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Entscheidung zur Beratungspflicht von Sozialämtern

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Foto: ht

KARLSRUHE (KOBINET) Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat in einer gestern bekannt gegebenen Entscheidung klar gestellt, dass MitarbeiterInnen der Sozialträger auch auf mögliche Ansprüche gegenüber anderen Trägern hinweisen müssen. Wenn dies nicht getan wird, können Betroffene Anspruch auf Schadenersatz haben. Das Sozialamt des Landkreises Meißen muss nach der Entscheidung einem behinderten Menschen nun vermutlich mehrere zehntausend Euro bezahlen, wie der Tagesspiegel berichtet.

Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat sich gestern in einer Entscheidung mit der Frage befasst, welche Anforderungen an die Beratungspflicht des Trägers der Sozialhilfe gemäß § 14 Satz 1 SGB I zu stellen sind, wenn bei Beantragung von laufenden Leistungen der Grundsicherung wegen Erwerbsminderung (§§ 41 ff SGB XII) ein dringender rentenversicherungsrechtlicher Beratungsbedarf erkennbar ist. "Im Sozialrecht bestehen für die Sozialleistungsträger besondere Beratungs- und Betreuungspflichten. Eine umfassende Beratung des Versicherten ist die Grundlage für das Funktionieren des immer komplizierter werdenden sozialen Leistungssystems. Im Vordergrund steht dabei nicht mehr nur die Beantwortung von Fragen oder Bitten um Beratung, sondern die verständnisvolle Förderung des Versicherten, das heißt die aufmerksame Prüfung durch den Sachbearbeiter, ob Anlass besteht, den Versicherten auch von Amts wegen auf Gestaltungsmöglichkeiten oder Nachteile hinzuweisen, die sich mit seinem Anliegen verbinden; denn schon gezielte Fragen setzen Sachkunde voraus, über die der Versicherte oft nicht verfügt. Die Kompliziertheit des Sozialrechts liegt gerade in der Verzahnung seiner Sicherungsformen bei den verschiedenen versicherten Risiken, aber auch in der Verknüpfung mit anderen Sicherungssystemen. Die Beratungspflicht ist deshalb nicht auf die Normen beschränkt, die der betreffende Sozialleistungsträger anzuwenden hat", stellte der Bundesgerichtshof in seiner Presseinformation zu der Entscheidung vom 2. August 2018 klar.

Link zur Presseinfo des Bundesgerichtshofs



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