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Die Sache mit dem Kreuz

Roland Frickenhaus
Roland Frickenhaus
Foto: Roland Frickenhaus

UNBEKANNT (KOBINET) Der bayerische Löwe brüllt. Es geht Richtung Wahl und da wird er schon mal erfinderisch bis bösartig. So sollen zweifelhafte Gesetze seinen Machtanspruch zementieren und Kreuze sein Revier markieren. Eine faden-schein-heilige Idee...

Dann wird es wohl bald Geschichte sein mit dem bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz. Denn Toleranz und Menschenwürde werden selbstverständlich auch diejenigen nicht unerreicht lassen, die jeden Morgen brav am Kreuz vorbei zu ihren Schreibtischen eilen, um an diesem Gesetzentwurf zu arbeiten.

Jesus wäre sicher Bayer, wenn er noch mal dürfte. Derweil schaut er beglückt zu und freut sich, wenigstens hier verstanden worden zu sein. Von Bayern lernen heißt, christliche Werte lernen. Hier kann man auch Nächstenliebe. Ungefähr da, wo bisher der „Weißwurstäquator“ verlief, verläuft nun der „Toleranzäquator“. An den Kreuzen sollt ihr sie erkennen.

Man muss nicht viel Phantasie haben, um sich auch die geplanten „Ankerzentren“ als Hochburgen von Nächstenliebe, Toleranz und Menschenwürde vorzustellen. Wenn eine Flucht überhaupt so etwas wie ein „Happy End“ haben kann, dann besteht dieses im Betreten bayerischen Bodens. Aus Eurem Mohammed wird ab dem Schlagbaum unser Jesus. Mehr nicht. Ansonsten hüllen wir Euch in unsere christlichen Werte ein, bis Euch Hören und Bleibenwollen vergehen.

Dann gibt es da auch noch den Herrn Dobrindt, der Begriffe verwendet wie den der „Anti-Abschiebe-Industrie“ und der von „Abschiebe-Saboteuren“ spricht. Das wird sich selbstverständlich ändern, wenn er dann ab dem ersten Juni jeden Morgen auf seinem Weg ins Büro endlich am Kreuz vorbei darf. Höchste Zeit also, dass schon im Eingangsbereich öffentlicher Gebäude die christlichen Werte von der Wand grüßen und Trost und Mahnung gleichermaßen versprühen.

Dass im kühlen Teil Restdeutschlands regelmäßig immer mal wieder ein bayerischer Bierzelt-Haudrauf für Kopfschütteln sorgt, hat schon Tradition. „Mia san mia, Kruzi-fix noch mal!“

Und auch das umstrittene Polizeiaufgabengesetz, das München jüngst eine der größten Demonstrationen der letzten Jahre bescherte, wird wohl in die Tonne wandern, wenn die christlichen Werte endlich sichtbar Einzug halten werden.

Dann wird also künftig der Gang durch bayerische Dienstgebäude zum „Kreuzweg“ und der Weg zum Sachbearbeiter für Sozialhilfe gewissermaßen zur „Via Dolorosa“. Das hat doch auch schon wieder was.

Deutschland wird am Hindukusch verteidigt und das Neue Testament in Bayerisch-Eisenstein. Seit knapp 2000 Jahren haben wir endlich Wurzeln. Und ab dem 01. Juni 2018 kriegen das auch alle Entwurzelten zu wissen, falls sie es unbemerkt in öffentliche bayerische Gebäude geschafft haben sollten.

„Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden“, sagte Kardinal Reinhard Marx neulich in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Und, so fährt er fort, „Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet“.

Aber wes des Herz voll ist, des geht der Mund über. Und wer so auf Tuchfühlung mit der Bergpredigt lebt, den treibt‘s einfach automatisch auf die Leiter zum Kreuzaufhängen. Während sich die Amtskirche mühsam von Sonntag zu Sonntag hangelt, werden in Bayern christliche Werte kurzerhand an die Wand genagelt.

Das hätte dem Mann aus Nazareth aber so richtig gefallen. Ist genau sein Stil. Hätte er eigentlich auch drauf kommen können. Stattdessen dieses Eiapopeia von Nächstenliebe und dass man sein Leben für seine Feinde geben soll. Kein Wunder, dass er es 'nur' bis ans Kreuz geschafft hat…

Zur Landtagswahl am 14. Oktober 2018 besteht die Möglichkeit, der „Enteignung des Kreuzes im Namen des Staates“ Einhalt zu gebieten.

Mit einem Kreuz übrigens.