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Für Menschenrechte aller einsetzen

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Foto: Irina Tischer

KASSEL (KOBINET) "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die gestern vor 70 Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurden. Für kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul liegt dabei die Betonung auf "Alle Menschen". In seinem Kommentar wirbt er dafür, dass wir neben dem Kampf für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, auch über unseren eigenen Tellerrand hinausblicken und uns für die Achtung und Sicherstellung der Menschenrechte aller Menschen stark machen.

Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

Kaum jemand hat es besser auf den Punkt gebracht, warum es wichtig ist, dass wir uns stets bemühen, über unseren eigenen Tellerrand hinauszublicken und uns auch für die Achtung und Sicherstellung der Menschenrechte anderer Menschen stark machen sollten. Der evangelische Theologe Martin Niemöller, der selbst ins Konzentrationslager verbannt wurde, beschreibt dies so: "Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."

Gerade in einer Zeit, in der wir einerseits an allen Ecken und Enden merken, wo die UN-Behindertenrechtskonvention mit Füßen getreten wird und wir nach wie vor in weiten Teilen des Landes und in vielen Bereichen im Denken über Behinderung des letzten Jahrtausends mit all seinen diskriminierenden und aussonderenden Auswüchsen verharren, haben wir eigentlich genug zu tun und rufen selbst berechtigt nach Solidarität. Wir befinden uns aber mittlerweile auch in einer gesellschaftlichen Entwicklung, bei der so manche Geister, die man der Vergangenheit zugehörig glaubte, langsam aber sicher wieder Oberwasser gewinnen. Es wird Angst geschürt, es wird Haß gesäht, in den sozialen Medien werden Menschen diffamiert, es werden Falschinformationen gestreut und Gewalttaten bzw. massive Diskriminierungen gegen diejenigen, die zu uns kommen, gegen diejenigen, die anders sind, gehören leider zur Tagesordnung. So wie wir durch Bewusstseinsbildung versuchen, dass die UN-Behindertenrechtskonvention mitten in der Gesellschaft ankommt und Menschenrechtsverletzungen gegen behinderte Menschen verhindert, bzw. geahndet werden, so müssen wir unser eigenes Bewusstsein für das schärfen, was um uns herum passiert. Denn aus der Geschichte wissen wir gut genug, wie schnell es auch behinderten Menschen sprichwörtlich "an den Kragen" gehen kann.

Nutzen wir die Zeit zwischen 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 2018 und dem 10jährigen Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention am 26. März 2019 in Deutschland also auch dafür, unseren Blick auf die Breite der Menschenrechtsverletzungen und die dahinter steckenden Strukturen zu weiten.