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Streichung von Disability-Studies-Professur in Köln: Fachgemeinschaft spricht von gravierendem Rückschritt

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Foto: campact

Köln (kobinet) Am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen, dem 3. Dezember 2025, hat die Humanwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln bekanntgegeben, den Forschungs- und Lehrbereich "Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability Studies" und die zugehörige Professur sowie damit verbunden die Internationale Forschungsstelle Disability Studies (iDiS) 2026 vollständig zu streichen. Die Entscheidung erfolgte unter anderem im Zuge der aktuellen Sparauflagen des Landes Nordrhein-Westfalen. Dr. Bertold Scharf, Vorstandsmitglied des Vereins Disability Studies Deutschland (DSD), kritisiert die Entscheidung der Universität zu Köln deutlich.

„Die 2004 gegründete Internationale Forschungsstelle Disability Studies in Köln gilt als eine der wichtigsten Einrichtungen für Disability Studies im deutschsprachigen Raum. Es handelt sich um die erste und einmalige Universitätsprofessur in Deutschland. An ihr entstanden grundlegende Publikationen – darunter ein interdisziplinäres Handbuch, verschiedene Lehrwerke, programmatische Texte sowie von der DFG und EU geförderte Forschungsprojekte. Der Kölner Ansatz verbindet Sozial- und Kulturwissenschaften zu einem international sichtbaren Profil. Disability Studies bieten ein kritisches Korrektiv zu etablierter ‚Behinderungsforschung‘. Dabei liefern sie grundlegende Theorien zum Verhältnis von Behinderung und Normalität“, heißt es in einer Presseinformation des Verein Disability Studies Deutschland. Bis 2024 wurde die Professur von Prof. Dr. Anne Waldschmidt vertreten, die maßgeblich zur Etablierung und Weiterentwicklung der Disability Studies in Deutschland beitrug.

Dr. Bertold Scharf, Vorstandsmitglied des Vereins DSD, kritisiert die Entscheidung der Universität zu Köln deutlich: „Die Streichung des Forschungs- und Lehrbereichs ist ein gravierender Rückschritt und reiht sich ein in eine bundesweite Entwicklung. Zum Ende des Jahren 2025 wird ebenfalls das ZeDiSplus (Zentrum für Disability Studies und Teilhabeforschung) in Hamburg geschlossen. Die Bedeutung der Disability Studies für Wissenschaft und Gesellschaft wird von der Universität zu Köln verkannt. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden gesellschaftlichen Backlashs erscheint dies alamierend. Bereits im Sommer 2025 haben wir dem Rektorat und der Fakultätsleitung eine Petition mit der Forderung übermittelt, diesen Bereich zu erhalten. Mit der Schließung verschwinden die Inhalte der Disability Studies aus Lehre und Forschung – und damit auch die Möglichkeit, in diesem Feld zu promovieren.“

Zur bevorstehenden Schließung erklärte Dr. Sarah Karim, Vertretungsprofessorin für Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability Studies an der Universität zu Köln: „Die Kölner Heil- und Sonderpädagogik hat sich gegen die Soziologie als Grundlagenwissenschaft und explizit für die Stärkung der sonderpädagogischen Förderschwerpunkte entschieden. Die Disability Studies sollen nun als Querschnittsthema überall mitlaufen. Wenn wir die Grundforderung der Disability Studies ‚Behinderung anders denken‘ erst nehmen, das heißt grundlagentheoretisch und nicht anwendungs- und interventionsorientiert zu lehren und zu forschen, ist mir schleierhaft, wie das nebenher funktionieren soll.“

Gudrun Kellermann, ebenfalls Vorstandsmitglied vom Verein DSD, betont: „Die renommierte Arbeit, die Prof. Anne Waldschmidt über zwei Jahrzehnte hinweg an der Forschungsstelle geleistet hat, ist und war für den Aufbau der Disability Studies im deutschsprachigen Raum unverzichtbar. Ihre zahlreichen, vielfach zitierten Publikationen und Forschungsprojekte haben die Disability Studies theoretisch entscheidend geprägt und international sichtbar gemacht.“ Und sie ergänzt: „Was es jetzt braucht, ist ein klarer und öffentlicher Widerspruch – von Studierenden, Mitarbeitenden und der gesamten Hochschulgemeinschaft – gegen die Entscheidung der Fakultätsgremien. Mit Blick auf die Zukunft benötigen die Disability Studies eine feste strukturelle und unabhängige Verankerung in den Sozial- und Kulturwissenschaften mit einem eigenen Studiengang und Lehrangeboten – beispielsweise nach dem Vorbild der Universität Leeds.“