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Wenn jemand bei paralympischen Spielen (nicht wirklich) teilnimmt

Portrait von Julia Lippert
Julia Lippert
Foto: privat

Berlin (kobinet) Julia Lippert hat sich in ihrem Kommentar für die kobinet-nachrichten mit einem amerikanischen Politiker befasst, der in Wahlkampfzeiten vorgab, für die Paralympics zu trainieren, aber in Sportkreisen nicht bekannt ist.

Kommentar von Julia Lippert

Die paralympischen Spiele sind Austragungsort von Höchstleistungen im Spitzensportbereich. Um Teilnehmer*in dieses Ereignisses zu sein, sind hartes Training, Disziplin und professionelle Bedingungen Voraussetzung. Auch wenn einem dieser Hochleistungsbetrieb nicht unbedingt sympathisch sein muss und, wie auch im Sportbereich von Menschen ohne Behinderung, stark von den finanziellen Rahmenbedingungen abhängt, gibt es doch viele Menschen, die sich für sportliche Ereignisse interessieren und eine große mediale Aufmerksamkeit für Menschen, die sportliche Spitzenleistungen vollbringen.

Weniger Aufmerksamkeit bekommen sportliche Höchstleistungen behinderter Menschen. Anders kann es nicht zu erklären sein, dass der jüngste Abgeordnete des US-amerikanischen Repräsentantenhauses, ohne aufzufliegen, diverse Instagram-Posts in den Kanal schickt, in denen er behauptet, auf die paralympische Spiele hinzutrainieren. Würde das auch passieren, wenn jemand im Wahlkampf behauptet, er würde für das 400 Meter Rennen der olympischen Spiele trainieren? Würde dies, nicht nachgeprüft durch die Sport-Fachpresse, lange Bestand haben?

Die elitären Sportkreise von Menschen in Rollstühlen in den USA, die das Niveau erreichen, um an paralympischen Spielen teilzunehmen, ist klein (ca. 50 Leute). Die Spitzensportler kennen sich untereinander. Den Republikaner Madison Cawthorn kennt dort keiner. The Nation interviewte mehrere Spitzensportler. Dennoch inszeniert sich dieser zum Beispiel in einem YouTube-Video während des Wahlkampfs, als trainiere er für die Spiele in Tokio 2020. Die verschobenen Spiele 2021 müsse er auf Grund einer Rückenschädigung aufgeben, hieß es dann jüngst. Dass er für die Spiele trainiere, ist rein hypothetisch korrekt, allerdings sei dies, so Amanda McGrory, eine sehr erfolgreiche Teilnehmerin der paralympischen Spiele, als würde ein Kind behaupten, es trainiere für die NBA.

In anderen Posts behauptete Cawthorn, er bereite sich auf bestimmte Sportereignisse vor, von denen allerdings bekannte Sportler der paralympischen Teams, nie gehört haben. Die interviewten Sportler*innen zeigen sich frustriert, dass Behinderung und Sport so wenig Aufmerksamkeit bekommen. In einem gleichen Szenario bei Menschen ohne Behinderung wäre Cawthrons Inszenierung wesentlich schneller aufgeflogen.

Hinzu kommt, dass Cawthron bereits durch andere Falschbehauptungen aufgefallen ist. So sei er angeblich durch seinen Unfall, der ihn vom Becken an lähmte, nicht an der Marineakademie "Naval academy“ angenommen worden. Es stellte sich allerdings heraus, dass er bereits vor dem Unfall abgelehnt wurde.

Sara Luterman, die selbständige Journalistin, die die falschen Behauptungen des 25-Jährigen aufdeckte, ist Autistin und schreibt regelmäßig für The Nation.

Berlin (kobinet) Kategorien Meinung

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/shipqt5