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Finger in die Wunde legen

Margit Glasow
Margit Glasow
Foto: Uwe Klees

ROSTOCK (KOBINET) Bei der Exklusion von Schülerinnen und Schülern mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf ist Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren Spitzenreiter. Eine Tagung zur schulischen Inklusion wird jetzt den Finger in die Wunde legen, meint die Rostocker Journalistin Margit Glasow heute in einem Gastkommentar für kobinet. Die Landesregierung will laut eigenen Aussagen den beklagenswerten Zustand ändern und diskutiert derzeit eine Schulgesetzänderung mit dem Ziel, „die Inklusion in einem inklusiven Bildungssystem umzusetzen, um mehr Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit für beeinträchtigte Menschen zu schaffen."

Kommentar von Margit Glasow

Der im Januar von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) in den Landtag eingebrachte Gesetzentwurf wurde bereits in der Anhörung im Bildungsausschuss heftig beanstandet, insbesondere von Seiten der Gewerkschaft für Erziehung und Ausbildung, als auch von Seiten des gerade gegründeten Bündnisses für gute Schule. Als Grund wird die Tatsache benannt, dass weder die personelle noch die finanzielle und technische Ausstattung der Schulen im Land ausreichen, um einen differenzierten Unterricht zu gewährleisten.

Auch der Verein Rostocker für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe e. V. kritisiert den Gesetzentwurf scharf. Nach Auffassung des Vereins darf Inklusion nicht darauf reduziert werden, Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen Almosen zu gewähren, indem ihre angeblichen Defizite ausgeglichen werden. Nach dem Verständnis des Vereins setzt Inklusion ein weites, allumfassendes Menschenrechtsverständnis voraus, wonach ALLE Menschen ein Recht auf gute Bildung entsprechend ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten haben - unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen, ihrer sozialen Herkunft, ihres Geschlechts oder Alters.

Zum Europäischen Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen mit Behinderungen laden die Rostocker für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe deshalb - in Kooperation mit dem Allgemeinen Behindertenverband in MV und dem Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland  – zur Tagung "Für eine neue Bildungsdebatte im Land: Vielfalt macht stark – Inklusion als Chance für ALLE begreifen!".

Auf der Tagung soll es um drei zentrale Fragestellungen gehen: Wo steht das Land Mecklenburg-Vorpommern hinsichtlich der menschenrechtlichen Forderung nach inklusiver Bildung (Art. 24 UN-BRK)? Was muss sich verändern, damit das Recht auf inklusive Bildung für alle Schülerinnen und Schüler gelingen kann? Wie kann der konkrete Weg der Umsetzung aussehen?

Die Tagung findet am 4. Mai 2019 im Waldemarhof in der Waldemarstraße 33 in 18057 Rostock in der Zeit von 10:30 bis 16:30 / 17:00 Uhr statt.  Dr. phil. Elisabeth Plate vom Zentrum für Inklusionsforschung Berlin (ZfIB), Humboldt-Universität zu Berlin wird über die gesellschaftlichen Herausforderungen sprechen. Sie arbeitet und forscht zu Inklusion/Exklusion im internationalen Kontext, zu Konstruktionen von Differenz und Vielfalt, zu inklusiver Schulentwicklung, Lehrerbildung und -professionalisierung. Anschließend wird Benjamin Skladny, Schulleiter des Evangelischen Schulzentrums Martinschule, über die konkreten Anforderungen an eine Schule referieren, in der alle Kinder und Jugendlichen willkommen sind. Die Martinschule wurde 2018 für ihr Engagement bei dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.