Foto: Thies Raetzke
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HAMBURG (KOBINET)
HAMBURG (KOBINET) Nicht nur wer Hamburg besucht muss unbedingt auch die Elbphilharmonie gesehen haben - viele fahren auch gerade wegen ihr hin. Das trifft auch auf unseren Leser Jürgen Krohn zu, der einen Konzertbesuch mit Übernachtung von seiner Familie geschenkt bekommen hatte, und uns als "Mensch mit Behinderung" davon berichtete.
Der Besuch war für ihn beeindruckend. Er berichtet von einem unvergesslichen Konzert sowie einem tollen Sonnenaufgang mit herrlichem Blick über den Hamburger Hafen. Also alles perfekt ? Nicht ganz, wie er uns schreibt. Eine erste Enttäuschung bestand für ihn darin, dass es augenscheinlich keine Möglichkeit gab, im Vorfeld eine barrierefreie Hausführung zu buchen. Auf seine Anfrage hin wurde er auf eine Buchung auf der Internetseite verwiesen, ein Hinweis, den er dort jedoch nicht finden konnte.
Die Elbphilharmonie war, wie Jürgen Krohn berichtet, leicht zu finden. Ebenso trifft das nach seinen Worten auf den Weg zum Hotelparkplatz zu. Aber dann erwarteten ihn grauer Boden und einheitlich graue Wände – nach dem Sonnenschein draußen wäre wohl mehr Kontrast zur Orientierung besser gewesen. Freundlich durch Mitarbeiter des Hauses begrüßt gab es für seine Familie und ihn ein schönes und geräumiges Hotelzimmer mit traumhaften Blick auf den Hafen sowie einer weitgehend barrierefreien Toilette – leider fehlte es hier, wie Krohn bemängelt, an Ablagen für die Waschtasche und weitere Utensilien.
Auch beim Weg in das Restaurant gab es Hürden. Dem Hinweis der Internetseite folgend hatten sie die „Fahrstuhlgruppe B“ genutzt – und waren in einem Bereich gelandet, der ganz offensichtlich nicht für den Publikumsverkehr gedacht war. Eine weitere freundliche Mitarbeiterin begleitete sie jedoch ans Ziel: durch einige Gänge und Stahltüren zu einem weiteren Aufzug, mit dem es eine weitere Etage tiefer ging, und wo dann, vorbei an der Speisenausgabe der Küche, der Weg zu gutem Essen und schmackhaftem Bier im Restaurant endete.
Die Behindertentoilette für das Restaurant war dann wieder eine Etage höher – ein Weg, den man erst einmal gezeigt bekommen muss. Als ungewohnt beschreibt er das Nutzen der Rolltreppe, die nach oben hin immer flacher ansteigt. Auch die Treppengeländer fand er schwierig, weil sie bereits an den Treppenstufen endeten. Schließlich gab es ihn mit den Oberschenkelprothesen wegen des geringen Abstandes zwischen Sitz und Balustrade Schwierigkeiten. Das eröffnete ihm einen sehr guten Blick auf das Orchester, machte es andererseits aber unumgänglich, das Konzert auf der Sitzkante sitzend zu verfolgen.
Bevor ich den Artikel geschrieben habe, hatte ich mir noch einmal den Brief von Jürgen Krohn durchgelesen. Wenn ich seine Eindrücke so sehe und daran denke, dass „Barrierefreiheit“ das ist, was alle „…auf die normal übliche Weise…ohne zusätzliche Kraftanstrengung… und grundsätzlich ohne fremde Hilfe“ tun können, dann war der Besuch der Elbphilharmonie für seine Familie und ihn ganz sicher ein unvergessliches Erlebnis – aber wohl doch nicht so ganz ohne Barrieren.




