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30 Jahre ISL: Überzeugt, die Welt verändern zu können

Dinah Radtke mit ihrer Hündin Elina
Dinah Radtke mit Hündin Elina
Foto: Medienwerkstatt Franken

Erlangen (kobinet) Der Name Dinah Radtke steht nicht nur für das große Engagement für das Zustandekommen der UN-Behindertenrechtskonvention. Die engagierte Streiterin für die Selbstbestimmung behinderter Menschen war auch Gründungsmitglied und im ersten Vorstand der Interessenvertretung Selbstbstimmt Leben in Deutschland (ISL), die am 19. Oktober 1990 in Erlangen gegründet wurde. In ihrem Statement zu diesem Jubiläum erinnert sich Dinah Radtke vor allem an die wilden Diskussionen in der Gründungsphase der Selbstvertretungsorganisation und betont: "Wir waren überzeugt, dass wir die Welt verändern konnten und das haben wir ja auch ein Stück weit geschafft."



Statement von Dinah Radtke

Ich kann mich noch gut an die Gründung der ISL in Erlangen erinnern. Anwesend waren meiner Erinnerung nach Vertreter:innen der bereits bestehenden Zentren für selbstbestimmtes Leben (ZSLs) aus Bremen, Hamburg, Köln und Kassel und Wolfgang Uhl und ich aus Erlangen, dem jüngsten der damaligen ZSLs. In Bremen und Hamburg wurden zuerst unabhängige Beratungsstellen von behinderten Expert:innen für Menschen mit Behinderungen gegründet, deswegen hatte ihre Meinung bei unseren wilden Diskussionen auch großes Gewicht.“

Diskutiert wurde nicht nur lang und breit der Name unseres Dachverbandes, sondern vor allem auch der Zweck und damit die Satzung. Wir wollten eine politische Interessenvertretung der Zentren mit genügend Durchschlagskraft, um endlich Gleichstellung und Antidiskriminierung für behinderte Menschen in allen Lebensbereichen zu verwirklichen und Sonderwelten abschaffen. Wir wollten aber auch eine Organisation, um uns über Arbeitsinhalte und Beratungsmethoden austauschen zu können. Später 1994 haben wir dann gemeinsam ein Curriculum für die Peer Counseling Ausbildung erarbeitet. 1994 war auch der erste große Erfolg, den wir zusammen mit anderen Verbänden erreicht haben. Die Änderung des Grundgesetzes, Artikel 3, Absatz 3 mit dem Satz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“. Hier haben wir Ottmar Miles-Paul viel zu verdanken.

Bei dem Gründungstreffen haben wir heftig diskutiert, zum Beispiel, ob ein ZSL unabhängig beraten kann, wenn es gleichzeitig Dienstleistungen erbringt durch einen Assistenzdienst und vieles mehr. Der erste ISL Vorstand bestand aus Wolfgang Uhl, Tobias Reinartz und mir und die erste ISL Geschäftsstelle war in Erlangen unweit des Erlanger ZSL. Wolfgang Uhl, der Jurist war und der viele tolle Ideen hatte, ist leider schon 1998 gestorben.

Möglich wurden unsere Treffen in Erlangen nur, weil wir alle, die daran interessiert waren eine gemeinsame Organisation zu schaffen, privat unterbringen konnten. So mussten nur die Reisekosten selbst aufgebracht werden. Das waren wilde und aufregende Zeiten. Wir waren überzeugt, dass wir die Welt verändern konnten und das haben wir ja auch ein Stück weit geschafft.“

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