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Große Betroffenheit nach Tod von Matthias Vernaldi

Foto zeigt Matthias Vernaldi mit Beatmungerät
Vernaldis Profilbild bei Facebook
Foto: Matthias Vernaldi

Berlin (kobinet) Nachdem sich die Nachricht vom Tod von Matthias Vernaldi verbreitet hat, ist die Betroffenheit über den Verlust dieses engagierten und kritischen Geistes der Behindertenbewegung groß. So zum Beispiel bei Dr. Martin Theben und den Organisator*innen der behindert und verrückt feiern Pride Parade.

"Über eine gute Freundin habe ich heute vom Tode Matthias Vernaldis erfahren. Wir drei gemeinsam haben in den letzten Jahren mit großer Lust und Freude Vereanstaltungen zum Thema Sexualität und Behinderung organisiert und durchgeführt; zuletzt während eines Seminars bei Rehapädagogen an der Humboldt-Universität. Während all dieser Aktivitäten kamen alle seine so liebenswürdigen Eigenschaften zu Tage: Kompetenz und Kompromisslosigkeit in der Sache, zugleich aber ein Übermaß an humorvoller und warmherziger Präsenz, die jeden, der ihm begegnete ,mindestens mit Respekt, sehr viel häufiger aber mit großer Sympathie erfüllte. Ich lernte Matthias mitte der 90ziger Jahre als junger Student kennen. Behindertenpolitisch noch ziemlich grün hinter den Ohren laß er aus seinem Roman DEZEMBERFAHRT vor. In diesem Buch verarbeitete er sein von diversen Heimaufenthalten und der Stasi gepeinigtes Leben in der DDR, das jetzt hinter ihm lag. Es war auch dort ein Leben voller Brüche, das ihn aber niemals brechen konnte. Und wie später im vereinigten (West)Berlin befreite er sich auch in der DDR von Zwängen und gründete - dort eigentlich undenkbar - mit anderen Mitstreitern und seiner auch schon verstorbenen Schwester im thüringischen Hartroda eine sehr unkonventionelle Landkommune. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier rühmte ihn im vergangenen Herbst explizit in ihrer Festrede zum Jahrestag des neunten Oktobers in Leipzig und nannte ihn, anerkennend, einen Dissidenten. Ich finde, treffender kann man ihn nicht rühmen. Wir alle werden in deinem Sinne weitermachen. Du aber kannst nun in Frieden ruhn. Du hast es dir mehr als verdient", schrieb Dr. Martin Theben, der für die kobinet-nachrichten immer wieder über die Geschichte der Behindertenbewegung in Berlin berichtet hat.

Auch die Zeitschrift Mondkalb bei der Matthias Vernaldie mitmachte, trauert um den großen Verlust. In einem Nachruf heißt es: "Jetzt hast Du Dich endgültig vom Acker gemacht. Oft schon bist du dem Tod von der Schippe gesprungen, hast Dich immer wieder aufgerappelt. Es war noch so viel zu erledigen. Du warst überall gleichzeitig. Hast Deine Stimme erhoben, für selbstbestimmte Assistenz, gegen Heimunterbringung. Für ein Mahnmal für die Opfer der NS-Euthanasie, gegen Eugenik. Für sexuelle Dienste, für Huren, für Freier und gegen jeden Moralismus. Uns Grünohren hast Du beim Mondkalb die DDR und das Leben in Heim und Kommune erklärt. Hast uns bei unseren Mondkalb-Treffen fürstlich bekocht. Hast mit uns Texte redigiert, schiefe Metaphern gerügt, Dinge rabenschwarz auf den Punkt gebracht. Bei Schnaps, Wein und Hugo haben wir in Deinem Wohnzimmer, auf dem Sofa unterm Jesuskreuz böse Dinge ersonnen für unsere nächste Ausgabe. Die dann in den letzten Jahren doch nicht mehr kam. Ohne Matthias kein Mondkalb – denn Du warst Herz und Kopf. Mach‘s gut Matthias, trink einen auf uns, dort, wo Du nun bist. Du wirst uns sehr fehlen."

Auch bei den Organisator*innen der behindert und verrückt feiern Pride Parade herrscht Trauer. Auf der Facebookseite heißt es: "Wir trauern um Matthias Vernaldi! Matthias hat auch die Arbeit des Bündnisses, das die 'behindert und verrückt feiern' Pride Paraden organisiert, in den ersten Jahren stark geprägt und auch die Paraden danach immer wieder mit politischen oder literarischen Beiträgen bereichert. Er wird uns sehr fehlen!" Zur Erinnerung an Matthias Vernaldi verweist das Bündnis auf einen sehr persönlicher Beitrag von Matthias Vernaldi aus dem Jahr 2015 unter folgendem Lin: http://www.pride-parade.de/…/red…/rede-von-matthias-vernaldi

In die Trauer um den Tod von Matthias Vernaldi msichte sich gestern eine weitere Hiobsbotschaft. Christian Papadopoulos, der ebenfalls in der Behindertenbewegung und in verschiedenen Bereichen der Behindertenpolitik engagiert war und Persönliche Assistenz nutzte, ist ebenfalls verstorben.

Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/scnoxy8