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Zwischen Inklusion und Nixklusion

Kirsten Ehrhardt (li) und Kirsten Jakob (re)
Kirsten Ehrhardt (li) und Kirsten Jakob (re)
Foto: Kirstenmalzwei

WALLDORF/ULM (KOBINET) Seit genau einem Jahr gibt es den Blog www.kirstenmalzwei.blogspot.de. Kirsten Ehrhardt aus Walldorf und Kirsten Jakob aus Ulm schreiben jeden Montag eine Geschichte zwischen Inklusion und Nixklusion. Beide sind Mütter von Jungs mit Down-Syndrom, 14 und 16 Jahre alt, mailten sie heute an kobinet: 53 Geschichten haben sie inzwischen veröffentlicht – jeden Montag eine und eine Extrageschichte zum diesjährigen Welt-Down-Syndrom-Tag.

Über 2.000 Leser und Leserinnen haben ihre Geschichten jede Woche. Die Klickzahlen insgesamt sind längst sechsstellig. Der Blog hat viele Fans, auch wegen seiner unverwechselbaren minimalistischen Kopffüßler, mit denen er illustriert ist. Auch in der Fachwelt findet er viel Beachtung. Der bekannte Inklusionsforscher Hans Wocken schreibt zum Beispiel: „Ich beglückwünsche Sie. Ich bin ein Fan von Geschichten aus dem Alltag. Die sind der Realität am nächsten und können vielleicht einige zum Nachdenken bringen, die bei missionarischen Vorträgen eher abschalten."

Kennzeichen der Geschichten ist die einfache und schnörkellose Sprache mit einem ganz besonderen Humor. Die Autorinnen wollen inklusiven und weniger inklusiven Alltag abbilden, nicht belehren. „Nicht überall, wo Inklusion draufsteht, ist auch Inklusion drin", sagt Kirsten Jakob, „manchmal ist es eine Form der Integration, manchmal bloße Duldung, manchmal knallharte Exklusion." Den Begriff „Nixklusion" haben die beiden dafür geprägt. Da ist zum Beispiel die Geschichte des Mädchens mit Behinderung, das auf dem Flur lernen muss – ein anderes Mädchen, das nicht mit auf die Klassenreise genommen wird – der Junge, der in der Fußball-AG nur mit der Schulbegleitung kicken darf.

Es gibt auch positive Geschichten, aber die sind im Blog etwas seltener. „Oft sind es die Kinder, die Inklusion ganz selbstverständlich leben und noch nicht unseren Erwachsenen-Problemblick haben", beobachtet Kirsten Ehrhardt. „Natürlich sind viele Menschen schon engagiert unterwegs. Aber viele bleiben noch immer in der Diskussion um das „ob" hängen, anstatt sich zu überlegen, wie Inklusion gut funktionieren könnte."

Die beiden Kirstens haben im Laufe des Jahres viele Interviews gegeben, wurden zu einer Lesung an die Hochschule für Gesundheit in Bochum eingeladen und haben sich mit vielen anderen Bloggern vernetzt. Sie sind auch bei twitter als @kirstenkirsten aktiv. Eine Zeitlang hatten sie Angst, dass ihnen die Geschichten ausgehen könnten. Diese Angst haben sie nach einem Jahr nicht mehr: „Es gibt in Deutschland in Sachen Inklusion noch sehr viel zu tun – da können wir noch sehr viel schreiben!"