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Etwas von allem, nur nicht Krieg oder was ich mir vom Neuen Jahr wünsche

leichte Wolken über dem noch dunklen Horizont mit Bäumen beim Sonnenaufgang
Wolken am Morgenhimmel
Foto: Hans-Willi Weis

Staufen (kobinet) Immer weniger eignen sich Jahresanfänge, also Neujahre, für wirklich gute Wunschkonzerte. Sie bieten sich deshalb nicht länger dafür an, weil sie sich als Überbringer von Hiobsbotschaften eher fürs Gegenteil eigneten. So gelange ich zu meiner Kompromissformel bezüglich einer diesjährigen Wunschliste: von allem etwas, nur kein Krieg. Was schon einigermaßen irritieren mag, denn den Krieg haben wir längst. Mein Unterlassungswunsch, nicht Krieg, bittet also darum, das kommende Jahr möge uns die Gnade gewähren, uns nicht mit noch mehr davon zu beunglücken.

Schmiede unseres eigenen Unglücks

Aber so ist es doch gar nicht, höre ich da eine Kinderstimme rufen: Der Schicksalskönig namens Neues Jahr ist nackt! Oder um es in Anlehnung an ein anderes Märchen zu sagen: Hinter den Gegenwartsbergen bei den sieben Zukunftszwergen sitzt doch gar kein Schicksalsgnom, der uns alljährlich alle möglichen Plagen an den Hals hext und jetzt auch noch die Bestie Krieg auf uns losgelassen hat. Diese Story ist eine einzige Ablenkungs- und Entlastungserzählung von der bitteren Wahrheit, dass wir selber die Schmiede unseres Unglücks sind. Nicht im luftleeren Raum, sondern unter den Umständen eines bereits zuvor geschmiedeten Unglücks.

Wer ist wir? Damit es sich nicht in den Nebel der Abstraktion verflüchtigt oder zu Ideologiezwecken missbraucht wird, muss man das Wir konkretisieren und das heißt pluralisieren. Unter der Vielzahl der Unglücksschmiede muss sich jeder und jede von uns jeweils der eigenen sozialen und politischen Standortgruppe zuordnen und zuordnen lassen.

Die eigene Wir-Perspektive im Unterschied zu anderen kenntlich machen. Und von welchem Ort aus spreche ich, der Kolumnist? Mein größeres Wir sind die intellektuellen Schreiber in Journalismus, Medien, Thinktanks, Wissenschaft und Kultur. Hier tummeln sich meine Schmiede-Kolleginnen und Kollegen. Unter denen ich zu meinem Entsetzen mehr und mehr Unglücksschmiede am Werk sehe. Und schier fassungslos bin, wie die auf einmal über Krieg schreiben und reden. Schon seit zwei Jahren und ich fürchte, im neuen Jahr wirds nicht besser.

Die Kriegsherren selber, die Putins, Selenskyjs, Netanjahus und wie sie alle heißen, kann ich da beiseite lassen, ist nicht meine Liga. Ich beschränke mich auf ihre intellektuellen Dolmetscher und Kommentatoren. Sie sind die geistigen oder ideologischen Unglücksschmiede, die politikbegleitend uns Medienkonsumenten, dem Volk, das auf die politisch propagierte Zeitenwende zugeschnittene bellizistische Mindset verpassen möchten. Und dabei umgekehrt Leuten wie mir vorhalten, als Unglücksbringer unterwegs zu sein, mit unserem „naiven“ Pazifismus. Dessen Wehruntüchtigkeit ein echtes Sicherheitsrisiko darstelle, weil er, der Pazifismus, einen Gegner, einen Feind, regelrecht dazu einlade militärisch zuzuschlagen. Da ich dem bereits in meinen vorangehenden Kolumnen widersprochen habe, lasse ich es jetzt einfach mal so stehen, mittlerweile hält man ja so manches aus.

Intellektuelle Peers führen vor, was es heißt, sich mental „warmlaufen“ für den Krieg

Außer dem realen weltpolitischen Ungemach auch dessen propagandistische Begleitmusik ertragen müssen, die Verlautbarungen aus dem ideologischen Überbau und deren gedanklichen Aberwitz – um an alledem nicht zu verzweifeln, hilft es mir, ab und an einer intellektuellen Stimme zu begegnen, deren Worten ich entnehme, dass der oder die Betreffende ähnlich denkt und empfindet. Handelt es sich überdies um die auch öffentlich respektierte Person eines Büchner-Preisträgers, umso besser. In Arnold Stadlers „Irgendwo. Aber am Meer“ – sein Romantitel hat meiner Kolumnenüberschrift „Etwas von allem, nur nicht Krieg“ sprachfigürlich Modell gestanden – bin ich auf ein geistesverwandtes Kopfschütteln gestoßen über die intellektuellen MobilmacherInnen in den Medien, die es mit den ihnen zu Gebote stehenden rhetorischen Mitteln darauf anlegen, uns alle in ihr gedankliches Hasardeurspiel hineinzuziehen. Und mithin bei allen die Hemmschwelle zum politischen Abenteurertum zu senken.

Im lakonischen Stil seiner literarischen Notate hält Arnold Stadler rückblickend unter anderem fest, wie sich ihm die Welt nach der proklamierten Zeitenwende darstellt. „Und nun war Krieg … Manche Menschen machte nun das Wort Waffen glücklich.“ Von sich wisse er nicht viel, „aber so viel schon, dass mich Wörter wie schwere Waffen und Haubitzen nicht glücklicher machen“. Irritiert nimmt er zur Kenntnis: „Die schnellen Medienexistenzen legten in den Talkshows nach einem ersten Satz, der Betroffenheit simulierte, los und redeten dann über den Krieg wie über ein Fußballspiel, das in jedem Fall gewonnen oder verloren werden konnte.“ Und morgens war als erstes Wort aus dem Radio zu hören, „Druck machen und muss jetzt liefern“.

Mit seismographischem Gespür für öffentlich zelebrierte Sprachspiele, deren die Hirne entweder euphorisierendes oder chloroformierendes Wording, registriert Stadler eine tektonische Verschiebung der politischen Sprach- und Denkformationen hierzulande. Und gestattet sich en passant einen flüchtigen Blick in anthropologische Abgründe. Etwa den des „homo necans“, verständlicher gesprochen des Killermenschen, wie er derzeit wieder verstärkt nachgefragt wird für den Dienst an der Front. Für die Drecksarbeit in den Schützengräben, in denen unsere Wertefreiheit künftig wieder verteidigt werden muss.Weil Stadlers auch immer wieder in die eigene lebensgeschichtliche Vergangenheit vagabundierenden Assoziationen so unangestrengt politisch inkorrekt und eigensinnig daherkommen und mir eine echte Hilfe sind, mich mit dem Schicksal eines politisch verschrobenen Alten anzufreunden, überlasse ich seiner Erzählerstimme drei kurze Absätze lang das Wort.

Originalton Stadler:

Und dann das Wort „eindringen“ in Kriegszeiten. Der Krieg verlieh Flügel. Töten, vergewaltigen – und andere Formen der Kommunikation … Mitmischen wollen … nicht zu vergessen die merkantilen Interessen des Westens … Und auch ein wenig so, als wären nun wieder die Jakobiner am Ruder. Eine Hochzeit des „homo necans“, der mir sein Treiben als Idealismus im Kampf für die Menschenrechte verkaufen wollte.
Es war nicht Dazugehörigkeitsverlangen, sondern Wille zur Macht. Bei all jenen, in deren Rudel ich hineingezwungen war von Anfang an, von der ersten Runde zum Warmlaufen in der Turnhalle an.
Diese Leute aus der Turnhallenzeit meines Lebens waren jene, die nun „Druck machen“ und „muss jetzt liefern“ als ihre Hauptwörter im Sprachbesteck hatten, waren jene (zweifellos jene, die Darwin mit seinem „Struggle for Life“ und „Survival of the Fittest“ bestätigten), die nun auf den Sicherheitskonferenzen herumsaßen, in den Bundestagen und ihren Ausschüssen und Gremien und Talkshows, das große Alphagetier des Lebens. In ihrem utilitaristischen Lebensentwurf. Die keinerlei Probleme mit dem Wort „warmlaufen“ hatten, denen nicht ein einziges Mal der Verdacht gekommen war, dass mit diesem Wort etwas nicht stimmte. Sie dachten wohl eher, dass mit mir etwas nicht stimmte. (Irgendwo. Aber am Meer S.146f.)

Wenn Veteranentage, dann auch ein Kriegskrüppeltag

Ja, das sind solche Zumutungen, wie sie nach der militärpolitischen Zeitenwende allenthalben auf uns zu kommen und bei denen friedensverwöhnte Nachkriegskinder wie Arnold Stadler und ich erst einmal schlucken müssen. Dass wir in Deutschland endlich den Veteranentag einführen sollten, andern Orts im Ausland gibt es sie schon lange. Und sobald diese Hürde genommen ist, wird die Wiedereinführung des Heldengedenktags auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. So kehrt dank mutiger Politiker auch bei uns Schritt für Schritt wieder Ordnung ein in die Welt und Anomalien wie längere Friedenszeiten gehören der Vergangenheit an. Eine Welt ohne Krieg ist doch nicht normal, der Krieg (der „polemos“ wie er bei den alten Griechen hieß) ist der Vater aller Dinge, ohne seine Schützenhilfe säßen wir Affen mit Kind und Kegel noch immer auf den Bäumen.

Dass dieser grundvernünftige Realismus spät aber drastisch bei uns Einzug gehalten hat, dafür haben nicht zuletzt meine politisch ehemals geistesverwandten Brüder und Schwestern (großenteils auch GenerationsgenossInnen) aus der grün-alternativen Szene gesorgt. So klärt der geistige Waffenschieber Anton Hofreiter mich und andere Verstockte darüber auf, dass die Grünen die einzigen sind, die „Realität und Humanität“ zur Versöhnung gebracht haben. Und wie sich diese Harmonisierung konkret alltagssprachlich ausdrückt, führt etwa seine Parteifreundin Marie-Luise Beck vom „Zentrum für liberale Moderne“ im Radiointerview vor. Wo sie von der Notwendigkeit für die Ukraine, die Reihen ihrer Soldaten an der Front „wieder auffüllen“ zu müssen, so ungerührt sachlich spricht als rede sie von einem leergekauften Supermarktregal, das frisch aufgefüllt werden muss, mit Büchsenfleisch. Solche Sendungen sollten (liberale Moderne hin oder her) mit einer Triggerwarnung versehen sein für Menschen wie mich, dass sie nicht in einen Schreikrampf verfallen.

„Vom Veggie Day zum Veterans Day oder die unheimliche Wandlungsflexibilität der grünen

Parteiseele“ wäre mein Titelvorschlag für eine parteigeschichtliche Heldensaga, deren jüngste Staffel soeben in Echtzeit gedreht wird. Die parteipolitisch ungebundenen Flüsterstimmen der Souffleure und Souffleusen aus den akademischen Thinktanks stoßen durch die Bank ins selbe Horn. Bloß ist ihr Technokratensprech meist eine Spur zynischer. Der Strategieexperte Gustav Gressel vom „Europeen Council on Foreign Relations“ verweist als Erklärung für das „allzu langsame Vorangehen“ der ukrainischen Gegenoffensive auf den militärisch rationalen Einsatz nur begrenzt zur Verfügung stehender Mittel, den „ressourcenschonenden Verbrauch von Material und Menschen“. – Nichtsdestoweniger werden Material und Menschen verschlissen, einschließlich der Menschen und Materialien, die gar nicht direkt auf dem Gefechtsfeld zum Einsatz kommen. Weshalb ich eben in vorauseilendem Gehorsam auch für uns hier neben dem Veteranentag die sofortige Einführung eines Kriegskrüppeltags fordere.

Wie viele an Leib und Seele Kriegsverkrüppelte auch uns im Ernstfall ins Haus stehen – wodurch wir Behinderte immer mehr werden, ohne uns doch recht darüber freuen zu können –, dies illustriert folgende Passage aus der Ukraineberichterstattung des Deutschlandfunks: „Das Gesundheitswesen ist überfordert mit der Rehabilitation der vielen verwundeten Soldaten, sagt die Psychotherapeutin Alina Salnikowa in Kiew. Nach ihrer Erfahrung mangelt es nicht nur an Behandlungsplätzen, sondern auch an geeigneten Therapeuten. Die wenigsten Therapeuten sind nach modernen Standards ausgebildet, sagt Salnikowa, deshalb werden die meisten Soldaten mit den Depressionen und den Selbstmordgedanken, der posttraumatischen Belastungsstörung allein gelassen. Sie befürchtet, dass Gewalt, auch häusliche Gewalt, zunehmen wird. Dass viel mehr Menschen in der Ukraine Depressionen und Drogenabhängigkeit entwickeln, auch sehr viel mehr sich das Leben nehmen könnten. Letztlich, sagt die Psychologin, könnten unbehandelte seelische Folgen des Krieges sich auf die ganze Bevölkerung auswirken. Sie befürchtet eine deprimierte, ängstliche, aggressive Gesellschaft, die den Krieg und seine Folgen verdrängt. Egal wie der Krieg gegen die russischen Angreifer ausgeht, möglicherweise werden Generationen Kriegstraumatisierter die Ukraine künftig prägen.“

Krieg bei der Geburt und am Ende des Lebens wieder Krieg

Geboren noch im letzten Krieg, ist gegen Ende dieses Lebens, nach einer mehr als acht Jahrzehnte währenden Lebenszeit, nun abermals Krieg. So könnte es Menschen ergehen, die im 20.Jahrhundert zur Zeit des Zweiten Weltkriegs geboren wurden und nach einem langen Leben während einer siebzig jährigen europäischen Friedensperiode im 21. Jahrhundert ihrem Lebensende unter Bedingungen abermaliger Kriegszeiten entgegengehen. So wie es sich für den schmerzlich desillusionierten Verleger und Schriftsteller Michael Krüger in seinem achtzigsten Lebensjahr darstellt: „Es ist auf der einen Seite seltsam, in einem Krieg geboren worden zu sein … was einen an der Wurzel gewissermaßen geprägt hat und der Vorstellung, in einem Krieg zu sterben.“ Wenn er jetzt auf die Welt schaue, sehe er, „dass sich diese großen Brände vervielfältigen, wir auf einem Pulverfass sitzen“. Seine Generation habe gedacht, „dass der Faschismus vorbei ist und dazu gehörte auch der Antisemitismus“. Und er hätte nie gedacht, dass zu seiner Lebenszeit noch einmal Menschen auf der Straße stehen und „Tod den Israelis“ rufen (auf SWR2 am 26.11.2023).

Heute, da diese Kolumne erscheint, ist der 1. Januar 2024. Und morgen, am 2. Januar, mein dreiundsiebzigster Geburtstag. Ich bin also kein Kriegskind. Was im Jahr meiner Geburt gerade einmal fünfeinhalb Jahre zurücklag, Weltkrieg, Zivilisationsbruch, eine „Barbarei biblischen Ausmaßes“ (eine Wortzusammenstellung wie sie neulich im Radio zu hören war), von alle dem hatte ich als Kind keine Vorstellung. Ich wuchs in glücklicher Unwissenheit all dieser schrecklichen Dinge auf. Bei schönem Wetter spielte ich draußen im Garten, unter einem blauen Himmel, auf den die Düsenjäger ihre schneeweißen Kondensstreifen zeichneten. Und war quengelig an Schlechtwettertagen, wenn ich trotz Gummistiefel nicht nach draußen in den Matsch durfte. Kurzum, was bin ich doch für ein Glückspilz gewesen, just zu dieser Zeit an diesem Ort geboren zu sein (und Glückspilze waren natürlich auch meine Generationsgenossen). Während meiner kindlichen Nullerjahre (eigentlich noch bis zur Kuba-Krise 1962) nahm ich nichts wahr vom Schatten atomarer Bedrohung, der sich damals über sämtlichen Himmeln ausbreitete, den sommersonnenblauen ebenso wie den regentrüben.

Auch andere Anzeichen möglichen Unheils verstand ich als Kind gänzlich anders. Einer Kindheit in ereignisarmer Provinz boten die Panzerhaubitzen, die auf ihrer Fahrt zum Truppenübungsplatz nach Baumholder beinahe täglich an unserem Haus vorüber rasselten, eine willkommene Abwechslung und Aufregung. Dies änderte sich mit dem Erwachsenwerden, konkret mit der Beat-Musik, den Pilzköpfen, Nachrichten über den Vietnamkrieg und studentischen Protesten dagegen, schließlich Willy Brandts Entspannungspolitik. Und nach einer nochmaligen Zuspitzung des Wettrüstens in den 1980-er Jahren (Nato-Nachrüstungsbeschluss etc.) schließlich Gorbatschows Beitrag zur Beendigung des Kalten Kriegs und zu guter Letzt der Öffnung des Eisernen Vorhangs, dem Fall der Berliner Mauer.

Wer bloß hat in der Zwischenzeit dieses kostbare Entspannungs- und Friedensporzellan zerschlagen? Dass Putin der alleinige Elefant im Porzellanladen gewesen sein soll, leuchtet mir nicht ein. Doch wie gesagt, die PolitikerInnen-Riege lasse ich an dieser Stelle mal außer Betracht. Mir geben diejenigen meiner intellektuellen Peers Rätsel auf, die in ihrem von der Zeitenwende-Doktrin befeuerten Kriegsertüchtigungsfuror geradezu lustvoll die Restbestände dieses Porzellan zerkloppen. – Als Pubertierender auf dem Weg ins Erwachsenenalter war ich um die Mitte der 1960-er Jahre froh, meine kindlich unwissende Freude an Panzerhaubitzen und deren Kriegsspiel vor unserer Haustür und in der weiteren Umgebung glücklich hinter mir zu lassen. Und hinter dieses Erwachsenenstadium möchte ich nicht wieder zurückfallen. Seit Sommer 2022 werden an der Artillerie-Schule der Bundeswehr in Idar-Oberstein (nur wenige Kilometer entfernt von meinem Elternhaus) ukrainische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet. Dass die herrschende Politik bei uns und die sie unterstützende journalistische und intellektuelle Meinungselite dazu meinen staatsbürgerlichen Segen erwarten, kommt für mich einer Aufforderung zur nicht nur lebensgeschichtlichen, sondern geistigen und zivilisatorischen Regression gleich, der Anstiftung zum Kindisch-Werden. Ich habe nicht vor, ihnen diesen Gefallen zu tun. Und sollte es so etwas wie Altersinfantilismus geben, so bitte ich nicht nur das jetzige Neujahr, sondern gleich alle mir noch vergönnten Jahre darum, diesen lächerlichen Kelch an mir vorüber gehen zu lassen.

Zwei Hörtipps

„Irgendwo. Aber am Meer“ ist Arnold Stadlers wunderbar leichtfüßiger, ironisch abgefederter Versuch, sich im Medium der Sprache und der Literatur vor den Zumutungen der Zeitläufte an einen ihnen minder ausgesetzten Ort zu flüchten. Von den durchweg begeisterten Rezensionen hier die des Literaturkritikers Ulrich Rüdenauer.
https://www1.wdr.de/kultur/buecher/stadler-irgendwo-aber-am-meer-106.html

Und noch eine Peer ist mir beim Radiohören über den Weg gelaufen, bei der ich Anklänge einer mir verwandten Realitätseinschätzung unserer Gegenwartsverhältnisse heraushöre. In den „Querköpfen“ des Deutschlandfunk (Sendung von 27.12.2023) erläuterte die nicht unbekannte Schauspielerin und Kabarettistin Christine Prayon (besser bekannt als Birte Schneider, der Außenreporterin der ZDF-Heute-Show) von einem quasi funktionslos bzw. überflüssig gewordenen Kabarett. In dem sie eine Analogie zum immer herrschaftskonformeren Mainstream-Journalismus erblickt. Wobei sie sich von der Böhmermann-Truppe mit Zuspitzungen verabschiedet, die dem der Zeitenwende geopferten radikal kritischen Kabarett alle Ehre machen: wie z.B. „ … sollen wir uns darüber aufregen, dass sich Ost- und Westoligarchen ein kleines Land ausgesucht haben, wo sie ihren scheiß kapitalistischen Krieg führen …“ (Dass die Ukraine ein so kleines Land gar nicht ist, sei als unerheblich beiseite gelassen).
https://www.deutschlandfunk.de/querkoepfe-100.html