Menu Close

Zahl der Frauenhäuser mit barrierefreien Plätzen deutlich gestiegen

Junge Frau mit schulterlangen Haaren im dunklem Kleid links hockt neben einer blonden Frau mit schulderlangen blonden Haaren in roter Jacke und Heller Hose, die im Rollstuhl sitzt
Ministerin Verena Schäffer (links) mit Netzwerk-Sprecherin Claudia Seipelt -Holtmann
Foto: NetzwerkBüro

DÜSSELDORF / MÜNSTER (kobinet) Im Rahmen eines größeren Austauschs zwischen Ministerin Verena Schäffer, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, und Vertreterinnen des Gewalthilfesystems in NRW hat das Netzwerk Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung NRW die Situation von Frauen und Mädchen mit Behinderung im Gewaltschutz thematisiert. Im Mittelpunkt stand die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes (GewHG), zu dem derzeit auf Landesebene ein Ausführungsgesetz erarbeitet wird. Aktuell läuft dazu die Verbändeanhörung.Für das Netzwerk ist klar: Die kommenden politischen Entscheidungen werden darüber mitentscheiden, ob Frauen und Mädchen mit Behinderung künftig tatsächlich gleichberechtigten Zugang zu Schutz und Unterstützung erhalten.Seit Jahren verfolgt das Netzwerk die Entwicklung barrierefreier Frauenhausangebote in Nordrhein-Westfalen und überprüft regelmäßig die Situation vor Ort. Die aktuelle Recherche zeigt dabei auch eine ermutigende Entwicklung.

Nach einer Recherche des NetzwerkBüros gibt es aktuell 21 Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen, die barrierefreie Plätze ausweisen. Damit ist die Zahl der entsprechenden Angebote in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Die Karte des NRW-Infoportals https://frauen-info-netz.de/ macht allerdings auch deutlich, dass diese Plätze regional sehr ungleich verteilt sind. Allein im Umkreis von 100 Kilometern um Münster werden inzwischen 18 Frauenhäuser mit barrierefreien Plätzen ausgewiesen – doppelt so viele wie 2024. In anderen Regionen Nordrhein-Westfalens gibt es dagegen weiterhin kaum erreichbare Schutzangebote für Frauen mit Behinderung.

Auch die Frage nach tatsächlich verfügbaren Plätzen bleibt drängend. Am Tag vor dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai hat das NetzwerkBüro zusätzlich recherchiert, wie viele freie barrierefreie Plätze in Frauenhäusern konkret verfügbar waren. Das Ergebnis zeigt zwar ebenfalls eine Verdopplung – von einem auf zwei freie Plätze. Zugleich macht diese Zahl deutlich, wie groß die Versorgungslücken weiterhin sind.

Für viele Frauen mit Behinderung ist das mehr als nur eine Statistik. Hinter jedem zusätzlich zugänglichen Schutzangebot steht die Möglichkeit, Gewalt zu entkommen und Unterstützung zu finden.

Die Recherche zeigt jedoch auch, dass zwischen der Ausweisung eines barrierefreien Platzes und einer tatsächlich umfassenden Barrierefreiheit weiterhin große Unterschiede bestehen. Viele Frauenhäuser machen nur unzureichende Angaben zu ihren konkreten Unterstützungsangeboten. Informationen zu rollstuhlgerechten Zugängen, barrierefreien Sanitäranlagen, Angeboten für gehörlose Frauen, digitaler Barrierefreiheit oder dazu, ob Frauen mit Pflege- oder Assistenzbedarf aufgenommen und unterstützt werden können, fehlen häufig oder bleiben unklar. Für betroffene Frauen bedeutet das zusätzliche Unsicherheit in einer ohnehin existenziellen Krisensituation.

Besonders wichtig ist aus Sicht des Netzwerks deshalb die derzeit im Auftrag der Landesregierung laufende Bedarfsanalyse. Die Ergebnisse, die Ende des Jahres erwartet werden, sollen die Grundlage für die vom Gewalthilfegesetz geforderte Entwicklungsplanung im Gewaltschutzsystem bilden. Aus Sicht des Netzwerks entscheidet sich hier, ob Barrierefreiheit künftig verbindlich und flächendeckend mitgedacht wird.

Das Netzwerk fordert deshalb, Barrierefreiheit von Anfang an als festen Bestandteil der Entwicklungsplanung zu verankern – nicht als Zusatz, sondern als Voraussetzung für gleichberechtigten Gewaltschutz.