
Foto: Pride Parade Berlin
Berlin (kobinet) "Wir sind behinderte und verrückte Menschen. Wir machen am 13. Juli unsere Pride Parade. Dieses Jahr ist unser Motto 'behindert + verrückt + solidarisch feiern'. Die Pride Parade gibt es dieses Jahr zum 11. Mal. Wir gehen und humpeln und rollen für unsere Rechte auf die Straße. Bei der Parade sind auch Unterstützer*innen dabei. Los geht es um 15 Uhr an der Hasenheide/Jahnstraße. Von dort wird dann zum Kottbusser Tor getanzt", heißt es in der Ankündigung der diesjährigen Pride Parade, die am 13. Juli in Berlin stattfindet.
„Vor 15 Jahren hat Deutschland die UN-Behinderten•rechts•konvention unterzeichnet. Die UN-Behinderten•rechts•konvention sagt: Die Menschen•rechte gelten auch für Menschen mit Behinderung. Im letzten Jahr gab es die zweite Staaten•prüfung. Da hat die UN geprüft, wie das mit den Menschen•rechten von Menschen mit Behinderung in Deutschland ist. UN ist Englisch. Das ist eine Abkürzung für die englischen Wörter: United Nations. Auf Deutsch heißt das: Vereinte Nationen. Bei den Vereinten Nationen sind viele Länder dabei. Die UN sagt: Deutschland muss mehr für die Menschen•rechte von Menschen mit Behinderung machen. Wir machen die Parade. Weil wir auch sagen: Deutschland muss mehr für unsere Menschen•rechte machen!“ So heißt es in der Presseinformation zur Pride Parade in Einfacher Sprache.
Und weiter heißt es in der Presseinformation in Einfacher Sprache:
„Wir sagen: Kinder mit Behinderung sollen mit allen anderen Kindern zur Schule gehen! Menschen mit Behinderung sollen eine Ausbildung machen können!
Wir sagen: Die Menschen mit Behinderung, die arbeiten können, sollen überall mitarbeiten können! In bezahlter und in ehrenamtlicher Arbeit und nicht nur in Werkstätten! Dazu brauchen wir einen Abbau von vielen Barrieren! Wir wollen uns aussuchen, wo wir arbeiten! Wir wollen genauso viel Geld für unsere bezahlte Arbeit bekommen wie Menschen ohne Behinderung.
Wir sagen: Wer keinen Job hat, ist auch ein Mensch und hat Menschen•rechte. Viele Menschen ohne Job oder mit kleinem Job bekommen Geld vom Staat. Das Geld heißt: Bürger•geld. Der Staat will auch behinderte und verrückte Menschen im Bürgergeld zwingen. Zu Zwangs•gesprächen, Zwangs•maßnahmen und sinnlosen Bewerbungen. Gerade viele Behinderte und Verrückte brauchen auch mal ihre Ruhe. Und sie brauchen dann auch Geld. Zum Beispiel für Essen. Auch wenn sie mal ein Papier nicht einreichen oder auf zwei Job•angebote nicht reagieren. Der Staat streicht ihnen dann das Geld. Sogar das Geld für Essen. Wir sagen: Das verstößt gegen die Menschen•rechte!
Wir sagen: Behinderte und verrückte Menschen wissen grundsätzlich selbst am besten: Ob, wie viel oder wo sie arbeiten können. Und welche medizinischen Behandlungen ihnen gut tun. Auch, wenn sie Sozial•leistungen brauchen, das heißt Geld vom Staat. Zum Beispiel Kranken•geld, Bürger•geld oder Grund•sicherung. Der Staat und manche Ärzt*innen wollen das von oben bestimmen. Wir sagen: Wir sind schlau genug und wollen Selbstbestimmung!
Wir sagen: Wir wollen keine Barrieren bei der Gesundheit! Wir wollen barrierefreie Arzt•praxen!
Wir sagen: Verrückte Menschen dürfen nicht eingesperrt werden! Verrückte Menschen sollen selbst entscheiden, ob sie Medikamente nehmen! Verrückten Menschen und Menschen mit Behinderung darf keine Gewalt in Kranken•häusern angetan werden!
Wir sagen: Wir wollen überall sicher vor Gewalt sein! Menschen mit Behinderung und verrückte Menschen müssen vor Gewalt geschützt sein! Alle Menschen müssen überall vor Gewalt geschützt sein! Gewalt ist keine Lösung!
Wir sagen: Wir wollen selbst entscheiden, wo wir wohnen!
Wir sagen: Wir lassen uns nicht aus der Gesellschaft drängen! Wir wollen auch über unser Leben bestimmen! Wir wollen Respekt! Wir wollen teilhaben an der Gesellschaft! Inklusion ist ein Menschen•recht!
Wir sagen: Wir wollen die Parade solidarisch machen. Solidarisch heißt: Wir denken an andere Menschen, von denen die Rechte auch verletzt werden. Bei anderen Menschen werden auch Menschen•rechte verletzt. Zum Beispiel bei geflüchteten Menschen. Oder auch bei Menschen mit Behinderung und verrückten Menschen in anderen Ländern. Deshalb sagen wir: Wir wollen die Parade solidarisch machen.
Am Ende der Parade machen wir eine Kund•gebung. Da gibt es einen Negativ-Preis. Mit einem Negativ-Preis kritisiert man etwas. Den Negativ-Preis bekommen Unternehmen, Institutionen oder Gesetze, die behinderte und verrückte Menschen besonders ausgrenzen und benachteiligen. Der Negativ-Preis heißt Glitzer-Krücke.
Die Pride Parade machen behinderten•politische, psychiatrie•kritische, feministische und queere Einzel•personen. Dafür machen die Einzel•personen ein Bündnis.“




