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US-Wahlkrimi: Jede Stimme zählt

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Foto: Franziska Vu - ISL

Kassel (kobinet) kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul verfolgt heute seit 1:00 Uhr morgens nicht zuletzt aufgrund seiner Verbundenheit mit der US-amerikanischen Behindertenbewegung mit Hochspannung die US-Wahl auf CNN. Dabei hat er inzwischen alle emotionalen Höhen und Tiefen durchlebt und kommt wieder einmal zu dem Schluss: "Jede Stimme zählt".

Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

Es wird zwar oft betont, aber die derzeit laufende Auszählung der Stimmen zur US-Wahl zeigen auf's neue sehr anschaulich, dass wirklich jede Stimme bei Wahlen zählt. In einer Reihe von Bundesstaaten kann es am Ende um einige wenige Stimmen gehen, die entscheiden, ob wir weitere vier Jahre allmorgendlich mit haarsträubenden Twitter-Nachrichten eines US-Präsidenten begrüßt, mit abwertenden Statements über Andere heimgesucht und von einem durch Eigeninteressen angetriebenen Egomanen mit einer unsozialen Politik konfrontiert werden, die Auswirkungen weit über die USA hinaus haben.

Natürlich schütteln hierzulande viele angesichts des seltsamen Wahlsystems in den USA den Kopf, bei dem es am Ende nicht darauf ankommt, wer die meisten Stimmen in den gesamten USA bekommt, sondern wie diese sich auf die einzelnen Bundesstaaten aufteilen. Und welch Rolle das große Geld im US-Wahlkampf spielt, gibt ebenfalls viel Anlass zum Nachdenken. Aber auch hierzulande sind wir nicht vor sehr knappen Wahlergebnissen gefeit und schon gar nicht davor, dass populistische Politiker*innen und Parteien an die Macht kommen könnten, die die Menschenwürde mit Füßen treten. Egal wie die US-Wahl genau ausgeht, sie hat gezeigt, wie schnell es gehen kann, dass die Demokratie auf dem Spiel steht und einzelne Personen ein Land an den Abgrund führen können. Seien wir also gewarnt, dass es hier erst gar nicht dazu kommt, dass Menschen, denen man nicht einmal in der Nachbarschaft begegnen will - im Dunkeln schon gar nicht - oder äusserst seltsame Verschwörungstheorien anfeuern politischen Einfluss bekommen. Auch hierzulande zählt also jede Stimme.

Es gäbe noch vieles dazu zu schreiben, aber der Fernseher und die neuesten Umfragewerte erwarten mich. Und das Daumendrücken, vor allem für diejenigen, die sich in der US-amerikanischen Behindertenbewegung und in anderen Bürgerrechtsbewegungen für eine menschliche Politik stark machen, darf auch nicht zu lange ausgesetzt werden, zumal es noch eine Weile dauern könnte, bis die endgültigen Ergebnisse für die Präsidentschaftswahl, den Senat und das Repräsentantenhaus vorliegen und anerkannt sind.

Kassel (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sfnq570

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Reigbert
05.11.2020 00:13

Lieber Herr Miles-Paul,
wieder einmal stimme ich Ihrem Kommentar voll und ganz zu! Mich hat die Berichterstattung über die Wahlen in den USA auch sehr aufgewühlt und beschäftigt. Ich hatte das Glück, schon als 15-Jähriger (1977) alleine nach New York zu fliegen und dort meinen 16. Geburtstag zu feiern. Das war damals etwas ganz besonderes, das mich sehr geprägt hat. Acht Jahre später lernte ich meine Frau kennen, die in den USA aufgewachsen ist, und so folgten viele weitere Besuche im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Dann hörte ich von anderen Menschen mit Behinderung, dass in den USA angeblich alles so herrlich barrierefrei sei. Im Zuge der vielen Hintergrundberichte und Dokumentationen rund um die Wahlen (einschließlich des Films 'Fahrenheit 9/11' von Michael Moore) musste ich mein ehemals positives, rosarotes USA-Bild jetzt leider stark revidieren. Der American Dream wurde zum Albtraum. Ein völlig gespaltenes und zerrissenes Land, Rassismus, Anti-Semitismus, Armut, 30 Millionen Menschen ohne Krankenversicherung, Polizeigewalt gegen Minderheiten, und ein despotischer, narzistischer, psychopathischer Protagonist einer Reality Show ('The Apprentice') als Präsident. Hoffentlich hat der Albtraum bald ein Ende! Jede Stimme zählt!

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