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Lust auf mehr Job-Speed-Datings in Stuttgart

Job-Speed-Dating in Stuttgart am 4.10.23
Job-Speed-Dating in Stuttgart am 4.10.23
Foto: ISL

Stuttgart (kobinet) Das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) in Stuttgart hat sein erstes Job-Speed-Dating für Menschen mit Behinderungen am 4. Oktober 2023 im Generationenhaus Heslach erfolgreich absolviert. Nach der Auswertung der Veranstaltung, die im Rahmen des dreijährigen bundesweiten Projektes "Job-Speed-Dating – gestärkt und inklusiv ins Arbeitsleben“ der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland durchgeführt wurde, lässt hoffen, dass es in Stuttgart nicht bei diesem einmaligen Event bleiben wird. Weitere Job-Speed-Datings werden in Stuttgart also anvisiert.



Das 2004 gegründete ZsL in Stuttgart setzt sich neben seinem Peer-Beratungsangebot von Menschen mit Behinderungen für Menschen mit Behinderungen für einen inklusiven ersten Arbeitsmarkt ein. 24 Teilnehmer*innen mit Behinderungen trafen im Generationenhaus Heslach auf sechs Arbeitgebende. Das Programm war eng getaktet auf jeweils achtminütige Gespräche. Die Basis: unvoreingenommenes Kennenlernen auf neutralem Boden in einladender Umgebung. Das Ziel: nach dem ersten Eindruck und netten, ungezwungenen Gesprächen das Einladen zu einem konkreten Bewerbungsgespräch.

Maria-Victoria Trümper, Projektreferentin des von der Aktion Mensch geförderten Projektes bei der ISL findet: „Die frustrierenden Bewerbungsprozesse von fachlich qualifizierten Menschen mit Behinderungen aller Altersgruppen und Abschlüssen vom Fachpraktiker bis zum Doktortitel, die oft noch nicht mal einen Zugang zu den Bewerbungsgesprächen haben, weil sie im Vorfeld bereits aufgrund ihrer Behinderungen aussortiert werden – das überspringen wir mit dem Job-Speed-Dating ganz bewusst und setzen alle direkt an einen Tisch. Hier in Stuttgart wird wieder mal deutlich, dass das Konzept ganz wunderbar funktioniert und absolut effektiv ist.“

Auch die nachhaltige Wirkung der Veranstaltung müsse betont werden: „Der empowernde Effekt für die Teilnehmer*innen mit Behinderungen ist nur einer von vielen, aber sicherlich mit der wichtigste neben der Tatsache, dass wir hiermit eine deutliche Präsenz von talentierten behinderten Menschen schaffen, die am Job-Speed-Dating-Tag von den zumeist nichtbehinderten Arbeitgebenden nicht übersehen und überhört werden kann. Das kann nur gut für beide Seiten sein!“, betont Maria-Victoria Trümper.

Andreas Lapp-Zens, dessen Brennen für die Idee des Job-Speed-Datings das Format nach Stuttgart gebracht hat, ist ebenfalls positiv überrascht vom reibungslosen, störungsfreien, unaufgeregten Ablauf. Auf die Frage hin, welche Effekte er sich vom Job-Speed-Dating-Event wünscht, sagt er: „Viele Einladungen zu Bewerbungsgesprächen, der Abschluss einiger Verträge für Arbeit, Praktikum, Qualifizierung. Außerdem soll das Job-Speed-Dating nicht nur eine ansteckende Wirkung auf andere bisher zögerliche und eher noch skeptische Arbeitgebende haben, sondern auch eine Verbesserung und Verstetigung der Kooperation mit den Akteuren in der Arbeitsvermittlung hin zur Realisierung eines inklusiven Arbeitsmarktes und bei der Umsetzung des Menschenrechts auf Arbeit sein.“

Das ZsL sieht laut Andreas Lapp-Zens eine feste Zukunft des Job-Speed-Datings in Stuttgart: „Nach der erfolgreichen und von allen Beteiligten positiv bewerteten Premiere haben wir eine gute Chance, das Format dauerhaft in der Region zu etablieren.“ Und noch mehr: Die Evaluation der Veranstaltung hat bereits ergeben, dass alle Arbeitgebenden mit den Teilnehmer*innen nach dem Event im Austausch sind, haben Bewerber*innen entweder bereits zu Bewerbungsgesprächen oder sogar Probearbeiten eingeladen und mögliche Einstellungen in Aussicht gestellt.

Zum Konzept:

Beim Job-Speed-Dating für Menschen mit Behinderungen treffen Arbeitgebende auf behinderte Bewerber*innen mit ihren selbst erstellten Kurzprofilen in kurzen Kennenlern-Gesprächen aufeinander. Bei Interesse verabreden sich beide Parteien auf ein weiterführendes Bewerbungsgespräch. Alle Teilnehmenden werden vorher wertschätzend und menschenrechtsbasiert von der ISL darauf vorbereitet. Bisher wurden seit 2017 durch die Chance auf ein echtes Bewerbungsgespräch ein Viertel der Teilnehmenden in eine Anstellung vermittelt.