Werbung

Springe zum Inhalt

Was macht Lul Autenrieb?

Lul Autenrieb
Lul Autenrieb
Foto: Lul Autenrieb

BONN (KOBINET) Die Inklusionsbotschafterin Lul Autenrieb aus Bonn setzt sich nicht zuletzt aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen für die Rechte behinderte Frauen und von Migrantinnen ein. So war es für sie auch selbstverständlich, bei den Aktivitäten zum Internationalen Frauentag mit dabei zu sein. Susanne Göbel, die das von der Aktion Mensch Stiftung geförderte Inklusionsbotschafter*innen-Projekt der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) koordiniert, sprach mit Lul Autenrieb über ihre Aktivitäten und die Demo in Bonn zum Weltfrauentag.

kobinet-nachrichten: Am 8. März, dem Weltfrauentag, gab es in Bonn eine Frauen*Streik Demo. Sie waren eine der Rednerinnen. Was war für Sie an dieser Demonstration so besonders?

Lul Autenrieb: Sie hat das erste Mal so stattgefunden. Wir waren ein neuer, bunter Zusammenschluss von Frauen. Wir haben das seit Oktober 2018 vorbereitet. Es war gut, dass ich als behinderte Frau da war. Da waren viele, die zugeschaut haben. Eine Frau hat zu mir gesagt: "Es ist ganz anders, wenn jemand redet, bei der man die Betroffenheit sieht."

kobinet-nachrichten: Welches Thema ist Ihnen besonders wichtig, was ist Ihr Hauptthema?

Lul Autenrieb: Nein zu Gewalt! Nein zu Krieg! Das liegt mir besonders am Herzen. Gerade Gewalt und Krieg, denn meistens sind davon besonders Frauen und Kinder betroffen. Ich bin Gewaltopfer, dadurch sitze ich im Rollstuhl. Da habe ich mir gesagt: Man kann mir den Mut nicht nehmen, ich versuche in die Öffentlichkeit zu gehen und zu sagen: "Das geht nicht. Niemand hat das Recht mich zu schlagen." Also ich lebe noch und ich kämpfe als Spezialistin und Betroffene für die Rechte von Migrantinnen, die Gewalt erlebt haben. Viele Opfer haben Angst, in die Öffentlichkeit zu gehen. Deshalb ist es wichtig, dass ich rede. Ich bin Gewaltopfer, lebe schon über 30 Jahre in Deutschland und bin jetzt Deutsche. Die Gewalt ist auf der Flucht passiert. Aber das zählt nicht. Es gibt für mich keine Opferentschädigung. Da stehe ich ohne Rechte da und das gibt finanzielle Schwierigkeiten. Für Opfer, die neu in Deutschland ankommen, ist das besser.

kobinet-nachrichten: Zu Beginn der Demo wurde 100 Sekunden lang für 100 Jahre Frauenwahlrecht geklatscht. Was bewegt Sie als Frau und Migrantin hier besonders?

Lul Autenrieb: Es gibt 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland, aber Migrantinnen und Migranten, die schon 30 oder 40 Jahre hier leben und nicht Deutsche sind, sind nicht wahlberechtigt. Das ist nicht gerecht. sie brauchen auch ein Mitspracherecht, dass sie auch lernen, dass sie auch entscheiden können, wen finden sie gut. Ich finde man muss das Wahlrecht erleichtern für die, die einen festen Wohnsitz haben. Wenn man arbeitet, zahlt man auch Steuer.

kobinet-nachrichten: Sie beraten und unterstützen besonders oft Migrantinnen, die eine Behinderung haben. Auf welche Probleme stoßen Sie besonders häufig?

Lul Autenrieb: Migrantinnen, die zusätzlich behindert sind, haben es sehr schwer. Wenn es alte Frauen sind, bekommen sie schwerer eine Einbürgerung. Weil sie nie hier gearbeitet haben. Wenn es alleinerziehende, behinderte Mütter sind, die arbeiten sollen, ist die Einbürgerung auch oft schwerer. Wie soll eine alleinerziehende, behinderte Frau mit drei Kindern Vollzeit arbeiten? Auch weil sie Stütze bekommt, wird die Einbürgerung schwer gemacht. Viele Regeln nehmen den Frauen die Luft und Anträge werden schwer gemacht.
Ich fordere Sonderregelungen für schwerbehinderte und kranke Migrantinnen. Warum macht man es als Menschen diesen Migrantinnen so schwer?

kobinet-nachrichten: Was war Ihr Fazit auf der Demo?

Lul Autenrieb:  Jede Frau kann etwas tun. Wir müssen solidarisch zusammenhalten. Wir Frauen, wir tun so viel. Wir müssen auch weiter weltweit kämpfen.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

 

Links zu weiteren Berichten über Inklusionsbotschafter*innen unter dem Motto "Was macht ...?

Was macht Felicitas Duijnisveld? - kobinet-nachrichten vom 28. Februar 2019

Was macht Graf Fidi? - kobinet-nachrichten vom 13. Januar 2019

Was macht Birger Höhn - kobinet-nachrichten vom 10. Januar 2019

Armin Rist: Viel unterwegs für Inklusion - kobinet-nachrichten vom 20. November 2018