich fast die Hälfte der Schwangeren den NIPT in Anspruch, 2023 waren es noch 32 Prozent. Die Inanspruchnahmeraten variieren stark nach Alter: von etwa 25 Prozent bei unter 26-Jährigen bis zu 75 Prozent bei über 40-Jährigen. Damit sei der Test faktisch zu einem Screeningtest geworden, so die Diakonie.

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
0
Wir würden gerne Ihre Meinung lesen, schreiben Sie einen Leserbrief!x