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Das Stimmungsbarometer zeigt seelischen Tiefdruck an

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sitzt auf einer Bank am Wald
Hans-Willi Weis
Foto: Hans-Willi Weis

Staufen (kobinet) Gedanken zur Kolumne von Roland Frickenhaus vom 21.12.2023
Heim oder nicht Heim, das ist hier die Frage!



Aus dem mir nahe gehenden Text spüre ich Frustration und Wut, vor allem aber eine große Traurigkeit über das vielfach Vergebliche rechtlich zugesicherter Menschenrechtsdeklarationen. Der an sich vielversprechenden gesetzlichen Vorgaben und Erklärungen, dass damit allen Menschen ihre Rechte und ihre Würde garantiert und konkret gewährleistet werde. Wobei es sich dann allerdings herausstellt, dass es sich für einen nicht unerheblichen Teil des Menschheitskollektivs doch nicht so verhält. Dass etwa Behinderte und chronisch Kranke, insbesondere die in Heimen hospitalisierten, zu dieser de facto noch immer in vieler Hinsicht entrechteten und entwürdigten Minderheit zählen. Dass mit der Zeit die Hoffnung und der Glaube schwinden, dass sich an diesem Umstand etwas Wesentliches ändert. Weil es offenbar eine Mehrheitsgesellschaft und eine Mehrheitspolitik gibt, die sich stillschweigend darüber einig sind, dass es generell ihre „Ressourcen“, speziell ihre „Haushaltsmittel“ überfordern würde, jener Benachteiligung und anhaltenden Entwürdigung wirksam Abhilfe zu schaffen.

Ich würde nicht schon von einem politischem Totalitarismus oder gar von einem neuen Faschismus sprechen; den Eintritt in einen dauerhaften gesellschaftlichen und politischen „Krisenmodus“ konstatieren, tut es meines Erachtens zur Genüge. Die Folgen für den allgemeinen Bewusstseinszustand sind übel genug. Dass es beispielsweise jener gesellschaftlichen und politischen Mehrheit zurzeit erforderlich erscheint, Schutz vor Verfolgung und bessere Lebensverhältnisse suchende Familien mit Kindern an den Grenzen Europas in gefängnisgleichen Lagern unterzubringen. Mehr sei eben nicht drin.

Mein Eindruck: Die Behinderteninklusion stagniert an einem kräfte- und machtpolitisch bestimmten De-facto-Limit. Ein derzeitiger Status quo, der, wenn es dumm läuft, nicht einmal gesichert oder erhalten werden kann und der sich damit mittel- bis längerfristig sogar als der Zenit an Inklusion und substanziell realisierten Behindertenrechten erweisen könnte. Auf dem Papier würde dann auch in Zukunft allerlei an uns Behinderten zugesicherten Rechten zu lesen sein, aber der Anteil des davon konkret Umgesetzten wäre gegenüber heute sogar im Schrumpfen begriffen. Anderen Minderheiten könnte es mit ihren Rechten ähnlich ergehen. Aller Aktivismus und alle Kämpfe hätten dann nurmehr den Effekt, dass es nicht noch rascher bergab ginge mit faktischer Gleichstellung und tatsächlicher Inklusion. Kein schöner Ausblick, der sich auch mir aufs Gemüt legt und meine Stimmung am Jahreswechsel eintrübt.